Linke und rechte Hand sind nicht gleich…

Mater fragte in den Kommentaren: “Gibt es eigentlich einen signifikanten Unterschied zwischen Citalopram und Escitalopram? Lohnt sich der Umstieg?”

Chiralität:

Leg bitte mal Deine rechte Hand auf Deine linke Hand. Sind sie deckungsgleich? Nein. Sie sind lediglich spiegelsymmetrisch gleich. Bei chemischen Molekülen gibt es das auch. Zwei Moleküle sind spiegelsymmetrisch, aber eben nicht deckungsgleich. Bei Molekülen heißt das chiral (vom griechichen Wort für Hand, von dem auch das Wort Chirurgie abstammt). Bei Arzneimitteln ist es in der Regel so, dass beide Varianten eines Moleküls zu je gleichen Teilen in der Medizin enthalten sind, es wirkt aber nur eines der beiden Enantiomere.
So ist es auch beim Citalopram. Das ist eine 50 zu 50 Mischung des antidepressiv wirksamen S-Citaloprams (handlicher benannt als Escitalopram) und des nicht wirksamen spiegelbildlichen R-Citaloprams.

20 mg Citalopram enthalten 10 mg Escitalopram

20 mg Citalopram entsprechen 10 mg Escitalopram. Logisch, denn in 20 mg Citalopram sind ja auch 10 mg S-Citalopram drin, und halt noch 10 mg R-Citalopram.
Lundbeck hat, kurz bevor das Patent von Citalopram ausgelaufen ist, einen in der Pharmabranche üblichen Trick angewendet. Das S- und R-Citalopram-Gemisch, das als Citalopram verkauft wird, wurde chemisch getrennt, und nur noch die wirksame Hälfte, das S-Citalopram verkauft. Name Escitalopram. 10 Jahre neues Patent drauf, und damit wesentlich höhere Gewinnmarge. Dann macht man mit Escitalopram noch Zulassungsstudien für Indikationen, bei denen man für Citalopram keine Zulassungsstudie gemacht hat, und schon erscheint es ein breiteres Wirkspektrum zu haben als Citalopram.
Dabei ist aus logischen Gründen ausgeschlossen, dass 10 mg Escitalopram besser wirken können als 20 mg Citalopram, denn in 20 mg Citalopram sind ja auch 10 mg S-Citalopram drin.
Es ist theoretisch möglich, dass das R-Citalopram Nebenwirkungen macht. Aber es macht nicht die typischen serotonergen Nebenwirkungen wie Übelkeit, QT-Zeit-Verlängerung oder verzögerten Orgasmus, denn das R-Citalopram ist ja eben gerade nicht aktiv am Serotonin-Transporter. Es könnte vielleicht Allergien auslösen, die Escitalopram nicht auslöst.

Fazit:

Meine Einschätzung ist also: Was auch immer die Marketing-Experten uns erzählen möchten: Escitalopram ist nicht wirksamer als (die zweifache Menge) Citalopram. Es könnte theroretisch weniger Nebenwirkungen machen. Aber nicht die klassischen Nebenwirkungen.

Wie Benperidol Geister vertreiben kann

Benperidol war das erste Psychopharmakon, dessen Wirkung ich selbst bewusst beobachtet und kennengelernt habe. Im zweiten klinischen Semester machte ich meine erste Famulatur. Ich überlegte einige Zeit, in welchem Bereich ich meine erste Famulatur machen sollte. Am skeptischsten war ich gegenüber der Psychiatrie. Ich hatte nun schon einiges darüber gehört, wußte aber nicht, ob Psychiatrie wirklich funktioniert. Also wählte ich dieses Fachgebiet für meine erste Famulatur aus. Ich wollte wissen, ob Psychiatrie wirklich helfen kann, ob sie wirklich nutzt. Ich wurde auf einer geschlossenen Aufnahmestation eingesetzt.

An meinem ersten Tag lernte ich eine Patientin kennen, die einige Jahre jünger war als ich. Sie berichtete mir, dass sie immer wieder Geister höre und dass sie spüre, dass Geister um sie herum seien. Sie hatte große Angst und bat um Hilfe.

Die Patientin litt an einer Psychose. Die Stationsärztin beauftragte mich, ihr jeden Tag morgens und nachmittags 4 mg Benperidol, besser bekannt unter dem Handelsnamen Glianimon®, intravenös zu injizieren. Bereits nach der ersten Spritze, dem Anfang der Behandlung, konnte ich eine Veränderung beobachten. Hatte sie zuvor noch etwas durcheinander und beschleunigt gesprochen, war der Gedankengang nun besser geordnet. Sie glaubte immer noch an die Geister, war aber ruhiger und sprach nicht mehr so durcheinander. Sie hatte weniger Angst. Ich verabreichte ihr jeden Morgen und jeden Abend eine Spritze und beobachtete von Tag zu Tag die Fortschritte. In den ersten zwei Wochen nahm sie weiterhin Geister wahr, hörte deren Stimmen und spürte ihre Präsenz. Doch dann zweifelte sie langsam an den Geistern und sagte mir, sie wisse doch eigentlich, dass es keine Geister gebe. Aber die Stimmen schienen ihr echt, sie könne sich diese Stimmen nicht anders erklären, schließlich sehe sie überhaupt niemanden, wenn sie die Stimmen höre, es könnten doch also nur Geister sein. Ich sprach viel mit ihr darüber, was die Stimmen sagten, konnte aber keinen nachvollziehbaren Sinn darin ausmachen. Unsere Erklärungen, es handele sich um Sinnestäuschungen im Rahmen einer Erkrankung, hörte sie sich mit großer Skepsis an.

Die Behandlung mit Benperidol wurde fortgeführt. Nach drei Wochen berichtete sie erstmalig, dass sie nun keine Stimmen mehr höre. Sie nehme keine Präsenzen von unerklärlichen Wesen mehr wahr. Sie war ihre Ängste los und wirkte wieder ganz normal, allerdings etwas erschöpft und müde. In der vierten Woche meiner Famulatur wurde das Glianimon auf ein verträglicheres Medikament umgestellt.

Benperidol hatte die Geister vertrieben. Und ich war  überzeugt, dass Psychiatrie funktioniert. Die Neuroleptika helfen Menschen mit einer Psychose, die Halluzinationen zu verlieren und wieder klar und angstfrei zu denken. Hochpotente Neuroleptika wie Benperidol wirken sehr stark gegen Halluzinationen und Wahn.

Die Kehrseite dieser Wirkstoffgruppe sind allerdings oft Nebenwirkungen im Sinne von Extrapyramidal Motorischen Symptomen (->EPMS) wie Steifigkeit der Gelenke, Schluckstörungen oder einer Verarmung der Mimik. Auch Anhedonie und Antriebsstörungen treten häufig auf.

Aus diesem Grunde sind klassische hochpotente Neuroleptika wie Benperidol und Haloperidol heute im Regelfall nicht mehr die Medikamente der ersten Wahl. In der Mehrzahl der Fälle beginnt man heute eine neuroleptische Behandlung mit einem atypischen Neuroleptikum. Es gibt jedoch Situationen, in denen die Wahl eines klassischen Neuroleptikums auch heute noch erforderlich ist. Ein Grund ist, dass es noch kein Atypikum gibt, das man intravenös injizieren kann. Es gibt Atypika, deren sofort wirksame Darreichungsform man intramuskulär geben kann (Olanzapin, Ziprasidon und Aripiprazol), aber das ist nicht immer der beste Weg. Auch ist es so, dass klassische Neuroleptika sehr schnell, sehr verlässlich und sehr stark wirken. Das begründet in einigen Fällen den Einsatz eines typischen Neuroleptikums zu Beginn der Behandlung. Es gibt auch Patienten, die ihre psychotischen Symptome unter atypischen Neuroleptika nicht verlieren, denen ein Typikum aber gut hilft und wenig Nebenwirkungen verursacht. Diese Patientengruppe profitiert ebenfalls von einer solchen Substanz.

Die Mehrzahl der Patienten wird allerdings am ehesten davon profitieren, von Anfang an mit einem Atypikum behandelt zu werden und während der gesamten Dauer der Behandlung und der gesamten Dauer der Rezidivprophylaxe dabei zu bleiben.

Copyright

 

Dieser Beitrag ist ein Auszug beziehungsweise eine auszugsweise Vorabveröffentlichung des Werks „Psychopharmakotherapie griffbereit“ von Dr. Jan Dreher, © Georg Thieme Verlag KG. Die ausschließlichen Nutzungsrechte liegen beim Verlag. Bitte wenden Sie sich an permissions@thieme.de, sofern Sie den Beitrag weiterverwenden möchten.

Psychiatrische Kliniken aus aller Welt: Universitäre Psychiatrien Basel

Psychiatrische Uni Klinik Basel

Video-Doku über die Psychiatrische Uni-Klinik Basel

Das schweizer Fernsehen hat diese halbstündige Reportage über die Psychiatrische Uni-Klinik Basel gedreht, der für Leute, die noch kein Bild von einer psychiatrischen Klinik haben, geeignet ist, ein sehr schönes Bild zu gewinnen. Ich muss allerdings warnen: Nicht in jeder Klinik ist die Innenarchitektur so schön wie in der UPK Basel. Interessant auch, dass die Ärzte alle hochdeutsch sprechen, die Patienten aber Schweizer-Deutsch.

Danke für den link, Steffi!

Zum Unterschied von Intrusionen und Flashbacks

In der Traumatherapie spielt eine präzise Sprache eine ganz besonders wichtige Rolle. Ein Punkt ist, dass die häufigeren Intrusionen von den selteneren, dafür sehr viel pathologischeren Flashbacks unterschieden werden müssen. Es ist nicht gut, einem Patienten, der Intrusionen hat, zu sagen, er habe Flashbacks, und ihn entsprechend falsch zu behandeln… Zur Rekapitulation:

Intrusionen

Intrusionen sind laut Wikipedia der Überbegriff über unangenehme Erinnerungen, Flashbacks und Albträume. 

Im allgemeinen Sprachgebrauch werden als Intrusionen am ehesten Erinnerungen aus der Vergangenheit benannt, die dem Patienten in den Sinn kommen, und die er als störend oder belastend erlebe. Dabei besteht Distanz zu diesen Erinnerungen und er kann diese Erinnerungen als solche zuordnen. Er kann dabei ganz normal weiterarbeiten. Er bleibt Herr des Geschehens.

Flashbacks

Flashbacks gelten als Unterbegriff der Intrusionen. Ein Flashback ist ein Zustand, in dem jemand mit Haut und Haaren in ein vergangenes Erlebnis hinein gerissen wird, und es jetzt noch einmal durchlebt, als geschehe es gerade jetzt noch einmal. Dabei durchlebe er nicht nur die abstrakte Erinnerung, sondern auch die damit verbundenen Sinneswahrnehmungen wie Gerüche, Berührungen und die damit verbundenen Gefühle wie Angst etc. noch einmal mit durch. Der Flashback ist hier Herr über das Erleben.

Ärzte Bestechung wird strafbar

Bislang gab es interessanterweise keine Strafnorm, die es niedergelassenen Ärzten verbot, Bestechungsgelder anzunehmen, wie der BGH unlängst feststellen musste. Der bislang schon vorhandene Straftatbestand der “Bestechung” galt nur für Vorteilsannahme im Amt. Ein Amt übt ein niedergelassener Arzt aber nicht aus, das tut nur ein Beamter oder ein Funktionär im öffentlichen Dienst u.ä. Daher war rechtlich nichts zu machen, wenn ein Pharmavertreter einem Arzt Geld gezahlt hat, dafür dass er das Medikament des Pharmavertreters verschreibt.

Zwar ist es so, dass auch andere Freiberufler bestochen werden dürfen (Rechtsanwälte, Architekten…), aber das besondere Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient braucht auch besonderen Schutz.

Daher ist es überfällig und sehr zu begrüßen, dass in den Koalitionsverhandlungen nun offenbar entschieden wurde, dass sowohl derjenige, der einen Arzt besticht als auch der Arzt, der eine Bestechung annimmt, gemäß einem neu zu schaffenden Strafrechtsparagrafen bestraft werden kann, offenbar bis zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren.

Bestechung war vor etwa 10 Jahren ein noch sehr viel größeres Thema als gegenwärtig, die Pharmafirmen haben sich in den letzten Jahren selbst einen Kodex gegeben, der zu einer sehr deutlichen Abnahme von unangemessenen Zuwendungen führte. Das neue Gesetz wird hoffentlich auch noch die letzten Sümpfe trocken legen. Und die Patienten können sicher sein, dass die Entscheidung über ein Medikament sowie die Auswahl des einzelnen Präparates zu ihrem Besten getroffen wird.

Das Ziel eines solchen Gesetzes sind primär die wenigen schwarzen Schafe, die Geld annehmen für gefällige Verordnungen. Es ist aber anzunehmen, dass der Ruch der Strafbarkeit auch eine Strahlkraft auf die möglicherweise noch erlaubten kleinen Gefälligkeiten, wie USB-Sticks und Einladungen zum Essen, den Spaß nehmen wird. Und das ist gut so.

Orthorexia nervosa

Mit der Erfindung neuer Krankheiten sollte man zurückhaltend sein. Das spricht natürlich gar nicht gegen eine Ausnahme von Zeit zu Zeit. Mir gefällt dieser Vorschlag von Dr. Bratmann gut: Vorhang auf für eine neue Modekrankheit, Seuchenpotential inclusive:

Orthorexia nerosa

Die Orthorexie ist das Krankhafte Gesundessen, also die ständige Beschäftigung mit Vitaminen, Nährwerttabellen, Ernährungsplänen und der stundenlangen Hingabe, das ultimativ gesunde Essen zu erkennen, zu beschaffen, zu bevorraten und schließlich in eben gerade ausreichenden Mengen einzunehmen. Statt danach einen Espresso zu trinken, wird lieber in einer brandneuen Studie zur krebsauslösenden Wirkung von Mineralwasser geschmökert. Gerne wird das Krankheitsbild von einem nervtötenden missionarischen Eifer begleitet. Was regelmäßig fehlt, ist der entspannte Genuß beim Essen. Die Krankheit ist zwischen den Essstörungen und den Zwangsstörungen angesiedelt.

Noch gilt Orthorexia nervosa nicht wirklich als Krankheit.

Aber jetzt muss ich aufhören, zu schreiben. Mein Grünkohleintopf mit Speck und Bratwurst wird gerade gebracht…

Die Herkunft der Papa-Plautze

Dass Frauen in ihrem Leben einem ständigen Wandel der Hormone unterliegen, ist gemeinhin bekannt. Dass ihre Psyche, ihr Streben und Wollen, ja ihr ganzer Lebensweg stark von diesen Hormonen bestimmt werden, gilt ebenfalls als gewiss. Nicht nur die Psyche, auch der Körper durchleben starke Änderungen, insbesondere natürlich während der Schwangerschaft. Weniger bekannt ist, dass auch Körper und Geist des Vaters hormonellen Schwankungen im Zusammenhang mit der Geburt eigener Kinder unterliegen. Nach der Geburt sinkt der Testosteronspiegel des jungen Vaters deutlich ab, was den evolutiven Vorteil bringt, dass er sich weniger für fremde Jungfrauen interessiert, sondern sich statt dessen liebevoll der Brutpflege zuwendet. Eine Nebenwirkung des fallenden Testosteronspiegels ist allerdings eine Umverteilung und Zunahme des Körperfetts: Die allseits bekannte Papa-Plautze. Das charakteristische Spannen der früher einmal auf Taille geschnittenen modischen Hemden im Abdominalbereich der Neu-Väter, das man auf jedem Spielplatz beobachten und mit geteiltem Entsetzen diskutieren kann. Es ist ebenso hormonell mitverursacht wie die Freßattacken der Kindsmutter wenige Monate zuvor. Und die verurteilt ja auch keiner… Quelle: Udo Pollmer: Wer gesund lebt, ist selber Schuld. Auch sonst ein sehr unterhaltsames und unkonventionelles Buch, das ordentlich über viele Dogmen des Ernährungswahns aufklärt…

Medikament gegen Spielsucht gefunden?

In diesem Artikel im Ärzteblatt wird über eine Veröffentlichung in der aktuellen Ausgabe der Biological Psychiatrie berichtet, der erstmalig eine medikamentöse Therapiemöglichkeit der Spielsucht für möglich erscheinen lässt. Schon länger ist bekannt, dass dopaminerge Medikamente, wie sie beim M.Parkinson gegeben werden, neben Hypersexualität und maniformem Verhalten wie Kaufsucht auch Spielsucht verursachen können. Im Tierexperiment ist es nun gelungen, Ratten, die eine einfache Form der Automatenspielsucht antrainiert bekommen hatten, durch Gabe eines Dopamin-D4-Antagonisten wieder von dieser Sucht zu befreien. Die Substanz mit dem noch nicht von einer Marketingabteilung verunstalteten Namen “L-745,870” war in früheren Studien geprüft worden, ob sie gegen die Symptome einer Schizophrenie wirkt, was nicht der Fall war. Sie wird möglicherweise nun doch noch zu großem Ruhm kommen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sie nun in klinischen Studien weiter untersucht werden wird, da nicht substanzabhängige Süchte wie das pathologische Spielen häufig sind und ein wirksames Medikament ohne Zweifel ein großes Marktpotential hätte.

Buchempfehlung: Alice Munroe – Tricks

Alice Munro hat vor einigen Tagen den Literaturnobelpreis erhalten. In der Begründung heißt es, sie könne in einer Kurzgeschichte so viel mehr sagen, als Andere in langen Romanen.

Ich lese gerade ihr Kurzgeschichtensammlung “Tricks”. Die Begründung stimmt. Alice Munro kennt die Menschen. Und sie schreibt auf eine unglaublich angenehme und dennoch eindringliche Weise.

Mein Tip also: Kaminfeuer an und Buch laden.

Sisa: Crystal Meth in Griechenland

Sisa

Die ökonomische Krise in Griechenland hat sich inzwischen zu einer ökonomischen Katastrophe entwickelt. 65 % der unter 25-jährigen sind arbeitslos. Obdachlosigkeit und Drogenkonsum nehmen zu. Dieses Video der Zeit zeigt Konsumenten von Crystal-Meth in Athen. Dort wird es Sisa genannt, und es ist für 1-2 € pro Konsumeinheit zu bekommen. Das Video zeigt bedrückende Bilder.

http://www.zeit.de/video/2013-10/2728591113001

wieder online…

Also MAPPING hat schon mal nicht funktioniert. Dafür weiß ich jetzt, dass es einen C-NAME-Server gibt, das ich keinen finden kann und einen bräuchte…

Aber REDIRECTING funktioniert. Ihr könnt vorerst weiter www.psychiatrietogo.de ins browserfenster eintippen, das leitet dann auf psychiatrietogo.wordpress.com um.

Ich bemühe mich, wieder zurück zu psychiatrischen Themen zu kommen…

sorry für die technischen Probleme… 😦

blog down…

OK, das hat schon mal nicht geklappt… Der blog ist gegenwärtig nicht zu erreichen. WordPress bittet mich, einige Stunden zu warten, vielleicht klappe die Umleitung dann. Dann will ich das mal tun. 

Stay tuned, ich informiere, wenn es wieder alles klappt!

Psychiatrie to go ab jetzt unter www.psychiatrietogo.de zu finden

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Ich habe mir mal ein kleines upgrade bei wordpress gegönnt. Ab heute findet ihr diesen blog unter der Adresse www.psychiatrietogo.de.

Ich hoffe, das die Umleitung für alle funktioniert. Ich stell das jetzt mal um, und wenn alles klappt, findet ihr gleich einen neuen post, der den erfolgreichen Umzug verkündet. Wenn ihr beim Umzug irgendwie den feed verlieren solltet (was eigentlich nicht der Fall sein sollte), merkt ihr es daran, dass das hier der letzte post ist. Dann bitte einfach www.psychiatrietogo.de/feed/ neu im feedreader abonnieren.

So, dann will ich mal den Hebel umlegen…

Eine neue Weiterbildungsordnung in der Psychiatrie wird kommen

Gegenwärtig dauert die Weiterbildung zum Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie fünf Jahre. Es gibt einige wenige Zusatzqualifikationen, die die Zusatzbezeichnung Forensische Psychiatrie oder Geriatrie.

Gegenwärtig werden die Weiterbildungsordnungen aller Fächer neu überdacht, und auch die Psychiatrie wird bis zum Jahr 2016 eine neue Weiterbildungsordnung bekommen.

Inhaltlich ist das Fach Psychiatrie sehr vielseitig, es reicht von der sehr somatischen Gerontopsychiatrie über die Suchtpsychiatrie, die Allgemeinpsychiatrie bis hin zur Psychotherapie. Und dann gibt es noch eine Reihe von Spezialanwendungsfällen dieser Gebiete wie der Forensik, die sehr viel zusätzliches, spezialisiertes Wissen erfordern.

Insbesondere die stärkere Gewichtung der Gerontopsychiatrie und der störungsspezifischen Psychotherapie lassen nun den Gedanken aufkommen, dass die Weiterbildungszeit eigentlich von fünf Jahren auf sechs Jahre verlängert werden müßte, um der Komplexität und Breite des Faches gerecht werden zu können.

Aber sechs Jahre sind lang, insbesondere, wenn man bedenkt, wie viele Psychiaterinnen und Psychiater in Teilzeit arbeiten, immer mal wieder Elternzeit nehmen oder auch erst spät, zum Beispiel am Ende der Neurologie-Weiterbildungszeit, zur Psychiatrie wechseln. Und zur Facharztprüfung erst mit 50 antreten zu dürfen, kann auch nicht Sinn der Sache sein.

Da die Psychiatrie der Breite der Inhalte nach am ehesten mit der Inneren Medizin verglichen werden kann, kann man überlegen, wie dort die Weiterbildung in einen Gemeinsamen Teil (common trunk) und sich hieran anschließende Spezialisierungen (in der Innern Kardiologie, Gastrologie etc.) aufzuteilen.

Das hätte den Vorteil, die Weiterbildungszeit nicht ausufern zu lassen, und dennoch die für diesen Bereich erforderlichen Kenntnisse solide vermitteln zu können. Ein solches Curriculum könnte zum Beispiel so aussehen:

Zunächst machen ALLE 4 Jahre einen Gemeinsamen Teil, bestehend aus 2 Jahren Allgemeinpsychiatrie, einem Jahr Sucht, und einem Jahr Gerontopsychiatrie.

Danach käme eine Spezialisierung, die entweder nach einem weiteren Jahr Psychotherapeutische Medizin in den Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie mündet, oder nach zwei Jahren Spezialisierung einen der unten genannten Abschlüsse bringt

AP=Allgemeinpsychiatrie, S=Sucht, G=Geronto, F=Forensik, PM=Psychotherapeutische Medizin, FA PP=Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie, ZB=Zusatzbezeichnung

1.Jahr 2.Jahr 3.Jahr 4.Jahr 5.Jahr 6.Jahr Abschluss
AP AP S G PM FA PP
AP AP S G S S FA PP ZB Suchtmedizin
AP AP S G Neuro oder Innere G FA PP ZB Geriatrie
AP AP S G F F FA PP ZB Forensische Medizin
AP AP S G PM PM FA PP ZB Psychotherap. Medizin
AP AP S G Innere Psychosomatik FA PP ZB Psychosomatik

Wie denkt Ihr über die Weiterbildungsordnung? Sollte es einen gemeinsamen Teil und dann eine Spezialisierung geben? Sollte es weiterhin eine Weiterbildung für alle geben, und dann danach Zusatzbezeichnungen? Wie lang sollte die Weiterbildung sein?

Welche Dosis Haloperidol, täglich eingenommen, führt zu einer 50% igen Dopamin Rezeptorblockade?

Die Frage ist einfach: Wenn ich eine 50% ige Blockade der Dopaminrezeptoren im Gehirn bewirken will, welche Dosis Haloperidol muss ich hierfür wählen. Gemeint ist die tägliche Dosis, die nach Erreichen des steady-state, also etwa nach 5 Tagen, zu einer 50% igen Blockade der Dopamin Rezeptoren führt.

Die korrekte Antwort, die ich einem Vortrag von Prof. Gründer aus Aachen entnommen habe, findet ihr in den Kommentaren.

Bewahre Deine Erinnerungen sorgfältig auf….

Jede Festplatte gibt früher oder später ihren Geist auf. Glaub mir. Das ist ein unumstößliches Naturgesetz, und es gilt auch für DEINE Festplatten. Mir ist es vor etwa einem Jahr passiert. Mein Laptop startete nicht mehr, und nichts, was auf dieser Festplatte gespeichert war, war noch zu lesen. Und das passiert auch mit jeder anderen Festplatte im Universum irgendwann. Auch mit Deiner! Doch, echt. Deswegen bin ich völlig besessen von ordentlichen Backups. Immer schon. Was mir damals sehr geholfen hat. Ich habe ganz entspannt eine neue Festplatte eingebaut, diesmal eine SSD, und das letzte (TimeCapsule-)Backup eingespielt. Danach waren alle Daten so, wie eine Stunde vor dem Crash. Und der Laptop war durch die SSD schneller geworden… 🙂 Und letzte Woche habe ich endlich etwas weiteres geschafft: Ich habe ein Backup auf einer externen Festplatte mal nicht Zuhause in den Schrank gestellt, sondern an einem anderen Ort gebracht. Das heißt offsite-backup und gilt als Mindestanforderung an eine vernünftige Backup-Strategie. Hilft sehr, wenn das Haus abbrennt. Offsite-backups gehen als Cloud-backup oder durch Fortschleppen einer Festplatte ins Büro, zu Freunden oder Verwandten.

Die vier wichtigsten Anforderungen an eine vernünftige Back-up-Strategie lauten:

  • Mach auf jeden Fall Backups!
  • Prüfe immer mal wieder, ob Dein Backup funktioniert (zum Beispiel prüfst Du heute und an jedem Freitag den 13., ob Du Dein Backup wiederherstellen kannst).
  • Mach mindestens zwei Backups.
  • Lager ein Backup woanders als Zuhause (offsite-backup).

Backups Deiner Daten sind ja nicht nur ein Geek-Hobby. Früher gab es die guten, alten, in Leder gebundenen Familien-Fotoalben, und die gingen nicht alle paar Jahre kaputt, weil irgendeine Laptop-Festplatte abrauchte. Und so waren die Erinnerungen sicher. Inzwischen ist es aber doch so, dass ein großer Teil unserer Erinnerungen nur noch elektronisch sind. Fotos, Videos, Dokumente, alles nur noch elektronisch. Stell Dir vor, der Computer, auf dem Du das alles gespeichert hast, geht kaputt. Und Du hast kein Backup. Alle Fotos Deiner Kinder, Videos der ersten Schritte, jpg´s Deiner verstorbenen Großmutter, pdf´s Deiner Sporturkunden: alles weg. Ich würde wahnsinnig werden. Ein achtsamer Umgang auch mit seinem digitalen Leben gehört inzwischen genauso zu einer vernünftigen Selbstfürsorge wie früher das ordentliche Sammeln von Fotos in Fotoordnern. Also meine Backup-Strategie sieht so aus:

  • Da ich einen Mac habe, habe ich auch eine TimeCapsule, die macht automatisch jede Stunde ein Backup aller Daten.
  • Alle sechs Monate speichere ich alles wichtige auf einem Drobo, der steht inzwischen nicht mehr Zuhause. Stürzt das Haus ein, sind meine Daten sicher.
  • Zuhause speicher ich alles immer mal auch noch auf meinem FileTransporter.
  • Zusätzlich benutze ich Cloud-Speicher. Alle wichtigen Daten habe ich in der Dropbox.
  • Meine 24.000 Fotos sind einmal bei Flickr gespeichert und jetzt neu bei Everpix (Achtung, Werbung; Wenn du Dich über diesen link anmeldest, bekommst Du 6 Monate länger zurückreichenden kostenlosen Speicherplatz dort). Everpix stellt alle Fotos von allen Geräten in einer schönen Ansicht zusammen, sortiert Duplikate aus, macht Teilen möglich und erlaubt auch das wieder herunterladen, wenn man Fotos verloren hat, was flickr zum Beispiel nicht erlaubt.
  • Und ich experimentiere mit Bitcasa, einem Dienst, der unbegrenzten Online-Speicher anbietet, allerdings nach dem Einführungspreis von 29 $ fürs erste Jahr, den ich gezahlt habe, später für 79 € pro Jahr. Die ersten 10 GB sind allerdings kostenlos.
  • Ich hatte auch mal CrashPlan probiert, das war mir aber zu langsam.

Also: Verliere Deine Fotos nicht, verliere Deine Daten nicht, verliere keine Deiner elektronischen Erinnerungen. Mach Backups. Auf externen Festplatten, auf Cloud-Speichern oder beides. Aber machs!

Lebensvertrag


Viele in der Psychiatrie Tätige und viele Psychiatrie-Erfahrene kennen den "Anti-Suizid-Vertrag". Wenn jemand unter starkem Druck steht, sich etwas anzutun, kann eine schriftliche Vereinbarung, für eine bestimmte Zeit sich eben nichts anzutun, sondern andere Verhaltensweisen zu wählen, zum Beispiel zum Pflegepersonal zu gehen und zu besprechen, welche Skills helfen, ein Gewinn sein.

Der Begriff Anti-Suizid-Vertrag ist recht sperrig, umgangssprchlich wird er dann oft auch noch zu "Suizid-Vertrag" verkürzt, was ja nun wirklich gar nicht geht.

Heute habe ich (schon wieder in einer Prüfung) einen sehr viel besseren Namen für diesen Vertrag gehört:

Lebensvertrag

Na also. Geht doch. Ich werde ihn ab jetzt nie mehr anders nennen.

Grippeimpfung jetzt!

Ich habe mir meine alljährliche Grippeimpfung geben lassen, wie schon seit etwa 15 Jahren jedes Jahr. Jeder, der beruflich mit vielen (kranken) Menschen zu tun hat, sollte das tun. Und jetzt ist die richtige Zeit dafür. Also: Keine Ausreden! Jetzt impfen lassen!

Die Drittelregel von Hippocrates

Medizinstudenten bekommen seit etwa 2500 Jahren einige wesentliche Dinge unverändert beigebracht, darunter die berühmte Drittelregel von Hippocrates. Sie ist in erstaunlichem Maße auch heute noch gültig, und das praktisch in allen Fachbereichen, auch der Psychiatrie. Hippocrates unterteilte die Patienten nach ihrer Prognose in drei Gruppen:

  • Gruppe 1: Jene, die von alleine wieder gesund werden, und die keiner ärztlichen Hilfe bedürfen.
  • Gruppe 2: Jene, die der Behandlung bedürfen.
  • Gruppe 3: Jene, die auf keinen ärztlichen Eingriff reagieren.

Und es war ihm wichtig, zu lehren, dass sich die Ärzte mit Ihrer Behandlung ausschließlich der zweiten Gruppe zuwenden. Gruppe 1 solle keine Behandlung erhalten, weil sie von alleine besser gesunden könne und ärztliche Interventionen dem nur im Wege stehe, also schade. Gruppe 3 solle ebenfalls keine Behandlung erhalten, denn diese erschwere nur die Last der Krankheit, ohne Heilung zu bewirken. Stattdessen brauche diese Gruppe Trost und Zuspruch. Lediglich Gruppe 2 solle behandelt werden. Dabei seien die Risiken und Nachteile der Behandlung dem Nutzen gegenüber abzuwägen. Die Drittelregel bleibt schlicht und ergreifend wahr. Im Zuge der Kommerzialisierung gerät besonders Gruppe 1 immer mehr ins Visier der Behandler. Dinge werden als Krankheiten benannt, die keine sind. Dies hemmt die eigenständigen Bemühungen der Betroffenen, aus ihrem Leid wieder heraus zu kommen und verschiebt die Hoffnungen oft irrational auf eine Pille, die die erhoffte Wirkung natürlich nicht liefern kann. Es ist wichtig, sich bei jedem Patienten klar zu machen, in welche Gruppe er eigentlich gehört. Natürlich haben Ärzte inzwischen auch einige Aufgaben, die sie vor 2500 Jahren noch nicht hatten. So ist es für Patienten der Gruppe 3 oft wichtig, begutachtet zu werden, um Unterstützung vom Sozialstaat zu erhalten oder besondere Förderungen zu bekommen. Und Patienten der Gruppe 1 kommen mit der berechtigten Frage, ob sie vielleicht nicht zur Gruppe 2 gehören. All dies ist natürlich auch in Ordnung. Aber für die Behandlung haben wir die Verantwortung, uns ganz auf Gruppe 2 zu konzentrieren. Hippocrates hat in diesem Punkt immer noch Recht.