Kirsch-Studie: Wirksamkeit der Antidepressiva

Kirsch Studie

Zu den Klassikern der psychiatrischen Forschung gehört neben der CATIE-Studie, über die ich hier berichtet habe, auch die Kirsch-Studie. Sie berichtet über eine vom englischen Psychologen I. Kirsch 2008 publizierte Meta-Analyse, die die Wirksamkeit antidepressiver Medikamente in Abhängigkeit vom Schweregrad der Depression untersucht. Eingegangen in diese Meta-Analyse sind alle Zulassungsstudien von vier ausgewählten Antidepressiva. Das Ergebnis ist, dass sich die Wirksamkeit der Antidepressiva bei leichten und mittelschweren Depressionen    nicht signifikant vom Placebo-Niveau unterscheidet. Lediglich bei schwergradigen Depressionen ist die Medikation Placebo überlegen.

Die Arbeit im Original

Das Original der Studie könnt ihr hier herunterladen, und ich empfehle, das zu tun und die Studie einmal aufmerksam zu lesen.

Methode

Die Meta-Analyse von Kirsch bezieht dabei für die Antidepressiva Fluoxetin, Venlafaxin, Nefazodon und Paroxetin alle eingereichten Zulassungsstudien ein, also die veröffentlichten wie die unveröffentlichten.

Eines der größten Probleme im Prozess des wissenschaftlichen Erkenntnisgewinnes ist der publication bias. Dieser ergibt sich aus der Fehlerquelle, dass Studien, die eine Wirksamkeit eines Medikamentes zeigen, mit einer sehr viel höheren Wahrscheinlichkeit publiziert werden, als Studien, die keine Wirksamkeit zeigen. Untersucht man dann nur die publizierten Studien, kommt man selbst bei einem Präparat, dass viele Nachweise der Unwirksamkeit hat, von denen keine publiziert ist, und einen Hinweis auf Wirksamkeit, das publiziert ist, zum Ergebnis, es ist wirksam. Denn es gibt ja nur eine publizierte Studie, und die zeigt Wirksamkeit.

Ergebnisse

Ergebnisse Kirsch Studie
Ergebnisse Kirsch Studie

Auf der Grafik oben ist nach rechts die Schwere der Depression zu Beginn der Studie aufgetragen. Auf der nach oben zeigenden Achse ist die Verbesserungsrate der einzelnen Studien aufgetragen, wobei ein Wert von 1 keiner Verbesserung entspricht, Werte über 1 einer Verbesserung und Werte unter 1 einer Verschlechterung am Ende der Studie, jeweils gemessen am HAMD.  Als rote Dreiecke um die rote Durchschnittslinie sind die Daten der Antidepressivagruppen aufgezeichnet, als weiße Punkte um deren gestrichelte Durchschnittslinie sind die Placebogruppen aufgezeichnet. Jedes Dreieck und jeder Kreis steht für eine Studie. Je größer Dreieck oder Kreis sind, desto größer war die zugrunde liegende Studie und desto mehr ging sie in das Endergebnis ein.

Die Ergebnisse der Meta-Analyse von Kirsch sind ernüchternd. Die Grafik zeigt, dass die Wirkung der Antidepressiva erst im Bereich der sehr schweren Depressionen (ganz rechts, ab einem HAMD von > 28) signifikant besser ist als die von Placebo. Und dies geht weniger auf eine zunehmende Wirkung der Medikation bei zunehmender Schwere der Depression zurück als vielmehr auf eine abnehmende Placebowirkung bei schwereren Depressionen.

Kontroverse

Die Studie von Kirsch führte zu einer lebhaften Kontroverse. Viele Stimmen kamen auf, die ausführten, dass man aufgrund methodischer Einschränkungen die Ergebnisse der Studie nicht auf die tatsächliche Wirksamkeit von Antidepressiva bei leichten und mittelschweren Depressionen übertragen könne. Dabei muss man schon sagen, dass einige dieser Stimmen auch regelmäßig von Pharmafirmen Vortragshonorare erhalten… Auch die klinische Erfahrung spreche gegen die Aussage der Studie. Auch handelt es sich bei den untersuchten Substanzen mit Ausnahme des Venlafaxins um alte und eher nicht so prominente Substanzen. Möglicherweise sind die neueren Antidepressiva ja wirkstärker.

Einige wenige sagten auch: „An der Kirsch-Studie kann am Schluss vielleicht auch was dran sein…“

Meine Meinung

Placebos wirken bei Schmerzen, Ängsten, Depressionen, Schlafstörungen und bei sehr vielen anderen ordentlichen Krankheiten gar nicht mal so schlecht. Ich verschreibe keine Placebos, aber in allen Studien zeigt sich, dass sie eine recht deutliche Wirkung haben. Und das ist natürlich völlig in Ordnung und gar nicht verwerflich. Gibt man ein Antidepressivum, hat es zunächst mal auch den Effekt, den ein Placebo hätte, plus den Effekt seiner eigentlichen substanzspezifischen Wirksamkeit.

Der Unterschied zwischen Antidepressiva und Placebo ist bei leichten und mittelschweren Depressionen möglicherweise nicht so groß, wie wir uns das immer wünschen. Bei schweren Depressionen wirken die Antidepressiva tatsächlich besser als Placebo. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass bei schweren Depressionen Placebos nicht sehr viel bewirken.

Es ist sehr wichtig, sich klar zu machen, dass Antidepressiva gerade bei leichten und mittelschweren Depressionen keine Wundermittel sind. Denn oft liegt eine wirksame Bekämpfung dieser Depressionen darin, den beschwerlichen Weg zu gehen, bestimmte Konflikte zu lösen, Lebensumstände zu ändern oder sein Verhalten umzukrempeln. Und genau das tut man weniger gerne, wenn man sich sagt: „Ich habe da diese Depression, da sind die Neurotransmitter durcheinander, da nehme ich jetzt diese Pille, und dann warte ich mal schön ab.“ Wenn man so denkt, schadet die Pille einem, da man erforderliche Veränderungen nicht angeht.

Eure Meinung

Wie schätzt ihr die Wirkung antidepressiver Medikamente bei der Depression ein? Was haltet ihr von der Kirsch-Studie? Kann man deren Aussage auf die reale Welt da draußen übertragen? Ich bin auf jeden Kommentar gespannt!

Neuer Blog direkt aus der chirurgischen Notaufnahme

Hier bloggt ein Unfallchirurg direkt aus der Chirurgischen Notaufnahme. Mit Fotos von Befunden, Röntgenbildern und diagnostischen Fragen zum Mitmachen. Also ich kann nicht genug davon bekommen! 

Ausprobieren unter http://notfallambulanz.blogspot.de/

Gustl Mollath ist frei

Das Oberlandesgericht Nürnberg hat heute einem Mann Recht zugesprochen, der seit sieben Jahren aufgrund falscher Voraussetzungen im Maßregelvollzug untergebracht war. Es erklärte das Gerichtsverfahren, das Gustl Mollath in die Forensik eingewiesen hat, für fehlerhaft. Daher ist er heute entlassen worden. Eine andere als die damals zuständige Strafkammer des Landgerichts Nürnberg-Fürth muss nun klären, ob eine Unterbringung erforderlich ist. Zuletzt hatte es da sehr erheblichen Zweifel gegeben.

Ich bin sehr froh, dass Mollath frei ist. Seine Unterbringung war falsch und unverhältnismäßig.

Zur genaueren Erklärung des Urteils siehe hier.

Der Hund kann gar nicht sprechen

Intelligenz und Begabung sind normalverteilte Ausprägungen. Es gibt immer einige, die sind intelligenter und begabter als andere. Wenn ich aber alle paar Monate mal wieder eine Fernsehdokumentation über irgendeine Familie sehe, die für sich entschieden hat, dass ihre Brut nun hochbegabt ist, dann bekomme ich reflektorisch Mitleid mit den Kindern.

Zumeist handelt es sich doch um Eltern, bei denen zumindest ein Elternteil völlig verstiegen in die Idee ist, dass sein Kind etwas besonderes ist und total gefördert werden muss. Es folgen täglich stundenlange gnadenlose Trainingseinheiten, in denen zweijährige Kinder Chinesisch lernen müssen. Können Sie dann kurze Sätze in Chinesisch, gilt das als Beweis ihrer Hochbegabung. Hallo? Jedes zweijährige chinesische Kind kann sich auf chinesisch verständigen, das ist völlig normal, wenn man es übt. Sind jetzt alle chinesischen Kinder hochbegabt?

Sichere Zeichen, dass das Kind normal und die Eltern verbohrt sind: * Die Familie hat mehrere hochbegabte Kinder. * Klavierspielen lernt der vierjährige Dennis am KONSERVATORIUM. * Die Hochbegabung ist so vielschichtig, dass der Trainingsplan Reiten, Balett, Klavierspielen und Englisch (oder eben Chinesisch) enthällt. An Freizeit verbleiben pro Tag möglichst nur 30 Minuten. * Ein Elternteil ist beruflich in der glücklichen Lage, sich ganztags dem Training zu widmen…

Von mir aus kann ja jeder seinen Spleen leben. Aber dieses Etikett “Hochbegabt” hat auch Nebenwirkungen. Zum einen muss die Lara mindestenz zwei Klassen gleichzeitig überspringen, da sie sich sonst ja langweilt. Was zur Folge hat, dass sie in ihrer Klasse keine Freundinnen und erst recht keinen Freund mehr finden kann. Die Pubertät und die emotionale Entwicklung sind nämlich ihrer Zeit nicht voraus. Meiner Meinung nach sollten begabte Kinder die Freiheit haben, ihren Neigungen nachzugehen und das kann sicher dazu führen, dass sie frühzeitig in bestimmten Bereichen sehr weit sind. Aber ich kenne keinen einzigen erwachsenen Pianisten, Kernphysiker oder Sinologen, der als Kind das Leben des Hochbegabten geführt hat. Also laßt die Kinder sich doch ganz in Ruhe entwickeln…

Psychische Krankheiten sind keine gebrochenen Neurone

In der Medizin wird gerne von Bewährtem auf Unbekanntes geschlossen. Bewährt ist, dass nach einem Knochenbruch der Knochen ruhig gestellt werden muss, dann heilt er wieder aneinander, und ist danach wieder belastbar.
Unbekannt ist, was bei psychischen Krankheiten wie Ängsten und Depressionen hilft. Hier wird daher gerne im Analogschluss sicherheitshalber auch erst einmal „Schonung!“ gerufen.
Aber dieser Analogschluss ist nicht immer richtig. Bei Rückenschmerzen ist das schon seit einiger Zeit bekannt. Wer unter Rückenschmerzen leidet, geht zum Arzt, läßt eine Diagnostik über sich ergehen, bekommt möglicherweise eine passive Therapie verschrieben, wie z.B. Massagen, bekommt vielleicht ein Medikament verordnet, und oft empfiehlt ihm der Arzt: „Schonung!„. Schonung kann auch bei einigen Krankheitsbildern sinnvoll sein, beispielsweise bei Entzündungen oder Reizzuständen, die die Rückenschmerzen verursachen. Aber bei sehr vielen Patienten mit Rückenschmerzen ist Schonung eben gerade nicht richtig, sondern das Gegenteil ist hilfreich: Aktivierung!
Kräftigung der Muskulatur durch vernünftig dosierte Kraftübungen, regelmäßige Aktivierung durch maßvollen Sport und eben gerade keine Ruhigstellung sind oft sehr viel hilfreicher als Schonung, oft selbst bei starken LWS-Beschwerden, die erfahrungsgemäß besonders häufig zur Empfehlung „Bettruhe“ führen.
Auch bei Depressionen und Ängsten kann es Phasen geben, in denen Schonung sinnvoll und erforderlich ist. Aber sehr oft und meist schon sehr früh ist gerade bei diesen Krankheiten eine maßvolle Aktivierung hilfreich. Die aktive Teilnahme an den normalen Aktivitäten des Alltages kann sehr viel mehr Gesundheit zurück bringen als eine zu große Zurückhaltung.
Bei Ängsten ist Schonung oft Vermeidung,
bei Depressionen ist Schonung oft Rückzug,
meistens fördert aber Aktivierung am besten die Genesung.
Die Vorstellung, man müsse sich bei Krankheiten meistens schonen, ist ein mechanistischer Analogschluß von gebrochenen Knochen, verschlissenen Apparaten und aushärtendem Sekundenkleber.
Schonung kann bei psychischen Krankheiten phasenweise sinnvoll und notwendig sein. Aber sobald ein Spaziergang in der frischen Luft wieder möglich ist, sollte man ihn unternehmen. Sobald man wieder zu einem Treffen mit Freunden gehen kann, sollte man das tun. Aktivierung heilt hier meist viel besser als Rückzug

Umgang mit Selbstverletzendem Verhalten im stationären Rahmen

Selbstverletzendes Verhalten im stationären Rahmen kann manchmal ganz schön starke Irritationen auslösen. Ungemein wichtig ist daher, dass das Behandlungsteam und die Patientin / der Patient zu Beginn der Behandlung klare Absprachen getroffen haben, wie mit welchen Formen der Selbstverletzung umzugehen ist. Natürlich gibt es keine für jeden Patienten und jede Situation gültige Regelung, sondern man muss sich immer wieder neu und individuell einigen. Aber es gibt einige häufig angewendete Absprachen, die ich hier mal auflisten möchte, die vielleicht die Diskussion beleben können.

Zunächst einmal möchte ich aber auf ein Video verlinken, dass aus Sicht einer Betroffenen sehr nachvollziehbar beschreibt, was selbstverletzendes Verhalten eigentlich ist:

Und ein Video, das aus Sicht einer Betroffenen beschreibt, welche alternativen Skills für sie hilfreich sind:

Welche Absprachen könnten im Umgang mit Selbstverletzendem Verhalten im stationären Rahmen hilfreich sein? Die Klinik könnte folgende Elemente in einen Behandlungsvertrag mit der Patientin / dem Patienten aufnehmen:

  • Wir verstehen, dass SVV für Sie ein Verhalten ist, große innere Not zu lindern. Wir verurteilen Sie dafür nicht und bestrafen Sie dafür nicht.
  • SVV ist in der Regel kein Grund, auf eine geschlossene Station verlegt zu werden.
  • Ausnahme: Wenn die Selbstverletzung sehr gefährlich wird, also dauerhafte Schädigungen entstehen könnten oder das Leben in Gefahr ist, dann werden sichere Schutzmaßnahmen ergriffen. Eine dieser Schutzmaßnahmen wird in der Regel die Verlegung auf eine geschlossenen Station sein.
  • Eines der Ziele der Behandlung im Krankenhaus ist es, Alternativen zum Selbstverletzenden Verhalten zu erlernen und zu trainieren. Es gehört daher zu den Absprachen, dass Sie in Anspannungssituationen versuchen, Skills anzuwenden. Wenn Sie dauerhaft keine Versuche unternehmen, Skills anzuwenden, sondern immer wieder als einzige Methode der Spannungsreduktion selbstverletzendes Verhalten wählen, kann dies zu einer Therapiepause führen, da ein wesentliches Therapieziel dann nicht erreichbar ist.
  • Zum Schutz der anderen Patientinnen und Patienten vereinbaren wir mit Ihnen, dass Sie, wenn Sie sich schneiden, dies nicht vor den Augen anderer Patienten tun, diesen nicht die noch blutenden Schnitte zeigen und nicht andere Patientinnen um Hilfe bitten, wenn Sie sich geschnitten haben. Statt dessen suchen Sie bitte das Pflegepersonal auf, das darüber entscheidet, ob eine chirurgische Versorgung erforderlich ist. Ist dies nicht der Fall, verbinden Sie die Wunde bitte selber und bedecken Sie zumindest für zwei Stunden.
  • Nach selbstverletzendem Verhalten schreiben Sie bitte eine Verhaltensanalyse, am besten in Form einer Kettenanalyse, um in Zukunft versuchen zu können, in ähnlichen Entwicklungen früher einen anderen Ausweg zu finden.

Welche Absprachen haltet ihr für sinnvoll im Umgang mit selbstschädigendem Verhalten in der stationären Behandlung? Gibt es Musterbeispiele für Behandlungsverträge, die ihr gut findet? Ich freue mich über jeden Kommentar!

VisualEditor beta in Wikipedia

Visual Editor

Die Bearbeitung von Wikipedia-Artikeln war bislang immer etwas mühsam, da man die Wikipedia-eigene Auszeichnungssprache beherrschen musste, um auch nur die einfachsten Formatierungen zu machen. Wenn man sich mit html oder wenigsten markdown auskannte, dann kam man schon irgendwie zurecht und konnte die Hieroglyphen-Syntax schon zusammenschustern, aber mehrere links oder Fußnoten einzubauen war einfach recht zeitaufwändig.

Heute habe ich eine Kleinigkeit in einem Artikel in der Wikipedia geändert und durfte zu meiner großen Freude feststellen, dass endlich ein Visueller Editor, wie man ihn aus Textverarbeitungsprogrammen kennt, zur Verfügung steht. Sobald man in einem Artikel auf „Bearbeiten“ geklickt hat erscheint ganz oben (siehe Bild) die Formatierungsleiste. Man kann also einfach los schreiben, und wenn man einen link setzen will, dann geht das so, wie man es aus Word kennt. Das ist ein riesiger Fortschritt, weil es die Hürde deutlich senkt, Artikel zu korrigieren, zu ergänzen und auch neue Artikel einzustellen. Ich selbst habe einen Benutzer-Account bei Wikipedia, was empfehlenswert ist, es sind aber auch „anonyme“ Änderungen möglich.

Die Wikipedia ist unzweifelhaft die wertvollste, universellste und großartigste Wissenssammlung im Netz. Wenn Du einen Fehler findest, wenn ein Artikel unvollständig ist oder wenn Du etwas ganz Neues ergänzen willst: Leg einen Benutzer-Account an und bring Dich ein! Es gibt sogar Mentorenprogramme für neue und engagierte Autoren. Ab heute zählt das Argument: „Ist mir technisch zu komplex“ nix mehr!

Psychiatrische Kliniken aus aller Welt: Manhattan Psychiatric Center

Manhattan Psychiatric Center
Manhattan Psychiatric Center

Nori aus New York hat ein Bild des Das Manhattan Psychiatric Center eingesendet.

Sie schreibt: „Das Manhattan Psychiatric Center liegt auf einer Insel vor New York: Ward’s Island. Früher hiess es Blackwell’s Island Lunatic Asylum und war eine Zeit lang die groesste Psychiatrie der Welt. Heute ist das Center jedoch chronisch unterbelegt (alle gehen ins NYSPI an der Columbia Uni) und die ganze Insel ist relativ ausgestorben, weil dort ausser der Psychiatrie, der forensischen Psychiatrie, einer Klaeranlage und ein paar Sportplaetzen nicht viel ist…“

Vielen Dank für das Bild Nori und beste Grüße nach NY!

NSA und ihre Folgen…

Mich persönlich könnte diese ganze Berichterstattung über die NSA nicht weniger interessieren. Damit wir uns richtig verstehen, ich halte die weltumspannende Überwachung der NSA für absolut schwachsinnig, rechtswidrig und verwerflich. Allerdings gibt es außer dem Ausmaß und der Perfektion einfach nichts daran, was mich wirklich überrascht….
Aber ein Punkt stört mich wirklich:
Wenn mir ein Patient bislang gesagt hat:

“Ich bin mir sicher, dass alle meine Telefonate vom Geheimdienst abgehört werden. Die verfolgen meine Spuren im Internet. Die wissen über alle meine Briefe bescheid. Die überwachen mich übers Internet rund um die Uhr…”

dann habe ich das bislang als Wahn diagnostiziert.

Ja, so war das früher…

Katatone Schizophrenie

Die Schizophrenie (ICD–10: F20) wird in der ICD–10 in vier Unterformen unterteilt:
* Paranoide Schizophrenie (ICD–10: F20.0)
* Hebephrene Schizophrenie (ICD–10: F20.1)
* Katatone Schizophrenie (ICD–10: F20.2) und
* Undifferenzierte Schizophrenie (ICD–10: F20.3)

Die paranoide oder paranoid-halluzinatorische Form ist die mit weitem Abstand häufigste Unterform der Schizophrenie, die unser Bild dieser Krankheit weitgehend prägt. Hebephrene und undifferenzierte Unterformen sind weitaus seltener, aber immer noch häufig genug, dass sie im klinischen Alltag immer mal wieder auftauchen. Aber die katatone Schizophrenie ist so selten, dass man jedes Mal, wenn einem dieses Krankheitsbild begegnet, erst mal irritiert sein kann.

Ein typischer Krankheitsverlauf kann zum Beispiel so aussehen:

Ein 28-jähriger Patient mit einer vordiagnostizierten paranoid-halluzinatorischen Schizophrenie, der bislang mit Clozapin behandelt worden war, hat laut Familie seit einigen Wochen seine Medikation nicht mehr eingenommen und kommt nun akut-psychotisch und schwer krank zur Aufnahme. Er spricht nicht viel; was er sagt ist ziemlich durcheinander und das Verhalten wirkt ungesteuert, teilweise ungerichtet aggressiv. Am ersten Behandlungstag wird eine Medikation, bestehend aus Risperdal und Diazepam verordnet. Das psychotische Erleben bleibt auch am zweiten Tag bestehen, der Patient zeigt wechselnd Zerfahrenheit und Mutismus. Er liegt überwiegend im Bett, manchmal zeigt er aber auch impulsives Verhalten. Die Medikation wird in der Dosis gesteigert, ein niedermolekulares Heparin wird zur Thromboseprophylaxe angesetzt. Am nächsten Tag entwickelt der Patient Fieber bis 38 Grad Celsius ohne erkennbaren Infektionfocus. Im klinischen Befund fallen eine Steifigkeit der Gelenke und ein Zahnradphänomen linksseitig auf.

Diffentialdiagnostik

In dieser Situation ist zunächst an drei verschiedene Diagnosen zu denken:

  • Fieber bei unklarem Infekt, mitverursacht durch die Bettlägrigkeit, z.B. eine beginnende Pneumonie
  • Malignes neuroleptisches Syndrom
  • Katatone Schizophrenie

Zur Diffentialdiagnostik dieser drei Erkrankungen ist es erforderlich, eine gründliche körperliche Untersuchung mit der Suche nach einem Infektfocus durchzuführen und im Blut Entzündungszeichen und Creatininkinase (CK) zu bestimmen.

  • Bei einem Infekt sollte man neben dem Fieber auch einen symptomatischen Focus finden, wie ein pathologisches Atemgeräusch, Brennen beim Wasserlassen, Diarrhoe oder Ähnliches. Bei auffälligen Untersuchungsbefunden wie einem Erregernachweis im Urin oder ähnlichem ist von einem Infekt auszugehen.
  • Beim malignen neuroleptischen Syndrom findet man häufig eine deutlich gestiegene CK, auch Veränderungen der Natrium- und Kaliumkonzentration im Blut sind nicht selten. Darüber hinaus bildet sich typischerweise eine sehr ausgeprägte Steifigkeit (Rigor) sowie ein Zahnradphänomen an den Exptremitäten aus.

Katatone Schizophrenie

Findet sich kein Hinweis auf einen Infekt, der die Symptome und das Fieber erklären kann und zeigen sich klinisch und laborchemisch nicht die typischen Veränderungen, die ein malignes neuroleptisches Syndrom kennzeichnen, kann es sich um eine Katatone Schizophrenie handeln. Die Katatone Schizophrenie, auch perniziöse Katatonie oder kurz Katatonie genannt, ist gekennzeichnet von folgenden Symptomen:

  • Im Vordergrund stehen psychomotorische Störungen: Sehr lang andauernde bewegungsarme Zuständen (Katatonie) können sich abwechseln mit episodenhaften schweren Erregungszuständen.
  • Zwangshaltungen und -stellungen können lange Zeit beibehalten werden (Katalepsie), die Beweglichkeit der Gelenke wirkt wächsern zäh (flexibilitas cerea).
  • Befehlsautomatismen und Negativismus kommen vor.
  • Mutismus ist häufig.
  • Lebhafte szenische Halluzinationen können vorkommen.
  • Insgesamt zeigt sich klinisch ein schwergradiges Krankheitsbild, der Patient ist kritisch krank.

Therapie

Vor einigen Jahrzehnten verliefen Katatone Schizophrenien nicht selten tödlich. Inzwischen gibt es mehrere sehr wirksame Behandlungsoptionen, sodass gefährliche Komplikationen inzwischen selten geworden sind.

  • Zunächst ist zu beachten, dass ein Patient mit einer katatonen Schizophrenie als kritisch Kranker einzuschätzen ist, eine intensivmedizinische Behandlung kann erforderlich sein.
  • Lorazepam (z.B. Tavor®) wirkt sehr stark gegen die Katatonie. In der Regel sind hohe Dosierungen erforderlich, oft i.v. Eine Gabe von 1–1–1–0 mg Lorazepam i.v. plus 1–3 weitere mg Lorazepam oral oder i.v. pro Tag kann angemessen sein.
  • Ein Neuroleptikum soll gegeben werden. Um die Differentialdiagnose gegenüber dem malignen neuroleptischen Syndrom nicht unnötig zu erschweren und dem Patienten EPMS zu ersparen ist es sinnvoll, ein gut verträgliches aber zugleich wirkstarkes Neuroleptikum zu verordnen, z.B. Risperidon oder Olanzapin.
  • Wenn die Gabe von hochdosiertem Lorazepam in Kombination mit einem Neuroleptikum nicht ausreichend schnell oder ausreichend stark wirkt, kann die Elektrokrampftherapie eingesetzt werden, sie wirkt erfahrungsgemäß schnell und sicher bei der Katatonie.
  • Auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist zu achten, ggf. i.v.
  • Über den Einsatz eines Antibiotikums bei einem schwer kranken fibrigen Patienten ohne klaren Hinweis auf einen Infektfocus muss im Einzelfall entschieden werden. Bei bestehender diagnostischer Unsicherheit kann dies im Zweifel sinnvoll sein.

Raider. Twix. Psychologen in Weiterbildung

Raider heißt jetzt Twix, müßte aber PIW heißen

Der Lebensweg des Psychologen sieht so aus, dass er zunächst einmal ein Hochschulstudium der Psychologie macht und dann mit einem Bachelor oder Master abschließt. Dann hat er ein abgeschlossenes Hochschulstudium und kann sich irgendwo einstellen lassen und sich Master nennen und auch so bezahlen lassen, wie sich Menschen mit abgeschlossenem Studium eben bezahlen lassen. Er kann auch sagen, dass er noch eine Weiterbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten machen will. Dann muss er eine umfangreiche theoretische und praktische Weiterbildung machen, ein 12 Monate langes Pflichtpraktikum in einer Psychiatrischen Klinik und ein 6 Monate langes Pflichtpraktikum in einer Psychologischen Praxis machen. Wie heißt er in dieser Zeit?

Raider-Phase: Früher hieß er in dieser Zeit PIP´ler, was Psychologe im Praktikum bedeutete. Das lehnte sich sicher an den früher benutzten Begriff Arzt im Praktikum an, der aber inzwischen abgeschafft ist.

Twix-Phase: Aktuell heißt er politisch korrekt PIA, was Psychologe in Ausbildung bedeutet. Ausbildung ist aber leider auch falsch, denn eine Ausbildung ist eine erste Berufsausbildung, während eine Weiterqualifikation nach abgeschlossener erster Ausbildung Weiterbildung heißt. Korrekt müssten PIA´s also

PIW-Phase: PIW´s heißen: Psychologe in Weiterbildung.

Lebenszyklus Arzt in Weiterbildung zum Facharzt PIA
Abgeschlossenes Hochschulstudium Ja Ja
Weiterbildung, um eine Anwartschaft auf eine Kassenzulassung zu haben Ja Ja
Approbation Ja Nein
Bezahlung tariflich mau bis mager

Nachdem das Landesarbeitsgericht Hamm ja unlängst entschieden hatte, dass es sittenwidrig ist, PIA’s kein Gehalt zu zahlen, hat es sich durchgesetzt, in städtischen Gegenden zwischen 0 und 1000 € und in ländlichen Gegenden zwischen 800 und 3000 € für PIP’ler brutto monatlich zu zahlen.

Merke: PIA´s sind in einem Ausbildungsabschnitt, der im wesentlichen der Weiterbildung eines Arztes zum Facharzt entspricht.

Leitsymptom Borderlinestörung

Leitsymptom der Borderline Persönlichkeitsstörung

Bei der Diagnostik der Borderline-Persönlichkeitsstörung sind eine Reihe von Symptomen zu beachten und in einen Gesamtkontext zu stellen. Ein Leitsymptom ist folgendes:

“Kennen Sie das, dass Sie plötzlich eine starke innere Anspannung verspüren, eine schwer zu beschreibende Mischung aus verschiedenen Gefühlen, die sehr unangenhem ist, und die Sie unbedingt beenden wollen, ohne genau zu wissen, wie?”

Oder abstrakt formuliert:

Ein Leitsymptom der Borderline-Persönlichkeitsstörung ist eine einschießende, starke Spannung, die als äußerst aversiv erlebt wird und keiner klaren, handlungsweisenden Emotion zugeordnet werden kann.

Menschen mit BPS kennen das in aller Regel und beantworten diese Frage mit “Ja.” Menschen ohne BPS fragen meistens so etwas wie: “Also wie meinen Sie das jetzt genau, also dass ich schon mal wütend war oder was?”

Das Wesen dieses borderlinespezifischen Affektes ist eben, dass er wie eine glühende, zusammengeschmolzene Mischung aus unterschiedlichen Gefühlen wie Angst, Wut, Schmerz, Trauer und eben nicht erkennbaren oder benennbaren Gefühlen besteht. Und dieses Gefühl ist sehr unangenehm.
Patienten mit Narben an den Unterarmen kann man dann noch fragen: “Hilft Schneiden, das Gefühl zu beenden?”
Patienten ohne Narben an den Unterarmen fragt man das besser nicht.

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Umstrittene Therapie: Autistische Kinder brauchen Befehle

EU-Drogenbericht: Viele neue Designerdrogen erreichen Europa

Affektstörung: Lithium senkt Suizidrisiko

Schizophrenie: Meta-Analyse widerlegt Neuroleptika-Dogmen

Neues Online-Hilfsportal für Opfer von sexuellem Missbrauch

Absprachen: Millionenstrafen für Pharmafirmen

Todesfälle nach Olanzapin i.m.

Software MACH: Gesprächs-Coach hilft bei sozialen Phobien und wappnet für wichtige Dates (Video)

Cannabis drosselt die Dopaminsynthese

Es gibt hin und wieder Studien, die wirklich etwas erklären: Diese hier ist eine davon.

Cannabis und Dopamin

Untersucht wurde bei 19 chronischen Cannabis-Konsumenten mit psychotischen Symptomen und 19 gesunden Kontrollprobanden, ob die Cannabis-Konsumenten vielleicht eine erhöhte Dopamin-Synthese zeigen. Das würde die psychotischen Symptome erklären. Denn es wurden ja eben nicht regelmäßige Cannabis-Konsumenten untersucht, die von psychotischen Symptomen bislang verschont geblieben sind, sondern 19 Probanden mit psychotischen Symptomen.

Es kam heraus, dass die chronischen Cannabis-Konsumenten eine deutlich geringere Dopamin-Synthese hatten. Chronischer Cannabis-Konsum drosselt also die Dopamin-Synthese, zumindest bei Probanden, die psychotische Symptome zeigen. Sollte dieser Befund auch für nicht-psychotische Cannabis-Konsumenten gelten, wären damit zwei Befunde sehr gut zu erklären:

Das Amotivationale Syndrom

Chronische Cannabis-Konsumentne entwickeln nach einigen Monaten, spätestens nach wenigen Jahren, recht zuverlässig ein amotivationales Syndrom. Dem Dauerkiffer ist einfach alles recht egal, er hängt am liebsten so rum und rafft sich nicht so gerne auf, um was zu reißen. Weit entfernte Ziele, deren Erreichen Anstrengung bedeutet, werden nicht mehr angegangen. Dieses Syndrom würde sich verdammt gut erklären lassen, wenn es stimmt, dass Cannabis die Dopamin-Synthese drosselt. Dopamin ist nämlich der Stoff, der vermittelt: Das hier ist bedeutend, das hier ist wichtig. (Bei der Psychose, bei der zuviel Dopamin im Hirn unterwegs ist, wird daher auch eigentlich unwichtigen Dingen eine Bedeutung zugemessen). Dopamin ist auch einer der Botenstoffe, die beim Gefühl der Belohnung eine Rolle spielen. Mit weniger Dopamin gibt es auch weniger oft das Gefühl, dass sich eine Anstrengung gelohnt hat. Und also wiederholt man die Anstrengung nicht so gerne.

Psychosen nach dem Absetzen von Cannabis

Es ist bekannt, dass chronischer Cannabis-Konsum Psychosen auslösen kann. Und man sieht auch oft Patienten, die regelmäßig Cannabis konsumieren und dann darunter psychotisch werden. Aber man sieht auch nicht selten Patienten, die über lange Zeit regelmäßig viel Cannabis konsumiert haben, dann aus freien Stücken damit aufgehört haben, und dann vier bis sechs Wochen nach dem letzten Joint erstmalig eine Psychose entwickelt haben. Die Cannabis-Absetz-Psychose. Gibt es echt. Die würde sich vielleicht dadurch erklären, dass im Gehirn des chronischen Kiffers die Dopamin-Synthese lange Zeit runter reguliert war, und nach Absetzen des THC plötzlich ein relatives Überangebot von Dopamin bestand, und dieses dann die Psychose ausgelöst hat.

Quelle der oben zitierten Studie und deutsche Zusammenfassung: Notiz im Deutschen Ärzteblatt hier.

Kann Ritalin eine Substitutionsbehandlung für Kokainabhängige werden?

Langjährig Opiatabhängige, die trotz mehrerer Therapieversuche kein opiatabstinentes Leben mehr schaffen, werden fast weltweit in schönem Einvernehmen mit Methadon oder Polamidon behandelt. Diese Substanzen substituieren das Opiat, dessen Entzug sonst dauerhaft unaushaltbar sein kann, ohne ein ausgeprägtes Glücksgefühl zu vermitteln. Methadon und Polamidon haben eine Halbwertszeit von etwa einem Tag, so dass sie keinen Kick machen, aber 24 Stunden wirken.

Für Kokainabhängige gibt es bislang keine etablierte Substitutionstherapie. Dabei drängt sich pharmakologisch ein Wirkstoff auf: Retardiertes Methylphenidat aktiviert sehr ähnliche Rezeptoren und Netzwerke, wirkt aber länger und führt daher zu einer dauerhaften Besetzung der entsprechenden Rezeptoren, ohne bei Einnahme einen Kick zu verursachen.

Dies ist pharmakologisch sehr analog der Methadonsubstitution bei Opiatabhängigen.

Dieser Artikel im JAMA beschreibt eine sehr lesenswerte Studie, die in der funktionellen Bildgebung Hinweise darauf findet, dass Methylphenidat bei Kokainsüchtigen bestimmte neuronale Aktivierungen normalisiert.

Klinische Studien hierzu gibt es noch nicht, aber sollte es sich zeigen, dass Methylphenidat (z.B. Ritalin®) in der Lage ist, Kokainabhängige durch Substitution in die Lage zu versetzen, vom illegalen Markt Abstand zu nehmen und sollten sich ähnlich positive Auswirkungen zeigen, wie sie die Opiatsubstitution zeigt (weniger Beschaffungskriminalität, weniger körperliche Erkrankungen, besserer Weg ins Hilfesystem…), dann könnte für bestimmte Patienten viel gewonnen sein.

Quelle: http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/54971/Ritalin-koennte-gegen-Kokainabhaengigkeit-helfen

CIRS-NRW: Das Fehlermeldesystem der Ärzteschaft NRW

CIRS-NRWViele Krankenhäuser benutzen ein hausinternes anonymes Meldewesen für Fehler und Beinahe-Fehler. Auf Neudeutsch heißt das Critical-Incident-Reporting-System, kurz CIRS. Diese Systeme helfen dabei, zu akzeptieren, dass überall da, wo Menschen handeln, Fehler passieren, und dass das Beste, was man aus diesen Fehlern machen kann, ist, daraus zu lernen. Damit nun nicht jeder jeden Fehler selber machen muss, gibt es anonymisierte, öffentlich zugängliche Systeme. Die Ärztekammer Nordrhein, die Ärztekammer Westfalen-Lippe, die Krankenhausgesellschaft NRW, die KVNO und die KVWL stellen in Kooperation mit dem Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin die Seite

www.cirs-nrw.de

zur Verfügung. Hier kann jeder im medizinischen Bereich tätige Fehler oder Beinahe-Fehler melden. Diese werden geprüft, z.B. auf Anonymität, und dann freigegeben. Alle Leser können sich an der Diskussion beteiligen und Vorschläge einbringen, wie solche Fehler in Zukunft vermeidbar sind.

Interessante Auswertungen sind zum Einen der Fall des Monats und zum Anderen eine Suchmaske, mit der Fälle nach Fachgebiet und anderen Kriterien gefunden werden können.

Das Berichtsformular zur Eingabe eines kritischen Ereignisses findet sich hier.

Psychopharmakologie to go: iBooks Version 3

Soeben habe ich Version 3 der iPad Version des Buches Psychopharmakologie to go hochgeladen. Jeder, der es schon gekauft hat, kann jetzt ein kostenloses update laden. Neu hinzugekommen sind Kapitel über Aripiprazol, Ziprasidon, die Umrechnung von oral gegebenen Neuroleptika in die jeweiligen Depot-Dosierungen sowie ein Hinweis auf sexuelle Nebenwirkungen unter SSRI.

Regelmäßige Leser dieses blogs haben diese Kapitel natürlich hier schon gelesen, vielen Dank für die Anmerkungen und Korrekturen, so ist der Inhalt des Buches an vielen Stellen community-proofed…

Ich finde ja, das sich jedes Fachbuch so unproblematisch aktualisieren lassen müsste, ich verstehe Leute, die Papierbücher bevorzugen, schon deshalb nicht… Aber ich weiß, ich bin da etwas sonderlich.

Zugleich habe ich den Preis von 9,99 € auf 6,99 € reduziert. Also wer es noch nicht hat: Jetzt zuschlagen!

Entwarnung: Google Reader hat einen Nachfolger!

feedlyWer seinen Nachrichtenstrom über RSS-Feeds organisiert, war vor wenigen Monaten arg geschockt: Google stellt zum 1.Juli seinen Google Reader ein, der bislang bei den meisten hilft, seine blogs, news und anderen RSS-feeds auf allen Gadgets synchron zu halten. Auf die Ankündigung der Kündigung folgte im Netz: Tiefe Verzweiflung, Desorientierung, das sichere Wissen, nun wird alles schlechter, teurer oder sonst wie dem Untergang näher.

Natürlich kann man seine Lieblingsblog in den nächsten zwei Wochen auch noch per email abonnieren. Aber das ist ungefähr wie mit Netscape browsen.

Zum Glück gibt es ja alternative RSS-feed-Synchronisierungsdienste. Meine persönliche Wahl ist feedly. Ich bin vor ein paar Tagen umgestiegen, was etwa 10 Minuten dauert, kostenlos ist und wohl kostenlos bleibt.

Und nun darf ich feststellen, dass es auf allen geeigneten gadgets (browser, iPhone, iPad) ungefähr siebzig mal hübscher aussieht, als alles, was ich bislang benutz habe. Und es ist sehr praktisch zu bedienen, spricht mit pocket, shared auf Twitter, per email und sonst auf jedem Kanal und ist einfach besser.

Man kennt das vom Umziehen ganz allgemein: Wenn man seine alte Wohnung verlassen muss, denkt man erst mal, nun wird alles schlechter. Dann Agonie. Dann neue Wohnung. Dann Begeisterung und die Frage, warum man nicht schon viel früher in diese luftige, sonnige, freundliche Loft eingezogen ist.

willkommen bei feedly.

Wenn Du Psychotherapie machst, sollst Du Dich verhalten, wie wenn Du auf einer Reise bist

Tempel in Bali
Tempel in Bali

In der Psychotherapie sind sowohl der Psychotherapeut als auch der Patient in einer ganz besonderen Situation. Diese erfordert ein ganz besonderes, achtsames Verhalten. Das Verhalten beider ist sehr ähnlich wie das, das man haben sollte, wenn man auf einer Reise in einem wirklich anderen Kulturkreis ist. Beide sollten

  • sehr sehr achtsam sein
  • das, was sie sehen und erleben vorurteilsfrei annehmen und wertschätzen
  • freundlich sein
  • stets darauf vorbereitet sein, dass auch etwas sehr unerwartetes passieren kann
  • bereit sein, neue Wege zu erkunden
  • sich Zeit lassen
  • dankbar für den Moment sein, etwas besonderes zu erleben
  • achtsam sein
  • achtsam sein

Diese Haltung hat sich auf Reisen bewährt. Sie bewährt sich auch auf der Reise, die man in der Psychotherapie gemeinsam unternimmt. Sie bewährt sich für Patienten. Und sie bewährt sich für Psychotherapeuten.