Der neue PsychCast ist online: PC062 Spiele in der Kinderpsychotherapie: im Gespräch mit Dr. Robert Rossa

Psych2 in 1400 1400 Pixeln

Im 62. PsychCast spricht Alex mit Dr. Robert Rossa. Robert ist Diplom-Sozialpädagoge und sowohl in der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie als auch in der Schulsozialarbeit tätig. Zusammen mit seiner Frau Julia entwickelte er zudem schon diverse Spiele und Materialien für die therapeutische Arbeit mit Kindern. Er hat mit mehreren Kollegen die Superhelden-Akademie gegründet, ein Sozial-Kompetenz-Training für Schulklassen, über das wir in dieser Folge auch sprechen.

Ausgangspunkt des Gesprächs sind Die Kunterbunts, ein Kartenspiel, das die Empathie bei Kindern fördert und sich emotionalen Zuständen anderer beschäftigt…

Außerdem sprechen Alex und er über das Spiel “Wenn Du ein Bonbon wärst…” von Robert und Julia, das den Einstieg in das therapeutische Reflektieren mit Kindern erleichtern kann.

Wir danken dem PsychCast-FREUNDESKREIS ganz herzlich!

Viel Spaß beim Reinhören!

Die Folge findet ihr hier.

Ich wollte nur Bescheid geben: Der Airbag für den sturzgefährdeten Nerd ist erfunden…

Früher oder später musste etwas wie der Helite Hip’Air erfunden werden. Das Prinzip lautet: Wenn der Patient fällt, bläst sich ein Hüftairbag auf, der Frakturen beim Sturz verhindert.

Mehr gibt´s da eigentlich nicht zu zu sagen. Neue Konzepte wirken ja immer etwas befremdlich. Erinnert ihr euch noch, als die Eisenbahn erfunden wurde? Hat auch jeder komisch gefunden. Na ja, ich hab den Hüftairbag noch nicht in echt gesehen… aber wenn er eine Fraktur verhindert, hat er sich gelohnt.

Hat jemand Erfahrung damit oder mit einem ähnlichen Produkt?

Eine ganz normale Aufnahme ins Krankenhaus im Jahr 2035

„12830 HealthCredits? Das ist ziemlich knapp. Aber wir finden schon ein passendes Programm für sie.“ Die junge Frau schaute besorgt auf Finns ApplePad. „Das kriegen wir schon hin.“ Als sein ambulant behandelnder Arzt Finn geraten hatte, ins Krankenhaus zu gehen, weil man dort Angststörungen am effektivsten behandeln könne, hatte er zugestimmt. So ging es wirklich nicht weiter. Er traute sich kaum noch, seine Wohnung zu verlassen. Auf seiner Arbeit als Logistikfachkraft fiel es ihm immer schwerer, Außentermine anzunehmen. Es ließ sich also nicht mehr aufschieben, er musste was tun. Im Aufnahmebüro hatte er zuerst mit der Sachbearbeiterin seiner Krankenkasse gesprochen. Der Algorithmus hatte festgestellt, dass 12830 HealthCredits reichen müssten, um wieder arbeitsfähig zu werden. Sie hatte ihm auch gleich angeboten, vom Basis in den Premium-Tarif zu wechseln, dann bekäme er beim nächsten Mal bei den gleichen Parametern 16400 HealthCredits für seine Behandlung. Aber der Premium-Tarif war ihm zu teuer. Im Nebenzimmer erwartete ihn seine Persönliche Genesungsberaterin. Hier wie in jeder anderen AmazonKlinik hatten alle englische Titel. Die Patienten hießen Clients, das Essen hieß AmazonFreshFood. Na ja, das schmeckte sogar im Basistarif ganz gut. „Wollen Sie denn am Anfang hier im Krankenhaus übernachten?“ fragte die Genesungsberaterin, „Das kostet 260 Credits pro Nacht. Bei einer Angststörung ist das eigentlich nicht erforderlich.“ Finn schaute sie genauer an. Den dunklen Augen, dem schwarzen Haar und dem leichten Akzent nach war sie am ehesten spanischer Herkunft. „Na ja, in der ersten Woche würde ich schon ganz gerne vollstationär bleiben, kalkulieren wir das mal.“ „OK, dann käme dazu das Basispaket: Zwei Arztvisiten pro Woche, ein Psychotherapiegespräch pro Woche, 2 mal Sport, ein mal Ergo und natürlich die Medikamentenflatrate. Macht 1300 Credits pro Woche.“ Finn nickte. „Ich empfehle noch unser Achtsamkeitspaket: zwei mal Yoga und einmal Entspannung. Kostet normalerweise 400 Credits pro Woche, aber im Moment haben wir das im Angebot für 250 Credits pro Woche.“ „Wenn sie meinen, dann nehme ich das auch.“ „Gut, das macht dann 3370 Credits für die erste Woche. Wenn sie danach vielleicht noch vier Wochen tagesklinisch bleiben, reichen die Credits auch noch für einige Monate ambulante Psychotherapie, sollen wir das mal durchrechnen?“ „So machen wir das.“ 10 Minuten später hatten sie sich auf einen Therapieplan geeinigt. Finn schob der Ärztin sein ApplePhone herüber. Sie lud die früheren Arztbriefe, die in den letzten Jahren verordnete Medikation, das letzte Labor und ein paar der anderen Gesundheitsdaten aus der Health-App auf das Krankenhauscomputersystem herunter. Danach installierte sie die AmazonHealth-App, in der Finn seinen Therapieplan fand, die Materialien für die Gruppentherapien und den Shop, über den er täglich zusätzliche Leistungen, wie das Premium-Essen, einen Wahlarzt oder die Teilnahme an der Therapie im Klettergarten dazu buchen konnte. Über die App hatte er natürlich auch Zugriff auf seine Behandlungsdokumentation. Früher konnten die Patienten ja nicht einfach so lesen, was die Therapeuten schrieben. Das war nun durch die EU-Richtline 785 aus dem Jahr 2032 geändert worden. Nach jeder Therapie konnten man nun direkt auf seinem Smartphone nachlesen, was der Therapeut geschrieben hatte und man konnte selbst eigene Kommentare dazu posten. Wenn der Sporttherapeut beispielsweise geschrieben hatte, dass ein Patient nicht so gut mitgemacht hatte, konnte der Patient schreiben, dass er sich körperlich nicht so fit gefühlt habe, und sich daher etwas zurück genommen habe. Die Krankengeschichte macht wirklich nur Sinn, wenn beide Seiten sie erstellen, oder? Außerdem posten die meisten Patienten die Dokumentationen ihre Therapiegespräche gerne direkt auf Facebook, GoogleBook oder AppleBook. „Na dann gute Besserung, Finn“, sagte die Genesungsbegleiterin. „Danke und bis bald.“ antworte Finn, verließ das Aufnahmezimmer und ging zu seiner Station. Die Genesungsbegleiterin räusperte sich kurz, nahm auf ihren QiCharger-Stuhl platz, um sich aufzuladen und einzuloggen. Das heutige Update ihres Amazon-Alexa-Betriebssystems schloss eine lästige Sicherheitslücke, die es Hackern erlaubte, die in den Psychotherapien besprochenen Wünsche und Vorlieben auszulesen und zu guten Preisen an Werbeanbieter zu verkaufen. Das durfte natürlich nicht zugelassen werden, denn diese Daten hatte Amazon lieber exklusiv.

PC061 Hello Again / Kinderdok / Elternschaft ist online !

Wir sind wieder da und freuen uns, Euch die 61. Folge des PsychCast endlich vorlegen zu können. Frohes 2018 wünschen wir Euch! Danke für alle Genesungswünsche und Eure Geduld! Um Euch “Hello Again” zu sagen haben wir spontan den Kinderdok  zu Gast, mit dem wir über die Schnittstellen von Kinderheilkunde und psychischen Erkrankungen sowie über Elternschaft reden. Viel Spaß beim ‘Reinhören!

Kapitel

00:30: Wir sind wieder da
00:47: Kinderdok zu Gast
01:35: Dank an die HörerInnen und den Freundeskreis
02:26: Blogger-Treffen von DocCheck News
09:40: Der Kinderdok befragt die PsychCaster nach erkrankten Eltern
31:40: Kinderdok und PsychCaster als Ärzte und Elternteile
47:50: Die PsychCaster befragen den Kinderdok: Ernährung, digitale Medien und Kinderarztbesuche
63:25: Ausblick und SAVE THE DATE 30.10.2018

Links zur Show:

Kinderdok Blog
DocCheck News
5-Foraminologe
Pharmama
Apothekentheater
Medizynicus
Dr. Florian Eckert
Dr. Wolfgang Wodarg
Cyberkrank! von Manfred Spitzer
Manfred Spitzer im Gespräch mit Ken Jebsen
Naomi Aldort: Raising Our Children, Raising Ourselves
Writing Excusus
Onkel Philipps Spielzeugwerkstatt / Berlin

Tausend Dank an unseren PsychCast-FREUNDESKREIS!

Die Folge findet ihr hier.

Drei schöne Bücher

Als ich letztes Jahr nicht wußte, welches Buch ich als nächstes lesen sollte, postete der Kinderdok gerade seine Quartals-Buchempfehlungen. Die sind immer inspirierend. Eines der Bücher, die er empfahl, war „Was man von hier aus sehen kann“, von Mariana Leky. Ich habe es mir gekauft, sogar in Papierform, und bin sofort in eine wunderschöne, ruhige und sehr einfühlsame Erzählung eingetaucht. Für mich war es mein Buch des Jahres 2017. Vielen Dank nochmal an den Kinderdok, und wer seine Empfehlungen nachlesen möchte, findet die beiden letzten hier und hier.

Nun habe ich überlegt, wie ich euch zeigen kann, was ich so gelesen habe, und habe mich entschieden, von den drei schönsten Büchern, die ich zuletzt gelesen habe, jeweils einen Abschnitt wiederzugeben, der typisch für den Schreibstil ist. So könnt ihr schauen, ob es was für euch ist. Fangen wir also mit der Welt der Mariana Leky an:

Mariana Leky: „Was man von hier aus sehen kann“:

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Als Selma sagte, sie habe in der Nacht von einem Okapi geträumt, waren wir sicher, dass einer von uns sterben musste, und zwar innerhalb der nächsten vierundzwanzig Stunden. Das stimmte beinahe. Es waren neunundzwanzig Stunden.

Mariana Leky: „Erste Hilfe“

Und danach habe ich mir einfach noch ein Buch von Mariana Leky geclickt, nämlich „Erste Hilfe“, das in der gleichen schönen Sprache geschrieben ist, diesmal geht es um einen sehr liebevollen Umgang mit etwas, was der Psychiater in mir vielleicht als Angststörung bezeichnen würde, Mariana Leky beschreibt es anders:

„Ich würde einfach gerne bei euch bleiben“ sagt Matilda.
„Aber du schläfst doch nicht gerne woanders“ sagt Sylvester, und Matilda sagt: „Ich bin verrückt geworden.“ 
„Was?“ fragen wir, denn Matilda hat das ziemlich laut gesagt.
„Gestern um kurz nach fünf“ sagt Matilda.
„Was ist denn passiert?“ fragt Sylvester.
»Eigentlich nicht viel«, sagt Matilda. Ich überlege mir eine Frage und alles, was nach der Frage kommen könnte, deswegen sage ich nichts und deshalb sagt Matilda: »Es ist aber nicht so schlimm.«

Juli Zeh: „Leere Herzen“

Und das dritte Buch, das ich gerne empfehlen möchte, hat eine frühere Schulfreundin von mir geschrieben, die inzwischen zurecht total berühmte Juli Zeh. Hier ein Ausschnitt aus dem wirklich coolen „Leere Herzen“:

Sie haben sich gestritten. Babak beharrte auf einer der Grundregeln der Brücke, nur im absoluten Notfall zu reisen. Und ist das wirklich schon ein Notfall? Britta konnte nicht gut dagegenhalten. Sie weiß selbst nicht genau, was sie mit den geplanten Besuchen bezweckt. Präsenz zeigen. Nach Hinweisen Ausschau halten. Den Stammkunden klarmachen, dass das Desaster von Leipzig nicht auf die Kappe der Brücke geht. Babak erinnerte immer wieder daran, dass es sich in Leipzig auch nur um zwei Spinner gehandelt haben könnte, die auf eigene Faust losgezogen sind und die Sache mit ein bisschen Jalla-Jalla größer machen wollten. »Mit einem Scoring von unter 3?«, hat Britta gefragt, worauf Babak schwieg. Dass Lassie sich geirrt hat, kann als ausgeschlossen gelten. Der Algorithmus ist ausgereift, hochintelligent, selbstlernend, perfekt dressiert.

Vielleicht ist ja für den einen oder anderen was dabei. Viel Spaß! 

(Die links sind affiliate links. Ihr könnt aber auch einfach in den gut sortierten Buchhandel gehen oder die Titel beim Online-Händler eurer Wahl eingeben…)

Psychiatrie to go wird heute 6 Jahre alt

Voila Capture 2018 01 04 02 18 37 PM

Am 4.1.2012 habe ich hier den ersten post geschrieben. Der Blog wuchs und gedieh über die Jahre, allein im letzten Jahr wurde er von 650.000 Besuchern knapp eine Million mal angeclickt. Es hat mir stets Spaß gemacht, meine Meinungen zu  posten, fachliche Artikel zu schreiben und mich mit euch, den Lesern auszutauschen. Ich habe damit viel Freude und lerne auch immer wieder etwas dazu: you live you learn.

Eure Kommentare, eure Teilnahme machen den Blog zu dem, was er ist.

Danke dafür! Auf die nächsten Jahre!

Nachtrag zum Rote-Hand-Brief zu Haloperidol

Ich hatte gestern über den neu erschienenen Rote-Hand-Brief zu Haloperidol berichtet. Darin hatte ich unter anderem gesagt, dass für die Injektionslösung die alte Indikation „akute und chronische schizophrene Syndrome“ nun entfallen ist, und hatte mir selbst keine Gedanken gemacht, ob man Haloperidol i.m. oder i.v. nun überhaupt noch bei schizophrenen Erkrankungen geben darf. Dank eines Kommentares von Seelenklempner habe ich jetzt aber die Indikation für die Haloperidol-Injektionslösung nachgelesen, die lautet:

Haloperidol Injektionslösung

4.1 Anwendungsgebiete: HALDOL-Janssen Injektionslösung 5 mg/ml wird bei Erwachsenen angewendet zur:

  • Schnellen Kontrolle akuter psychomotorischer Erregungszustände im Rahmen einer psychotischen Störung oder manischer Episoden einer bipolaren Störung I, wenn eine orale Therapie nicht geeignet ist.
  • Akutbehandlung des Deliriums, wenn nicht-pharmakologische Therapien versagt haben.
  • Behandlung einer leichten bis mittelschweren Chorea Huntington, wenn andere Arzneimittel unwirksam oder unverträglich sind und eine orale Therapie nicht geeignet ist.
  • Mono- oder Kombinationsprophylaxe bei Patienten mit mäßigem bis hohem Risiko für postoperative Übelkeit und postoperatives Erbrechen, wenn andere Arzneimittel unwirksam oder unverträglich sind.
  • Kombinationsbehandlung bei postoperativer Übelkeit und postoperativem Erbrechen, wenn andere Arzneimittel unwirksam oder unverträglich sind.

Das bedeutet, dass eine intramuskuläre Injektion von Haloperidol bei akuten Erregungszuständen noch erlaubt ist, wenn eine orale Medikation nicht möglich ist, also beispielsweise im Rahmen einer Zwangsmedikation.

Neu ist auch die Empfehlung, wie die Injektionslösung gegeben werden darf. In der Fachinfo von Janssen-Cilag zur Haloperidol Injektionslösung steht nun:

HALDOL-Janssen Injektionslösung 5 mg/ ml ist nur zur intramuskulären Anwendung bestimmt.

Zuvor war diese auch für die intravenöse Injektion geeignet, allerdings nur unter EKG-Monitoring. Auf internistischen Intensivstationen war dies bislang eine nicht ungewöhnliche Therapie, vor allem beim Delir. Allerdings geht die intravenöse Gabe von Haloperidol mit einer deutlich erhöhten Wahrscheinlichkeit einer QTc-Zeit-Verlängerung und den daraus möglicherweise resultierenden Torsade-de-point-Arrhythmien einher. Daher war es in den letzten Jahren in psychiatrischen Kliniken, die üblicherweise nicht über ein EKG-Monitoring verfügen, üblich geworden, Benperidol zu geben, wenn eine i.v. Medikation nötig war. Auch auf internistischen Intensivstationen wurde Haloperidol i.v. meiner etwas spärlichen Beobachtung nach seltener gegeben. Nun wird auch das wohl im wesentlichen aufhören, was auch gut ist. Aus pharmakologischer Sicht ist es natürlich weiterhin möglich, die Haloperidol-Injektionslösung auch i.v. zu geben, das Nutzen/Risiko-Verhältnis ist aber schlechter als bei Benperidol i.v., daher sollte man selbst im Rahmen eines individuellen Heilversuches, der juristisch möglich wäre, aber einer besonderen Aufklärung bedürfte, davon absehen.

Vielen Dank noch mal an Seelenklempner, der mich in seinem Kommentar darauf hingewiesen hat!

Rote-Hand-Brief zu Haloperidol erschienen

Voila Capture 2017 12 28 08 16 10 AM

Die Arzneimittelfirma Janssen hat zu Haloperidol einen Rote-Hand-Brief versendet. Rote-Hand-Briefe informieren die Fachöffentlichkeit über wichtige Erkenntnisse zu einem Medikament. In diesem Fall wird darüber informiert, dass die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) ein Harmonisierungsverfahren für alle Darreichungsformen von Haloperidol-haltigen Arzneimitteln durchgeführt hat. Dies führt dazu, dass nun die Fachinformationen, und damit die Angaben zu Indikation, Dosierung und möglichen Nebenwirkungen bei allen Haloperidol-haltigen Arzneimitteln vereinheitlicht worden sind.

Dabei ergaben sich folgende Veränderungen:

Folgende frühere Indikationen für Haloperidol sind jetzt weggefallen

  • Erbrechen: weggefallen
  • Tic-Erkrankungen bei Kindern ab 3 Jahren: nun erst zugelassen ab 10 Jahren
  • akute und chronische schizophrene Syndrome: Ist für die HALDOL® Injektionslösung weggefallen. Für die Tabletten, Tropfen und das Depot besteht diese Indikation weiterhin. 

Dosierung

Die maximale tägliche Dosis Haldol® wurde reduziert auf:

  • 10 – 20 mg bei erwachsenen Patienten abhängig von der Indikation
  • 5mg bei älteren Patienten
  • 3 – 5mg bei Kindern abhängig von der Indikation
  • Zur Vermeidung von Nebenwirkungen sollte die niedrigst mögliche Dosis gegeben werden.

Die Dosierung und die Art der Verabreichung von Haldol Decanoat Depot® wurden wie folgt angepasst:

  • Patienten müssen stabil auf orales Haldol eingestellt sein, bevor sie auf Haldol Decanoat umgestellt werden. Die Dosis von Haldol Decanoat Depot entspricht bei Umstellung dem 10 – bis 15-Fachen der letzten oralen Haldol Tagesdosis.
  • Es wird empfohlen, Haldol Decanoat Depot alle 4 Wochen tief intramuskulär zu injizieren
  • Die Dosis darf in 50 mg Schritten alle vier Wochen angepasst werden, bis ein optimales Therapieansprechen erreicht wird, jedoch maximal bis zur Höchstdosis von 300 mg.
  • Zu Anfang der Umstellung auf Haldol Decanoat Depot® könnte eine ergänzende Einnahme von Haldol® oral notwendig werden. Die Gesamtdosis darf umgerechnet 20mg/Tag orales Haloperidol, nicht überschreiten

Für ältere Patienten:

  • Die empfohlene Initialdosis beträgt 12,5 bis 25 mg alle 4 Wochen, auch wenn die umgerechnete Dosis höher liegt.
  • Die Haldol Decanoat Depot® Dosis kann bis zum Erreichen eines optimalen Therapieansprechens maximal bis zur Höchstdosis von 75 mg alle vier Wochen gesteigert werden.
  • Tagesdosen über 75mg sollten nur dann in Betracht gezogen werden, wenn die Patienten vorher höhere, orale Dosisäquivalente vertragen haben.
  • Zu Anfang der Umstellung auf Haldol Decanoat Depot® kann eine ergänzende Einnahme von Haldol® oral notwendig werden. Die Gesamtdosis darf eine Dosis von umgerechnet 5 mg/Tag orales Haloperidol oder die zuletzt verabreichte orale Dosis bei älteren Patienten mit längerer Behandlung nicht überschreiten.

Gegenanzeigen

  • bekannte Verlängerung des QT-Intervalls
  • ventrikuläre Arrhythmien oder Torsade-de-Pointes
  • gleichzeitig verabreichte Medikamente, die das QT-Intervall verlängern
  • Medikationen, die das Risiko kardiologischer Arrhythmien und QT-Zeit Verlängerung verstärken
  • Medikationen, die den Haloperidol Plasmaspiegel erhöhen

Die Injektionslösung

Die Injektionslösung, die i.v. und i.m. verwendet werden kann, ist ab jetzt nicht mehr einfach so für die Indikation „Schizophrenie“ zugelassen, sondern nur noch in folgender Situation:

Die Haloperidol-Injektionslösung ist angezeigt: „Zur schnellen Kontrolle akuter psychomotorischer Erregungszustände im Rahmen einer psychotischen Störung oder manischer Episoden einer bipolaren Störung I, wenn eine orale Therapie nicht geeignet ist.“

Meine persönliche Beurteilung

Diese Aktualisierungen sind konsequent und sinnvoll. Zuvor war es ja so, dass man Haldol® von Janssen nicht i.v. geben durfte, andere Haloperidol-Lösungen aber schon. Ab jetzt stehen die Warnungen vor einer Qtc-Zeit-Verlängerung bei allen Präparaten.

Die Indikation „Akute und chronische Schizophrenie“ ist für die Injektionslösung nun generell weggefallen, sicherlich aufgrund der Gefahr der Qtc-Zeit Verlängerung. Die Injektionslösung ist jetzt nur noch bei psychomotorischen Erregungszuständen indiziert, wenn eine orale Therapie nicht geeignet ist. Aber auch dann i.v. nur unter Monitorkontrolle, im psychiatrischen Krankenhaus also allenfalls i.m. In der klinischen Praxis ist es in diesen Fällen in psychiatrischen Kliniken ohnehin bereits seit vielen Jahren üblich, in Akutsituationen, in denen eine intravenöse Medikation erforderlich ist, Benperidol i.v. zu geben. Alternativ gibt es eine Reihe von atypischen Neuroleptika, die intramuskulär gegeben werden können.

Auch die niedrigeren empfohlenen Dosierungen sind mehr als sinnvoll; höhere als die hier angegebenen Dosierungen führen erfahrungsgemäß nur zu mehr Nebenwirkungen ohne zusätzlichen Nutzen. Hier war einfach eine Anpassung an die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte erforderlich.

Den Rote-Hand-Brief im Original findet ihr hier: RHB Haloperidol.pdf

Skills2Go für Borderliner

Es gibt ja so Apps, die müsste man eigentlich selbst programmieren, wenn es sie nicht schon gäbe. Diese App ist zum Glück schon programmiert, und zwar im schönen Duisburg: Skills2Go. Die App beschreibt erprobte Skills, bietet eine Möglichkeit an, eigene Skills einzutragen, beschreibt bewährte Achtsamkeitsübungen und hat ein Tagebuch, in dem man Stimmung, Anspannungsgrad und Notizen eintragen kann. Die Grundfunktionen der App sind kostenlos, das Eintragen eigener Skills sowie ein Teilbereich des Tagebuches können über In-App-Käufe freigeschaltet werden.

Laß dir 2018 genügend Luft !

Nach dem Baum-Fest folgt ja alljährlich das Gute-Vorsätze-Fest. Ich möchte nur mal vorsorglich darauf hinweisen, dass du dir bitte für´s nächste Jahr zumindest mal ein Drittel weniger vornehmen sollst, als du eigentlich schaffen kannst.

Lass ein Drittel deiner Zeit, deiner Kräfte und deiner Ressourcen frei.

Sehe ich freie Stunden in Deinem Terminkalender? Freie Tage ohne geplante Urlaube? Keine Planung größerer Projekte trotz genügend Energie? Sehe ich freie Abende und eine Anmutung von Langeweile aufkommen? Dann hast Du alles richtig geplant!

Denn erstens kommt es anders, und zweitens, als man denkt.

Lass dir dafür Luft!

Drogennotfallprophylaxe durch Laien mit Naloxon: Im Saarland beginnt ein Modellprojekt

Die wenigsten Drogentoten sterben am „Goldenen Schuss“, also an einer absichtlich zu hoch gewählten Dosis Heroin in suizidaler Absicht. Viel mehr Opiatabhängige sterben, weil sie sich unabsichtlich eine zu hohe Opiatdosis verabreicht haben. Dafür kann es verschiedenen Gründe geben: Entweder war der Stoff reiner als gewohnt, oder der Konsument hat nach einer Abstinenzzeit unterschätzt, dass die früher verträgliche Dosis nach einigen Tagen Abstinenz schon viel zu hoch sein kann. Auch in Kombination mit anderen Sedativa wie Benzodiazepinen wird Heroin nicht mehr so vertragen wie ohne diese Kombination. Im Falle einer Überdosis tritt dann oft eine Atemdepression ein. Der Konsument fällt also zunächst in einen tiefen Schlaf und hört dann auf zu atmen. Das endet leider immer wieder tödlich.

Als Notarzt kann man in dieser Situation schnell helfen: Eine Injektion des Opiatantagonisten Naloxon, und der Patient schreckt sofort wieder auf, atmet einmal tief durch und hat in den nächsten zwanzig Minuten einen ziemlich unangenehmen Turboentzug. Aber er lebt. Doch bis der Notarzt vor Ort ist, kann es schon zu spät sein.

Dabei sind die Betroffenen meist nicht alleine. Oft sind es andere Drogenkonsumenten, die dabei sind, aber nicht wirksam helfen können. Daher gibt es in einigen Ländern Programme, Laien, zumeist andere Drogenkonsumenten, zu schulen, wie eine solche Opiatüberdosierung aussieht und wie man sie mit Naloxon bekämpfen kann. Es gibt Naloxon als Nasenspray oder als Spritze. Spritzen, die für den Gebrauch durch Laien gedacht sind, sind als Autoinjektoren verfügbar, die man in die Muskulatur des Oberschenkels injiziert. Das ist sicher und wirksam. Nach der Injektion muss natürlich der Rettungsdienst gerufen werden, schon, weil Naloxon nur 20 Minuten wirkt, das Opiat aber gegebenenfalls viel länger, so dass sich ohne wiederholte Gabe von Naloxon die Atemdepression nach einiger Zeit wieder einstellen könnte. 

Die Ärztekammer des Saarlandes informiert hier, dass im Saarland nun genau so ein Modellprojekt startet. Das ist gut und richtig so. In Amerika hat die Opiatwelle schon so weite Teile der Bevölkerung erfasst, dass dort das Problem alltäglich und weit verbreitet ist. Das ist in Deutschland zum Glück nicht so. Aber jeder Drogentoter ist eine zu viel, und das Naloxon-Programm kann Leben retten. Ich werde berichten, wie es sich entwickelt!

Warum nicht jede Delirbehandlung gleich geschaffen ist…

Über die richtige Behandlung des Delirs gibt es zum einen sehr unterschiedliche Meinungen, zum anderen viel Unsicherheit. Das liegt unter anderem daran, dass unterschiedliche Delirursachen bei unterschiedlichen Patienten ganz unterschiedlich behandelt werden müssen. Hierbei spielt es eine Rolle, ob ein hypoaktives oder ein hyperaktives Delir vorliegt. Auch das Alter des Patienten spielt eine große Rolle. Hierauf möchte ich in diesem kurzen Artikel eingehen, in dem ich beschreibe, wie sich die Therapie eines jungen Patienten im Alkoholentzugsdelir von der Therapie eines älteren Menschen im hypoaktiven Delir unterscheidet.

Einleitung

Es gibt sehr unterschiedliche Delirursachen.

  • Beim jungen Menschen tritt im psychiatrischen Krankenhaus am häufigsten das Alkoholentzugsdelir auf.
  • Bei älteren Menschen sieht man häufig:
    • Delir durch Exsikkose
    • Postoperatives Delir
    • Delir durch anticholinerge Medikation

Auch die Erscheinungsformen des Delirs sind unterschiedlich, für gewöhnlich wird in das hypoaktive und das hyperaktive Delir eingeteilt, je nachdem, welche psychomotorische Aktivität vorliegt.

Therapiegrundsätze

  • Beim Delir gibt man immer ein Neuroleptikum, um das Delir ursächlich zu behandeln. Traditionell wird Haloperidol eingesetzt, hiermit bestehen auch die mit Abstand meisten Erfahrungen. Alternativ kann man auch Risperidon oder ein anderes atypisches Neuroleptikum geben. Der klinischen Erfahrung nach funktioniert Risperidon gut. Randomisierte Vergleichsstudien zwischen Haloperidol und Risperidon gibt es nicht. Es wird wohl auch nie welche geben, denn Patienten im Delir sind nicht zustimmungsfähig zu einer Studie. Insofern müsste man nicht randomisierte Beobachtungsstudien durchführen.
  • Bei hyperaktiven Delirien sowie bei Alkoholentzugsdelirien gibt man in der Regel auch ein sedierendes Medikament wie ein Clomethiazol oder ein Benzodiazepin.
  • Beim Delir des älteren Menschen sind Benzodiazepine zumindest umstritten, im Zweifel sogar wirklich kontraindiziert. Wenn ein älterer Mensch ein anticholinerges Delir hat, soll man kein Diazepam geben, da Diazepam eine gewisse anticholinerge Komponente hat. Wenn man in dieser Situation ein Benzodiazepin geben will, dann besser Lorazepam.

Das Alkoholentzugsdelir des jungen Menschen

Junge Menschen im Alkoholentzugsdelir vertragen Haloperidol oft ganz gut. In den hier üblichen Dosierungen von 3-0-3-0 mg bis 5-0-5-0 mg pro Tag treffen sich oft eine schnelle und verlässliche Wirkung mit einer akzeptablen Verträglichkeit.

Zusätzlich gibt man in der Regel Clomethiazol (z.B. DistraNeurin®) nach Bedarf. Alternativ kann man Diazepam, Lorazepam oder Clonazepam geben. 

Beispielmedikation Junger Patient im Alkoholentzugsdelir:

  • Haloperidol 5-0-5-0 mg
  • Clomethiazol bei Bedarf. In der Regel gibt man 2-4 Kapseln zu Beginn, bei ausbleibender Wirkung innerhalb von 30-60 Minuten erneut 2 Kapseln, aber nicht mehr als 8 Kapseln innerhalb von 2 Stunden. Dann weiter nach Bedarf, maximal 24 Kapseln pro Tag. Ältere Patienten und japanische Patienten erhalten niedrigere Dosierungen.

Das hypoaktive Delir unterschiedlicher Ursachen des älteren Patienten

Für ältere Patienten wären diese Dosierungen sicher zu hoch, man würde eher 2-0-2-0 mg Haloperidol pro Tag geben. Aber gerade in der Gerontopsychiatrie bietet es sich an, nicht Haloperidol, sondern ein verträglicheres atypisches Neuroleptikum wie Risperidon 0,5-0-0,5-0 mg pro Tag oder Ziprasidon in einer angemessenen Dosis zu geben. Clozapin, Olanzapin oder Quetiapin sind wegen ihrer anticholinergen Komponenten nicht gut geeignet.

Auch die Stellung der Benzodiazepine ist anders. Im hyperaktiven Delir bei Alkoholentzug, aber auch beim hypoaktiven Delir des jungen Menschen haben Clomethiazol sowie Benzodiazepine, auch das Diazepam, einen festen Stellenwert und sind im Wesentlichen unumstritten. Anders in der Gerontopsychiatrie. Hier tritt ohnehin zumeist das hypoaktive Delir auf, das an sich weniger Sedierung oder Benzodiazepine erforderlich macht. Diazepam hat eine gewisse anticholinerge Komponente, die man im Delir des älteren Menschen meiden muss. Daher ist Lorazepam in einer niedrigen Dosis, z.B. 0,5-0-0,5-0,5 mg pro Tag zu bevorzugen.

Beispielmedikation Älterer Patient im hypoaktiven Delir:

  • Risperidon 0,5-0-0,5-0 mg
  • Lorazepam 0,5-0-0,5-0,5 mg
  • Lorazepam bei Bedarf 0,5 mg, max. zusätzlich 2 mg/Tag.

Wie ist dein Vorgehen?

Das Delir wird oft nach persönlichen Präferenzen behandelt, ohne dass man immer sagen kann, welche Überlegung nun der Therapieentscheidung zu Grunde liegt. Daher möchte ich gerne wissen, welchen Algorithmus du im Kopf hast, wenn du die Medikation bei einem Delir auswählt. Schreib bitte in die Kommentare, wie du vorgehst!

„PC060 Borderline – ein erster Überblick“ ist online!

Psych2 in 1400 1400 Pixeln
Die Borderline-Persönlichkeitsstörung: eine Krankheit, über die es viel zu sprechen, zu diskutieren und zu verstehen gibt. Im 60. PsychCast haben wir uns entschieden, nach der Zwiebel-Taktik beim Äußeren (allgemeinen Teil) zu beginnen und uns dem – durchaus kontroversen – Thema erstmals zu näheren. Wir sprechen kurz über die Diagnostik, die Ursachen und ein paar Behandlungsoptionen. Ganz ganz ausdrücklich: ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Mit der Option auf spätere Vertiefung einzelner Themenbereiche.

Wir erwähnen die häufig nachgewiesene traumatisierende Kindheit mit Formen emotionaler Vernachlässigung, körperlicher oder psychischer Gewalt sowie unbeständiger Bindungen, die in den Betroffenen kein stabiles Bild von sich selbst und ihren Emotionen entstehen lassen konnten. Nach einer Grobaufzählung einiger diagnostischer Optionen besprechen wir nachweislich wirksame Psychotherapie-Methoden, bei denen wir zu wenig hervorheben, wie wichtig die empathische, stabile, vorhersehbare und wertschätzende Arzt-Patienten-Beziehung ist, die in der Vergangenheit vernachlässigende Bindungserfahrungen “überschreiben” und so korrigieren soll (“korrigierende emotionale Erfahrung” als Wirkfaktor). Vielleicht bald mehr dazu…

Viele Grüße vom PsychCast – wir melden uns mit einer Silvester-Folge am 31.12.2017 bei Euch zurück! Frohe Weihnachten!

Die Folge findet ihr hier: http://psychcast.de/pc060-borderline-ein-erster-ueberblick/

Mars Edit Version 4

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Den richtigen Blog-Editor zu finden ist ungefähr so, wie den richtigen Frisör zu finden. Mal findet man einen ganz gut, dann kommt man zum Ergebnis, dass genau dieser gar nicht mehr geht und sucht den nächsten. Mir macht es Spaß, praktisch jeden neuen Blog-Editor für den Mac und für iOS auszuprobieren. Meistens verwende ich Ulysses zum posten, oft auch das WordPress-Webinterface. Aber auf ein Programm komme ich am Mac immer wieder zurück, weil es einfach immer stabil funktioniert und aus Prinzip überhaupt keine Probleme macht: Mars Edit. Das ist gerade in Version 4 erschienen, mit einem modernen Design und einem deutlich praktischeren Editor. Ihr könnt es zwei Wochen lang ausprobieren, und dann, wenn es gefällt, per In-App-Kauf dauerhaft freischalten. Besitzer einer Vorversion zahlen lediglich einen Upgrade-Preis.

Der Nachteil von Mars Edit ist, dass es keine iOS-Version gibt. Wenn ich also einen Text am Mac zu schreiben beginne, kann ich ihn nicht unterwegs am iPad weiterschreiben. Daher schreibe ich die Texte manchmal in einem anderen Text-Editor und kopiere sie am Schluss in Mars Edit. 

Im Gegensatz zu einfachen Text-Editoren wie Ulysses kann man in Mars Edit auch alte Posts problemlos editieren, was sehr praktisch ist. Der Hauptvorteil ist aber, dass es wirklich immer zuverlässig funktioniert. Wer es nicht kennt sollte unbedingt mal einen Blick darauf werfen!

PC059 „Gruppe ist großartig!“ ist online

Im 59. PsychCast sprechen wir über Psychotherapie in der Gruppe. Wir beschreiben, was uns an der Arbeit in Gruppen fasziniert und wie Gruppen gegen das Versorgungsengpass-Problem helfen können. Wir bereden Wirkfaktoren und Hürden von Gruppen und versuchen zusammenzufassen, welche Chancen Gruppen für Patienten darstellen. Heute geht es explizit nicht um einzelne gruppentherapeutische Verfahren, sondern Gruppenbehandlungen in der Psychiatrie und Psychosomatik im Allgemeinen!

Wir sprechen unter anderem über den “besten Gruppenpsychotherapeuten der Welt” Irvin Yalom. Dies ist sein Gruppentherapie-Standardwerk Theorie und Praxis der Gruppenpsychotherapie.

Viel Spaß und großen Dank unserem wachsenden PsychCast-Freundeskreis!

Die Folge findet ihr hier.

Zur Unterscheidung von Pseudodemenz und Demenz

Unlängst hatte ich Facharztprüfung. Also eher sechs Facharztprüfungen. Na ja, als Prüfer halt. Aber dabei lernt man ja zum Glück auch als Prüfer immer wieder was Neues…

Mein Mitprüfer fragte eine der Kandidatinnen, wie man eine Pseudodemenz bei Depression von einer echten Demenz unterscheiden kann. Die Frage ist relevant, weil sich gerade ältere depressive Patienten oft fragen, ob die Merkfähigkeitsstörungen, Konzentrationsstörungen und allgemein die kognitiven Störungen, die sie im Rahmen ihrer Depression gerade erleiden, vielleicht die ersten Symptome einer Demenz seien. Und das macht sie natürlich noch depressiver…

Die Kandidatin antwortete, dass Patienten mit einer echten Demenz ihre kognitiven Einschränkungen eher bagatellisieren („ach das war mir gerade entfallen, nicht so schlimm“), während Patienten mit einer Pseudodemenz bei Depression ihre kognitiven Einschränkungen eher katastrophisieren („Herr Doktor, heute habe ich mir schon wieder nicht merken können, wie meine neue Tablette heißt!“ „Sie meinen das Rivaroxaban?“ „Ja genau. Da hatte ich doch glatt schon wieder den Namen vergessen. Sehen sie, nun bekomme ich auch noch Alzheimer!“). Natürlich gibt es weitere Unterscheidungsmerkmale. Zunächst mal führt man die körperlichen Untersuchungen durch, die eine Demenz aufdecken, also z.B. eine cCT.

Es gibt auch klinische Hinweise. Die Pseudodemenz zeigt oft eine Diskrepanz zwischen den erkennbaren kognitiven Einschränkungen auf der einen Seite und einem noch guten tatsächlichen Zurechtkommen im Alltag; während bei der echten Demenz zwar ebenfalls kognitive Einschränkungen bestehen, diese aber auch klare Entsprechungen in einer deutlich reduzierten Alltagskompetenz finden. Auch gibt es testpsychologische Möglichkeiten, eine Differenzierung zwischen Pseudodemenz bei Depression und echter Demenz herauszufinden. Aber nachdem ich einmal gehört habe, zwischen den Polen

  • der Patient bagatellisiert und
  • der Patient katastrophisiert

seine kognitiven Defizite zu unterscheiden, erinnere ich mich praktisch an keinen Fall, bei dem ich damit nicht richtig gelegen hätte. Die sechs Kandidaten haben übrigens alle mit wirklich guten Leistungen bestanden, der Facharztnachschub in NRW läuft also…

Der neue PsychCast ist online: PC058 Teamplay – eine ewige Baustelle

Im 58. PsychCast sprechen wir über Teamarbeit, Teamaufgaben, Team-Irrtümer, moderne Führung, die Reflected Best Self Exercise, Teams im Flow, extrinsische und intrinsische Motivation, Die 4 Cs eines Krankenhauses, eine strukturierte Vorgehensweise bei Problemen und über die Doku “I Am Not Your Guru” über Tony Robbins. Wir denken schließlich über das moderne Führungsziel nach, ein Team darin zu fördern, ihre eigene Aufgabe zu lieben und wichtig zu finden.

Das wahrscheinlich beste Buch zum Thema ist übrigens Positive Leadership von Ruth Seliger (Amazon).

Die Folge findet ihr hier.

Die Rezeptorbindungsprofile der Neuroleptika

Zusammenstellung Übersicht Neuroleptika Rezeptorprofile.jpg

Rezeptorbindungsprofile sind so etwa wie das „Persönlichkeitsprofil“ der Medikamente. Sie bestimmen im Wesentlichen die Wirkungen sowie die unerwünschten Wirkungen jedes einzelnen Medikamentes.

Das Rezeptorbindungsprofil eines Neuroleptikums sagt aus, wie stark dieses Medikament an welche Rezeptoren bindet; welche Affinität es zu den jeweiligen Rezeptortypen hat. Daraus kann man sich die pharmakologischen und klinischen Eigenschaften des Medikamentes im Wesentlichen erschließen. Die folgende Tabelle zeigt wichtige rezeptorblockadebedingte Wirkungen:

(Modifiziert nach Hiemke und Stahl, 2013)

Es gibt darüber hinaus noch vereinzelt weitere Nebenwirkungen, die sich nicht aus der Blockade eines Rezeptors erklären. Ein Beispiel hierfür ist die blutbildschädigende Wirkung des Clozapins, die eine allergische Reaktion ist.

Wenn man sich selbst ein Bild davon machen möchte, was man von einem Medikament zu erwarten hat, sind die Rezeptorbindungsprofile sicherlich der beste Einstieg. Die Übersichtsgrafik zeigt die häufigsten Neuroleptika sowie zum Vergleich das alte Chlorpromazin. Die Grafiken sind so zu lesen, dass die „Dicke“ einer Scheibe anzeigt, wie stark das Medikament den entsprechenden Rezeptor blockiert. Bewirkt ein Medikament an einem bestimmten Rezeptor keine Blockade, ist keine entsprechende Scheibe eingezeichnet. Bei den einzelnen Substanzen sind die typischen Wirkungen und Nebenwirkungen der jeweiligen Rezeptorblockade als Textanmerkung gleich mit eingezeichnet.

Die blauen Blöcke stehen für die Dopaminrezeptoren D1-D4. Die grauen Blöcke stehen für die Serotoninrezeptoren 5HT1-7, wobei der erste Block für einen 5HT1A-Partialagonismus steht. Alpha1 und Alpha2 repräsentieren die Alpha 1 und Alpha 2-Adrenorezeptoren. Es folgen der H1=Histamin-H1 und die M1/M3=muskarinischen Acetylcholinrezeptoren. DAT ist der Dopamin-Transporter, NAT der Noradrenalin-Transporter und SERT der Serotonin-Transporter.

Vorstellung der wichtigsten Neuroleptika mit ihrem jeweiligen Rezeptorbindungsprofil

Haloperidol

Haloperidol ist der Klassiker eines typischen Neuroleptikums. Es blockiert stark die Dopamin-D2-Rezeptoren, was zu einer sicheren antipsychotischen Wirkung, aber in höheren Dosierungen auch zu EPMS und Hyperprolaktinämie führt. Ein Teil der vegetativen Nebenwirkungen und ein Teil der Sedierung sind auf die Blockade der Alpha-1-Adrenozeptoren zurückzuführen.

Amisulprid

Amisulprid ist ein lupenreiner Dopamin-Rezeptor-Antagonist. Das erklärt seine gute antipsychotische Wirkung. In höheren Dosierungen verursacht es EPMS und Hyperprolaktinämie. Es hat praktisch keine sedierenden oder anderen vegetativen Nebenwirkungen, da es praktisch keine anderen Rezeptoren blockiert.

Risperidon

Risperidon blockiert zum einen wie ein typisches Neuroleptikum in relevantem Ausmaß die Dopamin-D2-Rezeptoren, und zum anderen wie viele atypische Neuroleptika den Serotonin-5HT2A-Rezeptor. Es verursacht nur in geringem Maße Gewichtszunahme und Müdigkeit, entsprechend seiner nur geringen, aber vorhandenen Aktivität am Histamin H1-Rezeptor.

Ziprasidon

Ziprasidon entspricht ganz dem Profil eines atypischen Neuroleptikums. Es blockiert zwar auch den D2-Rezeptor, hat seinen Schwerpunkt aber eher auf 5HT2A. Interessant ist die Noradrenalin- und Serotonin-Wiederaufnahmehemmung, die eine milde antidepressive und angstlösende Wirkung plausibel macht.

Aripiprazol

Im Falle des Aripiprazols muss man wissen, das die Affinität dieses Medikamentes zum Dopamin-D2-Rezeptor nicht nur antagonistische, sondern auch partiell agonistische Wirkungen hat. Dies relativiert einige der D2-bezogenen Nebenwirkungen, so verursacht Aripiprazol tatsächlich weniger EPMS, als dem Ausmaß der D2-Affinität in diesem Schaubild entsprechen würde. Man erhofft sich vom partiellen Dopamin-D2-Agonismus auch eine positive Wirkung auf Antrieb, Stimmung und kognitive Fähigkeiten.

Clozapin

Clozapin hat ein ganz spezielles Rezeptorbindungsprofil. Der hohe Anteil der Dopamin-D4-Blockade wird mit seiner guten antipsychotischen Wirkung bei wenig EPMS in Verbindung gebracht. Und die Affinität von Clozapin zu den Dopamin-D2-Rezeptoren ist ja vergleichsweise niedrig. Betrachtet man jedoch den oberen Teil der Grafik, weiß man, warum Clozapin so ausgeprägte Nebenwirkungen verursacht. Insbesondere Müdigkeit und Gewichtszunahme (H1) wirken sich klinisch stark aus. Der erhöhte Speichelfluß unter Clozapin ist auf eine reduzierte Schluckfähigkeit zurück zu führen; die durch die Blockade des Acetylcholin-M1-Rezeptors verursachte Mundtrockenheit wiegt diese Schluckstörung nicht auf.

Olanzapin

Olanzapin hat aus der Sicht des Rezeptorbindungsprofils viel Ähnlichkeit mit Clozapin. Interessant ist auch hier, dass Dopamin-D4-Rezeptoren fast so stark blockiert werden wie Dopamin-D2-Rezeptoren, was für eine gute antipsychotische Wirkung bei wenig EPMS spricht. Allerdings blockiert Olanzapin ebenfall stark den Histamin-H1-Rezeptor, was die Sedierung und Gewichtszunahme erklärt.

Quetiapin

Der Blick auf das Rezeptorbindungsprofil von Quetiapin zeigt ein solides mittelpotentes Neuroleptikum mit einer recht ausgeprägten Sedierung (Alpha1, H1, M1, M3) und einer milden antipsychotischen Wirkung (D2, 5HT2A).

Copyright

Ihr dürft diese Darstellungen gerne unter Nennung der Quelle http://www.psychiatrietogo.de weiterverwenden und auch weiter verbessern. Dann schickt mir doch gerne einen Link auf eure Version. Ich bin gespannt auf eure Kommentare!

Noch eine Alternative…

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Wenn man die Übersichtsdarstellung weiter entwickelt, dann kommt man auf die Möglichkeit, die einzelnen Substanzen so darzustellen. Ist das besser oder schlechter als die Schlüsseldarstellung?

Übersichtsdarstellung

 

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Ich habe in meinem vorigen post die Rezeptorbindungsprofile der Neuroleptika dargestellt. Hier habe ich noch einen Nachtrag: Wie gefällt euch diese Darstellung der Rezeptorbindungsprofile als Übersicht?