Pssst! Über Geld spricht man nicht. Also hört lieber rein.
Hier findest Du sie: http://psychcast.de/pc046-geld/
Quelle: Dührssen A. Die biographische Anamnese unter tiefenpsychologischem Aspekt. Stuttgart, Schattauer 2011.
Pssst! Über Geld spricht man nicht. Also hört lieber rein.
Hier findest Du sie: http://psychcast.de/pc046-geld/
Quelle: Dührssen A. Die biographische Anamnese unter tiefenpsychologischem Aspekt. Stuttgart, Schattauer 2011.
Heute morgen habe ich einen post zu ungünstigen Interaktionen geschrieben. Ich hatte als Beispiel gewählt, dass Propafenon ebenso wie Citalopram die QTc-Zeit verlängert und die Kombination daher kontraindiziert sei. Nun hat mich Peter dankenswerterweise darauf hingewiesen, dass gerade Propafenon die QTc-Zeit typischerweise eben gerade nicht verlängert. Ich habe das nun noch einmal gründlich recherchiert, und die weit überwiegende Anzahl der Quellen ist sich einig: Propafenon verlängert die QTc-Zeit normalerweise nicht bis kaum. In Einzelfällen kann das natürlich so sein, aber häufig ist es nicht. Ich habe mich also geirrt.
Ich habe den Post daher nun geändert und Amiodaron statt Propafenon in meinem Beispiel gewählt. Das verursacht an sich zwar selten Rhythmusstörungen, ist aber ein verlässlicher Kandidat, die QTc-Zeit zu verlängern.
Danke Peter für den Hinweis!
Amiodaron ist ein Antiarrhythmikum. Es kann eine deutliche Verlängerung der QTc-Zeit verursachen. Auch Citalopram kann die QTc-Zeit verlängern. Die Kombination beider Substanzen ist daher kritisch, da die Wahrscheinlichkeit einer deutlichen QTc-Zeit Verlängerung mit der Gefahr einer lebensbedrohlichen Torsade-de-point-Tachycardie erhöht ist.
In diesem Fall könnte man Amiodaron beibehalten, aber Citalopram auf beispielsweise Sertralin umstellen. Sertralin ist nicht dafür bekannt, die QTc-Zeit zu verlängern. Natürlich soll man zusätzlich in regelmäßigen Abständen ein EKG durchführen und die Elektrolyte bestimmen, da auch Hypokaliämien Rhythmusstörungen begünstigen können.
Im Alkoholentzugsdelir gibt man in der Regel ein Benzodiazepin (oder Clomethiazol) und ein Neuroleptikum. Auch bei anderen Delirursachen ist die Gabe eines Benzodiazepins oft hilfreich.
Allerdings sind nicht alle Benzodiazepine gleich geschaffen.
Gerade das früher sehr häufig eingesetzte Diazepam ist im Delir aus drei Gründen nicht die beste Wahl:
1.) Diazepam hat eine relevante anticholinerge Wirkung. Anticholinerge Wirkungen verstärken in aller Regel die delirante Symptomatik. Im Delirmanagement ist neben dem Grundsatz, die Ursache zu beheben, wahrscheinlich der zweitwichtigste Grundsatz, die Gesamtlast der anticholinergen Wirkung der verwendeten Medikamente zu reduzieren. Hier ist Diazepam ein Kandidat auf eine Umstellung auf ein anderes Benzodiazepin mit geringerer anticholinerger Komponente.
2.) Diazepam ist aufgrund seiner langen Halbwertszeit schlecht steuerbar.
3.) Diazepam wird über die Leber eliminiert, was bei Leberfunktionsstörungen zu einer noch einmal verzögerten Elimination führen kann.
Lorazepam (z.B. Tavor®) ist besser steuerbar, wird kaum über die Leber abgebaut und ist daher problemlos auch für leberkranke Patienten eliminierbar und hat kaum anticholinerge Nebenwirkungen. Daher ist Lorazepam im Delir besser geeignet als Diazepam. Auch Clonazepam (z.B. Rivotril®) ist gut geeignet.
P.S.: Mit bestem Dank an die Pharmakologin Fr. Prof. Martina Hahn, in deren Workshop ich das gelernt habe. Merke: Klinische Pharmakologen gehören zu einer qualitätsgesicherten Pharmakotherapie im Krankenhaus einfach dazu…
Ich bin ein bekennender Freund der „griffbereit“-Reihe des Schattauer-Verlages. Die „griffbereit“-Bücher stellen den klinisch relevanten Teil eines medizinischen Wissensgebietes so dar, dass man ihn praktisch wirklich anwenden kann. Die Bücher sind kompakt, so dass sie nicht nur theoretisch, sondern wirklich in die Kitteltasche passen und die Erklärungen sind jeweils gut verständlich.
In dieser Reihe ist nun das Buch „Psychotraumatologie: Traumafolgestörungen und ihre Behandlungen“ von Dr. Thorsten Heedt erschienen. Gerade dem Thema Psychotraumatologie tut der Ansatz gut, das Gebiet aus der Sicht des Praktikers darzustellen und konkrete Handlungsempfehlungen zu geben. Dabei ist das Buch von Dr. Heedt theoretisch sehr gut fundiert und stellt am Ende des Kapitels jeweils ausführliche Quellenangaben zur Vertiefung der dargestellten Inhalte zur Verfügung.
Das Buch schafft es hervorragend, den ja wirklich komplexen Stoff des Bereiches Psychotraumatologie mithilfe klarer Sprache und anschaulicher Bilder („Dissoziation ist gewissermaßen die krankhafte Variante des Tagträumens…„) sehr eindrucksvoll zu vermitteln. Ich kann es jedem Interessierten wirklich sehr empfehlen.
Das Buch findet ihr bei Amazon hier.
Im 45. PsychCast sprechen wir über Eure TOP10 Fragen zum Thema Sex.
Wenn euer Podplayer chapter-marks unterstützt (Overcast macht das zum Beispiel), dann habt ihr mit dieser Folge Stoff dafür!
Hier ist der Welt-Artikel über Stealthing. Zum Bestseller “Die Psychologie sexueller Leidenschaft” vom Sexualpsycholgen David Schnarch geht es hier.
Aufgenommen mit Zencastr. Cooles tool!
Gefällt Euch diese Folge? Wir bitten Euch sehr um eine Rezension bei iTunes. An dieser Stellen einen herzlichen Dank unseren PsychCast-FREUNDEN!
Die Folge findet ihr hier: http://psychcast.de/pc045-eure-top10-fragen-zum-thema-sex/
Wie das Deutsche Ärzteblatt hier berichtet, hat die FDA mit Valbenazin erstmalig ein Medikament zugelassen, dass gegen tardive Dyskinesien wirksam sein soll. Unter tardiven Dyskinesien versteht man eine seltene, aber sehr beeinträchtigende Nebenwirkung, die vor allem klassische Neuroleptika wie Haloperidol verursachen können. Nach jahrelanger Medikation vor allem hochdosierter hochpotenter klassischer Neuroleptika entwickeln einige Patienten unwillkürliche Bewegungen vor allem im Gesichtsbereich, zum Beispiel Zuckungen, Schmatz- und Kaubewegungen. Wer so etwas noch nicht selbst bei einem Patienten beobachtet hat, kann hier ein Video auf Youtube finden, das einen ausgeprägten Fall von tardiver Dyskinesie dokumentiert. Das tückische an Spätdyskinesien ist, dass sie oft dauerhaft bestehen bleiben, auch wenn man das verursachende Medikament längst abgesetzt hat.
Man weiß schon lange, dass ein dopaminantagonistisches Neuroleptikum wie Haloperidol die Symptomatik reduzieren kann, aber bislang hat sich wohl niemand wirklich wohl damit gefühlt, genau das Medikament zur Therapie der Spätdyskinesie einzusetzen, dass sie ursächlich auslöst.
Valbenazin hemmt die Funktion des VMAT2 (Vesicular monoamine transporter 2), der in den Zellen Monoamine wie Dopamin vom Zytosol an die präsynaptischen Vesikel transportiert und reduziert somit die Verfügbarkeit von Dopamin im synaptischen Spalt. Kritisch betrachtet hat es also im Ergebnis einen vergleichbaren Wirkmechanismus wie Neuroleptika. Es ist zu hoffen, dass es selbst keine Spätdyskinesien auslöst.
Die Wirkung von Valbenazin wurde in der Zulassungsstudie Kinect 3 (Abstract hier) untersucht. Es wurden 234 von Spätdyskinesien betroffene Patienten über 6 Wochen in einer randomisierten, doppelblinden Studie untersucht. Es gab drei Gruppen: Placebo, Valbenazin 40 mg / Tag oder Valbenazin 80 mg pro Tag. Die Gruppe, die mit 80 mg Valbenazin behandelt wurde, habe eine signifikante und klinisch relevante Abnahme der unwillkürlichen Bewegungen gegenüber der Placebogruppe erlebt. Daher hat die FDA das Medikament nun in den USA zugelassen.
Unter Valbenazin trete bei mehr als 5 Prozent der Patienten Schläfrigkeit auf. QTc-Zeit Verlängerungen sind möglich. Daher dürfen die Patienten zu Beginn der Behandlung keine Fahrzeuge führen oder gefährliche Maschinen bedienen.
Valbenazin ist in den USA seit April 2017 unter dem Handelsnamen INGREZZA® verfügbar (Pressemitteilung der Herstellerfirma Neurocrine Biociences hier). Informationen für Patieten und Ärzte finden sich auf der Webseite www.ingrezza.com.

In Deutschland ist es noch nicht zugelassen und noch nicht verfügbar. Es müsste aber eigentlich im Einzelfall über die internationale Apotheke bestellbar sein.
Es wäre sehr erfreulich, wenn Valbenazin in der Praxis die Wirksamkeit zeigt, die die Zulassungsstudie vermuten lässt. Wenn einer der Leser dieses Blogs Erfahrungen mit dem Medikament gemacht hat, etwa nach Bestellung über eine internationale Apotheke, wäre ich sehr dankbar, wenn er hier in den Kommentaren darüber berichtet.


Psychopharmakoterapie
Was der Paketbote immer so bringt… Eben hat er mir vier Belegexemplare von Psychopharmakotherapie griffbereit auf tschechisch gebracht. Ich hab mal ein bisschen drin geschmökert, erscheint mir alles ganz plausibel… Zumindest die Medikamentennamen und die Diagramme… 🙂
Im dreiundvierzigsten PsychCast sprechen wir über die Paarkollusion, wie sie der bestimmt weltbeste Paartherapeut Jürg Willi beschrieben hat. Wir verwenden dazu die typischen, altmodischen Rollenbilder, die Willi in seiner Erstausgabe 1975 noch verwendet hat… Was denkt Ihr, was sind typische Paarkollusionen (Formen des unbewussten Zusammenspiels zweier Menschen) in Partnerschaften heute, 2017?
Wir sprechen außerdem über die Arzt-Patient-Kollusion bei Krankheiten ohne organisch greifbaren Befund.
Hier kann man sich das Buch näher ansehen, über das wir sprechen:
Dank unserer Hörerin S. noch der Hinweis: das Zitat “Der Mensch wird am Du zum Ich” ist nicht von Jürg Willi sondern von Martin Buber. Jürg Willi hat es im Jahr 2012 in einem Interview zu seinem Lieblingszitat erklärt – Link dahin folgt noch. Das wurde in der Sendung falsch rübergebracht und soll hiermit korrigiert werden.
Die Episode findet ihr hier: http://psychcast.de/pc043-die-zweierbeziehung-oder-was-ist-denn-ne-paarkollusion/
Und zwar gleich in mehreren Aspekten.

PC042 Eifersucht. Zu viel, zu wenig, falsch rübergebracht. Eifersucht hat es heutzutage schwer…
Im 42. PsychCast reden wir über zuviel, zuwenig und falsch rübergebrachte Eifersucht. Großmeister Freud erweist sich als topmodern und wir schauen auf in der Jugend durchlittene Nächte zu düsterer Musik anlässlich des Verlustes unserer damaligen Flamme zurück.
Die aktuelle folge findet ihr hier.
Wer den PsychCast mit einem kleinen Obolus pro Monat unterstützen möchte, findet jetzt eine Plattform dafür: Schaut mal vorbei bei psychcast.steadyhq.com, dort könnt ihr uns mit einem Anteil an den Technikkosten helfen und Karma-Punkte sammeln!
Das BfArM hat nach Antrag von Forschern der Unversität Bonn mit Hariboridol seit langer Zeit einmal wieder ein neues Neuroleptikum zugelassen. Die Substanz hat einen innovativen Wirkmechanismus und gilt als gut verträglich.
Hariboridol wirkt agonistisch an Dopamin-Rezeptoren des limbischen Systems. In Studien an gesunden Studenten wurde es innerhalb von wenigen Minuten vollständig resorbiert. Die Substanz ist ausgesprochen lipophil und sucht sich ein großes Verteilungsvolumen.
Hariboridol ist indiziert insbesondere bei depressiver Stimmungslage und Derealisationen, wie zum Beispiel dem Gefühl „alles hier erscheint mir wie im Kino“.
Nachdem unabhängige Studien zunächst recht deutliche Gewichtszunahmen unter Hariboridol zeigten, legt eine von der Herstellerfirma durchgeführte Studie jetzt nahe, dass das Gewicht unter Hariboridol durchschnittlich um 4,2 Kg sinkt. Eine Bestätigung dieser Studie steht allerdings noch aus.
Die empfohlene Tagesdosis beträgt 0-0-50-100 Gramm mit abendlichem Schwerpunkt.
Hariboridol hat eine gute und sichere stimmungsaufhellende Wirkung und führt zu keinerlei EKG-Veränderungen. Die Gerüchte über mögliche Gewichtszunahmen halte ich für Fake-News.

Learning by doing klappt in der Psychotherapie meistens ganz gut. Wenn ich eine Psychotherapiemethode lernen will, ist es in aller Regel das Beste, mal ein Seminar zu belegen, in dem diese Technik angewendet wird. Insofern ist es eigentlich ganz gut, hin und wieder auf ein Seminar zu gehen, um was zu lernen. Allerdings gibt es im großen Wald der Psycho-Seminare ein mehr als buntes Angebot, und nicht alle sind gut. Ich hatte vor ein paar Wochen Pech. Ich habe mich in ein Coaching-Seminar eingebuchtet, über das ich von Freunden nur das Beste gehört hatte. Total intensiv sei das, bringe echt viel, sei super inspirierend. Ich also mal gebucht.
In der ersten Stunde wußte ich zunächst nicht, ob ich in einer amerikanischen Erleuchtungs-Show vom örtlichen Fernsehprediger oder in einer Psycho-Sache gelandet war. Im Raum fanden sich zwei “Trainer”, ungefähr vier vom “Management”, gut acht “Assistenten”, ungefähr zehn “Gäste” und die schätzungsweise 100 zahlenden Teilnehmer. Der Einzug der Trainer erfolgte unter frenetischem Beifall der zehn “Gäste”, die die Sache schon mal gemacht hatten und jetzt dabei waren, ohne sich beteiligen zu dürfen, die aber bestimmte choreografische Aufgaben zu erfüllen hatten; insbesondere hatten sie Jubel und Begeisterung zu verströmen. Ich hab wie alle anderen mal verhalten mitgeklatscht, hätte mich aber auch nicht beschwert, wenn ich zuerst gesehen hätte, was denn hier zu beklatschen ist.
In den folgenden Stunden am Freitag zwischen 17:00 und 23:50 wurde uns erklärt, dass wir alle eine schlimme Erfahrung in der Kindheit gemacht hätten, aus der wir uns ein falsches Selbstbild mit Vorwürfen gegen uns und andere gemacht hätten. Der erste Teilnehmer erzählte seine Geschichte. Die “Trainer” fragten mit “Ja/Nein”-Fragen einige Minuten nach, dann war klar, was bei diesem Teilnehmer falsch lief. Der Abend endete mit einer halbstündigen Diskussion, ob man seine Wasserflaschen mit an seinen Platz nehmen dürfe. Die Trainer luden uns ein, dies nicht zu tun. Großer Protest bei einigen Teilnehmern. Wurde von den Trainern analysiert: “Kennst Du das, dass Du so voll in den Widerstand gehst? Ja, und wer zahlt den Preis? Du!” Wir sollten über Nacht schon mal überlegen, was uns in der Kindheit aus der Bahn gebracht hatte, würden wir noch brauchen.
Am nächsten Tag durften einzelne aufstehen, bekamen ein Mikro, erzählten ihre Geschichte und die Trainer teilten sie in kurzen Gesprächen auf Teufel-komm-raus in eine von sieben Kategorien ein: “Ich bin nicht liebenswert”, “Ich kann nichts”, “Ich bin anders als die anderen”, so Sachen. Man merkte schon, dass unter den Teilnehmern Persönlichkeitsstrukturen in allen Varianten, Farben und Ausprägungen vertreten waren. Auch merkte man, dass nicht alle gleich stabil waren. Nach der Mittagspause würden wir dann die falschen Vorwürfe von uns werfen und dann stünde einem “Leben in Fülle, Liebe und Ekstase” nichts mehr im Wege. Also für Ekstase am Samstag Nachmittag bin ich eigentlich immer zu haben. Zum Mittagessen gab es schon mal Salat in Fülle, ich wußte bislang gar nicht, was man aus Kürbis alles machen kann.
Danach wurden wir “eingeladen”, eine Meditation zu machen. Es fing ganz normal an mit Zimmerspringbrunnenmusik, atmen, in die Zehen reinfühlen, ich war ganz entspannt. Und dann, ohne weitere Vorwarnung, wechselte die Musik auf eine finstere Orgelmusik in Moll und wir sollten uns vorstellen, wir seien wieder Kind und sollten mal die Kellertreppe hinuntergehen. Was war noch mal diese schlimme Kindheitserinnerung, die uns so tief getroffen hatte, dass unser ganzes Leben sich daraus schlecht entwickelt hatte? Die ersten Teilnehmer fingen an zu weinen. „Bitte jetzt ganz bildhaft vorstellen!“ Eine Teilnehmerin schrie an dieser Stelle über eine Minute lang so laut, dass drei Assistenten sie rausbringen mussten. Die anderen sollten aber ganz entspannt weitermachen. Ach ja, jetzt sollte man das alles hinter sich im Keller lassen und befreit rauskommen. Füße kreisen, aufwachen. Das war dann auch der Moment, in dem ich aufgestanden bin, mein Namensschild abgegeben habe und das Seminar endgültig verlassen habe.
Insgesamt habe ich mich wie auf einer Geisterbahn der Psychotherapie gefühlt. 100 Leute (die jeweils 600 € gezahlt hatten, macht also schon mal 60.000 €), wurden in eine Gondel gesetzt und an klassischen Therapieelementen vorbeigefahren, ob das jetzt auch nur im geringsten passte oder nicht. Die wirkstärksten Elemente wurden besonders falsch und alle ohne angemessene Vorbereitung oder passendes Ziel eingesetzt. Hauptsache “intensiv”. Fahrtrichtung: Einmal durchs dunkle Tal, alles von sich werfen, dann für immer frei und Ekstase. Dieses Gruppen-Seminar war eine Geisterbahn-Fahrt. Es gibt auch gute Seminare; dies war schlecht. Aber wenn Du meine Meinung hören willst: Buch im Zweifel kein Großgruppen-Seminar. Es ist zu wahrscheinlich, dass das eine Geisterbahnfahrt wird. Buch dir lieber mit dem gleichen Geld sechs Stunden Einzel-Coaching. Dann fährst du praktisch mit dem Taxi, ganz individuell, von da, wo du stehst, dahin, wo du hinwillst. Ich hatte von Samstag Abend bis Sonntag dann ja frei. So bin ich einfach in die Hotel-Sauna gegangen. Das war mit Sicherheit wesentlich besser und gesünder für meine Psyche…

Wer schon mal einen Blick in die gegenwärtigen Planungen zur neuen ICD-11 nehmen möchte, der kann das unter folgendem link tun:
http://apps.who.int/classifications/icd11/browse/l-m/en
Dort hat die WHO eine Vorschau auf den aktuellen Stand der Überlegungen veröffentlicht. Es gibt eine Reihe von Änderungen, im Bildschirmfoto habe ich beispielsweise mal das neue Krankheitsbild „Avoidant-restrictive food intake disorder“ aufgenommen. Es gibt neben dieser aus meiner Sicht zwar etwas skurril anmutenden, aber letztlich wohl berechtigten Neuaufnahme in den Krankheitenkatalog auch einige sehr kontroverse Planungen. So wird am lautesten in den USA diskutiert, ob in der ICD-11 die Einschlusskriterien für die bipolare Erkrankung, Depressionen oder bestimmte Verhaltensauffälligkeiten in der Kindheit so weit gefasst werden, dass eigentlich nicht behandlungsbedürftige Menschen nun eine Indikation für Medikamente mit einem zweifelhaften Nutzen erfüllen würden. Und das ist in meinen Augen eine wirkliche, reale Gefahr, der man entschieden entgegentreten muss. Ein äußerst vernünftiges und sehr lesenswertes Buch genau zu dieser Thematik hat einer der Väter des amerikanischen Diagnosesystems DSM, Allen Francis, geschrieben: „NORMAL: Gegen die Inflation psychiatrischer Diagnosen„.
Wenn ihr euch ein eigenes Bild von den aktuellen Planungen für die ICD-11 machen wollt: Guckt in die Dokumentation der WHO mal rein und berichtet hier auf den Kommentaren, wie ihr über die Neuerungen denkt!
In der 41. Folge kämpfen wir uns für Euch durch die neue Psychotherapie-Richtlinie, die ab 01. April 2017 gelten wird. Wenn Ihr keine Lust habt, Euch selber durchzuwühlen, hört einfach mal rein – wir haben zumindest die großen Eckdaten für Euch. Und wenn Ihr Euch einfach so dafür interessiert, sowieso! …
Hier findest Du sie: http://psychcast.de/pc041-psychotherapie-richtlinie-2017-special-interest/.
Im 40. PsychCast sprechen wir – inspiriert auch durch die Tweets unserer Schattenredaktion – über die zunehmende Komplexität der Welt und wie man dieser mithilfe von zwei Marshmallows und drei Joghurts entflieht.
Besondere Grüße richten wir an Peter Teuschel für die Einrichtung unseres neuen Gemeinschafts-Blogs www.die-erde-ist-keine-scheibe.de. Hier entlang zum Artikel von Alexander.
Das Audio zum Podcast findet ihr hier.
In den vergangenen Jahrhunderten wurde ja viel Aufhebens darum gemacht, was nun wirklich wahr ist und was Aberglaube. Scheibe, Kugel, Mittelpunkt des Universums: Was es mit der Wahrheit über die Erde auf sich hat, wurde irgendwie so ernst genommen. Das ist jetzt im Zeitalter des Postfaktischen zunehmend in den Hintergrund geraten. Wichtiger sind die Fragen: Welche Emotion kann ich mit einer Aussage hervorrufen? Was bringt mir das für meine persönliche PR? Und ist es meinen Zwecken dienlich?
Und jetzt mehren sich doch tatsächlich die Stimmen, die sagen, es sei eben doch wichtig, ob etwas wahr oder falsch ist. Amerikanische Wissenschaftler, die bislang eher dafür bekannt waren, würfelförmige Melonen gezüchtet zu haben, wollen jetzt auf die Straße gehen und dafür demonstrieren, die Grundprinzipien der Erkenntnistheorie zu ehren.
Peter Teuschel, den viele Leser hier von seinem Blog Schräglage kennen, hat sich jetzt vorgenommen, eben solchen Stimmen eine deutschsprachige Plattform zu geben und insbesondere aus dem medizinischen Bereich Artikel verschiedener Autoren zusammenzuführen, die sich dem verpflichtet führen, was Natalie Grahms neulich #IntellektuelleRedlichkeit nannte. Um dem ganzen #mirsindfaktennichtsowichtig einen ordentlichen Kontrapunkt zu setzen.
Schaut mal unter www.die-erde-ist-keine-scheibe.de nach, was sich so zu sammeln beginnt. Folgt der Seite auf Twitter (@erdblog), Facebook oder aboniert den feed unter http://www.die-erde-ist-keine-scheibe.de/feed.
Mir wäre eine Welt, in der die Prinzipien der Erkenntnistheorie und der Gewaltenteilung flächendeckend respektiert werden würden, noch mal noch lieber als die aktuelle RealDonaldDuck-Welt.
Ja gut, wir Schulmediziner haben es schon immer gewusst:
– In den homöopathischen Globuli ist kein Wirkstoff, alles viel zu verdünnt, da ist gar nichts mehr drin.
– Homöopathika sind teuer verbrämte Placebos.
– Homöopathen sind Quacksalber, die wirksamen Therapien im Weg stehen.
– Homöopathen schlagen aus der irrationalen Angst ihrer Patienten vor richtigen Medikamenten Profit.
So weit, so einfach. Aber warum sind die Patienten dann eigentlich so verrückt nach Homöopathie? Warum vertrauen viele sehr viel mehr auf ihren Homöopathen als auf ihren Allgemeinarzt, Psychiater oder Psychotherapeuten?
Im aktuellen PsychCast unterhalte ich mich mit der Ärztin Dr. Natalie Grams, die bis vor kurzem in Heidelberg eine sehr erfolgreiche eigene Praxis für Homöopathie betrieben hat. Doch mit den Jahren ging ihr die Frage, welches Wirkprinzip nun wirklich hinter der Homöopathie steht, nicht mehr aus dem Kopf. Um der eigenen „intellektuelle Redlichkeit“ willen machte sie sich daran, dem Wesen der Homöopathie auf den Grund zu gehen.
In unserem Gespräch beschreibt Natalie Grams, wie eine homöopathische Anamnese abläuft, wie das passend scheinende Präparat ausgesucht wird und wie der Ablauf der homöopathsichen Behandlung aussieht. Dabei geht es nicht darum, Werbung für eine unwissenschaftliche Methode zu machen. Aber es ist doch interessant, zu verfolgen, welche psychologischen Wirkfaktoren vielleicht dazu beitragen könnten, dass so viele Patienten sich so gut aufgehoben fühlen bei einem Homöopathen und letztlich auch häufig über Verbesserungen berichten. Auch sprechen wir über die Gefahren der Homöopathie, insbesondere die Gefahr, wirksame Methoden nicht anzuwenden und eine falsche Heilserwartung an den Homöopathen aufzubauen.
Natalie Grams hat ihren Weg von der überzeugten Homöopathin zur kritischen Zweiflerin in ihrem sehr lesenswerten Buch “Homöopathie neu gedacht” beschrieben. Wer sich für das Thema Homöopathie interessiert oder wer mitverfolgen will, wie Natalie Grams ihr eigenes Paradigma verändert, sollte es unbedingt lesen.
Ihr könnt das Gespräch entweder wie üblich beim PsychCast als Audio-Datei anhören, oder einen Mitschnitt des Skype-Telefonats hier als Video sehen. Viel Spaß dabei!
Es gibt einige gute Psychiatrie Lehrbücher auf dem Markt, und jeder muss für sich selbst dasjenige finden, das ihm nach Umfang, Aufmachung und Art am besten liegt. Für viele, die sich erst im Gebiet der Psychiatrie orientieren wollen, kann das auch ein gutes Kurzlehrbuch sein. Aber diejenigen, die Fachärztin / Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie werden wollen, sollten schon ein etwas ausführlicheres Buch lesen. Nun kenne ich auch nicht alle in Frage kommenden Psychiatrie Lehrbücher ganz genau, möchte aber gerne hier mal meine Top drei vorstellen:
Den Berger habe ich nachweislich hier auf dem Blog schon 2012 als das lesenswerteste Psychiatrie Lehrbuch für Weiterbildungsassistenten empfohlen. Das hat sich seither nicht geändert, das Buch ist nur weiter besser geworden.
Vorteile: Es ist ein dickes Buch; 936 Seiten ungefähr im DIN A4 Format, da braucht man schon die fünfjährige Weiterbildungszeit, um es halbwegs durchzuarbeiten. Aber man muss ja auch nicht wirklich jedes Kapitel lesen…
Die Texte sind durchgehend gut lesbar gechrieben, ohne verschwurbelten Fachjargon, ohne übertriebene Faktenhorderei, Tabellenexzesse oder kursivfettfarbige Texteskapaden. Die Inhalte werden einfach verdammt gut erklärt. Und sie werden durchgehend im gesamten Buch darauf hin überprüft, in welchem Maße sie evidence-based sind. Gibt es ordentliche Studien, die eine Aussage stützen, wenn ja, welche, oder ist es einfach Herrschende Meinung? Das kann ja auch berechtigt sein, dann will ich es aber wissen.
Nachteile: Wenn man es liest, kann man fünf Jahre lang seinen Netflix-Zugang abschalten.
Online Zugang: Man erhält einen zeitlich begrenzten Zugang zu Elseviers Onlineportal Psychiatriewelt. Dort kann man auf das vollständige Buch sowie einige zusätzliche Materialien (Videos, neue Kapitel, etc.) zugreifen.
Seitenzahl: 936 Seiten
Auto-Vergleich: Jaguar XF
Quanta-costa? 159,99 €. (amazon-affiliate-link)
Mein persönliches Fazit: Wenn ich mich auf ein Thema vorbereite, nehme ich mir gerne den Berger zur Hand. Dann bin ich gut im Bilde, weiß, woher die aktuellen Therapieeinschätzungen kommen und weiß, wo ich weiterlesen müsste, um mehr zu erfahren. Für Ärzte in Weiterbildung zum Psychiater bleibt der Berger meine Empfehlung.
Wir Psychiater haben die Internisten lange um ihren “Herold-Innere Medizin“ beneidet, der verlässlich wie ein schweizer Uhrwerk jährlich aktualisiert wird und stets den neusten Stand der Technik widergibt. Allerdings ist der Herold ungefähr so gut lesbar wie ein Telefonbuch, pro Quadratzentimeter Papier stehen da ungefähr 92 Fakten; niemand liest das, man schlägt nur was nach.
Vorteile: Der Voderholzer vereint praktisch das beste aus beiden Welten: Er kombiniert die gute Lesbarkeit eines Berger mit der Aktualität eines Herold. Und das geht so: Voderholzer und Hohagen sind die Herausgeber; die einzelnen Kapitel werden jeweils von echten Spitzenautoren für ihr Gebiet geschrieben, und zwar jährlich aktualisiert. Pünktlich zum DGPPN-Kongress im November (dieses Jahr als Weltkongress schon im Oktober…) erscheint die aktuelle Auflage. Die Texte sind gut lesbar, evidenzbasiert, leitlinienorientiert. Das Buch ist mit 585 Seiten auch nicht gerade dünn, aber immerhin fast halb so dick wie der Berger.
Nachteile: Einen Text im Berger zu lesen macht etwas mehr Spaß.
Online Zugang: Zeitlich begrenzter Zugang zu Elseviers Psychiatriewelt. Dort kann man auf das vollständige Buch sowie einige Zusatzinhalte zugreifen.
Seitenzahl: 585 Seiten
Auto-Vergleich: Der aktuelle VW Passat 2017
Quanta costa? 44,99 €. (amazon-affiliate-link)
Mein persönliches Fazit: Wenn jeder Weiterbildungsassistent 300 der 585 Seiten im Voderhölzer gelesen hätte, wären die Facharztprüfungen ein Traum…
Vorteile: Unter Studenten ist die Duale Reihe sehr beliebt. Das Konzept ist, im inneren Teil der Seiten jeweils einen ausführlichen Fließtext zu haben, und am Außenrand jeweils Stichworte und sehr knappe Zusammenfassungen. So kann man Teile, die man zu kennen glaubt, querlesen, indem man sich einfach die Stichworte am Rand ansieht. Das verleitet etwas zum Geschwindigkeitsrausch, kurz vor der Prüfung ist das aber oft hilfreich. Insgesamt also ein mittellanges Lehrbuch auf Speed. Design und Layout sind modern.
Nachteile: Die Texte lesen sich manchmal schon etwas komprimiert. Die Darstellung erschient mir manchmal etwas unruhig und überladen.
Online Zugang: Über die Thieme eRef-App kann das ganze Buch online oder auf dem iPhone, iPad oder was auch immer gelesen werden. Auf der begleitenden CD gibt es Patientenvideos, allerdings unter einer etwas umständlichen Benutzer-Oberfläche.
Seitenzahl: 672 Seiten
Auto-Vergleich: Ford Fokus Turbo
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Mein persönliches Fazit: Für Studenten fünf Tage vor dem Examen, Weiterbildungsassistenten, die noch ein Leben außerhalb der Medizin haben und Angehörige anderer Berufsgruppen, die ein vollständiges, modernes Buch suchen, das eine schnelle Orientierung bietet, ist es sehr gut geeignet. Zum abendlichen Schmökern mit einem Glas Rotwein ist es ungeeignet. Aber so ließt ja eh niemand mehr Lehrbücher…
Schreibt doch bitte mal in die Kommentare, welches Buch ihr lest und warum!

Inzwischen weiß wohl jeder Psychiater, dass er auf die QTc-Zeit im EKG achten muss. Es gibt Medikamente, die die Erregungsausbreitung im Herzen verlangsamen können und im schlimmsten Fall eine tödliche Herzrhythmusstörung auslösen können. Ob und in welchem Maße dieses Problem auftritt, kann man im EKG anhand der QTc-Zeit ablesen. Einen ausführlichen post dazu habe ich hier geschrieben.
Ich bereite gerade einen Vortrag für das Forum für medizinische Fortbildungen im Sommer vor, und habe die wichtigsten take-home-messages zur QTc-Zeit auf Folien zusammengestellt.
Die QTc- Zeit ist kritisch, wenn sie
Ich habe auch noch zwei Folien erstellt, die für die Gruppe der Antidepressiva und der Antipsychotika jeweils drei unkritische, mittelmäßig verdächtige und kritische Medikamente nennt.


Ich habe die Folien hier hochgeladen; wer sie für Fortbildungsveranstaltungen verwenden will, darf das gerne tun, unter Hinweis auf die Quelle.
Drogenkonsumenten nach ihrem Konsum zu befragen geht naturgemäß mit einer gewissen Unschärfe in den Antworten einher. Das denkt sich offenbar auch das „European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction“ und untersuchte einfach eine Woche lang in über 60 europäischen Städten das Abwasser auf die Reste typischer Drogen.
Wie das Deutschen Ärzteblatt hier berichtete, ergab die Untersuchung unter anderem interessante Hinweise auf die Verbreitung von Crystal Meth. Relevante Spuren hiervon hätten sich früher lediglich im Abwasser einiger osteuropäischer Ländern wie der Slowakei gezeigt. Bei der aktuellen Messung fanden sich erstmalig auch ostdeutsche Städte mit relevanten Werten, so wurden in Dresden täglich im Schnitt 136,7 Milligramm pro 1.000 Menschen gemessen. In München waren es nur knapp 25 Milligramm und in Dortmund 3,7 Milligramm.
Interessant auch der Kokain-Konsum: Von Montag bis Samstag heißt die Kokain-Hochburg London. Sonntags wechselt der fragwürdige Pokal dann jeweils nach Amsterdam…
Die Untersuchung selbst findet ihr im kostenlos downloadbaren PDF-Format hier.
Wirklich schön ist auch die interaktive Karte, auf der ihr das Drogenkonsummuster nach Jahr, Droge und Wochentag selbst untersuchen könnt. Das sieht so aus und ihr findet es hier:
