Demenz erklärt für Kinder

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Kindern psychiatrische Krankheiten zu erklären, ist immer etwas schwierig und erfordert altersentsprechende Bilder und Erklärungen. Für das Krankheitsbild der Demenz gibt es die Seite www.afi-kids.de. Sie bietet viele unterschiedliche Materialien, die man verwenden kann, um Kindern zu erklären, was Demenz bedeutet. So gibt es zum Beispiel Bastelanleitungen, mit denen man Neuronen basteln kann, Spiele, die man gemeinsam spielen kann und ähnliches.

Mir haben besonders gut die Türschilder zum ausdrucken gefallen. Da haben die Kinder Spaß, sie zu basteln und die demenzkranken Patienten haben eine Orientierungshilfe. So ist beiden geholfen.

Die Seite wird von der Alzheimer-Forschung Initiative e.v. betrieben.

Domain-mapping Klappe die zweite

So: Ich versuche es dann jetzt zum zweiten Mal. Wenn alles gut geht, wird dieser blog komplett auf die Domain www.psychiatrietogo.de umziehen.

Wenn es nicht klappt, wie beim letzten Versuch vor ein paar Monaten, dann ist der blog erstmal nicht mehr erreichbar. Diesmal würde ich allerdings etwas warten, bevor ich den Versuch abbräche. Also im Falle eines nicht erreichbaren blogs: Ruhe bewahren, es ist nur die Technik, er kommt wieder. Wir werden sehen…

Was tust Du und warum auf inside medicine

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Ich habe in letzter Zeit einige Folgen des deutschsprachigen podcasts “Incide-Medicine” gehört, auf dem @nplhse und @frolleinronja Einblicke in die Medizin geben. Besonders interessant fand ich die Folge IM010: Krankengeschichte: Verbrennungen, in der eine junge Frau, die einen Brandunfall hatte, über den Unfall, die Behandlung und die weiteren Folgen ihres Unfalls berichtet (die Folge ist allerdings für in dieser Beziehung empfindliche Hörer nicht zu empfehlen…)

Der Podcast hat die Kategorien:
– Konsil
– Krankengeschichte
– Sprechstunde und
– Was tust Du und warum?

Und in dieser letzten Kategorie habe ich in der Folge IM023 berichtet, was ich tue und warum.

Zu hören entweder über die webseite oder als feed für den podcatcher unter http://inside-medicine.net/podcast/feed/mp3/ abonieren. Viel Spaß!

Das 10-tägige Rückkehrverbot

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Das im Jahre 2002 eingeführte Gewaltschutzgesetz hat eine wesentliche Verbesserung der Rechtsgrundlagen im Kampf gegen Stalking und Bedrohungen gebracht. Eine weitere Maßnahme, von der in den letzten Jahren zunehmend Gebrauch gemacht wird, ist der Wohnungsverweis, der im §27a des Polizeigesetzes geregelt ist.

Der Wohnungsverweis wird von der Polizei ausgesprochen, wenn es im häuslichen Umfeld zu Gewaltanwendung kommt.

Fallbeispiel: Im betrunkenen Zustand verprügelt ein Ehemann seine Frau, indem er ihr mehrfach mit der Faust in den Bauch boxt. Sie ruft die Polizei, die bei Eintreffen in der Wohnung typische Verletzungsspuren an der Frau feststellt, deren glaubhafte Aussage zu Protokoll nimmt und einen Ehemann vorfindet, der sagt, er sei hier der Herr im Haus und die Polizei möge sich verpissen.
Die Polizei spricht ihm sofort vor Ort einen Wohnungsverweis für 10 Tage aus. Der Mann kann rasch eine kleine Tasche packen, er muss seinen Wohnungsschlüssel der Polizei abgeben und die Wohnung unverzüglich verlassen. 10 volle Tage lang (der erste gezählte Tag ist der Tag nach Aussprechen des Wohnungsverweises) darf er die Wohnung nicht mehr betreten. Er darf sie auch dann nicht betreten, wenn er sich beispielsweise im nüchternen Zustand am nächsten Tag wieder mit seiner Frau versöhnt hat und auch dann nicht, wenn die Ehefrau es ihm wieder erlauben würde. Er muss sich 10 Tage fernhalten. Nur die Polizei kann den Wohnungsverweis wieder aufheben, beispielsweise, wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass er fälschlich angeordnet wurde. Eine bloße Versöhnung und die Zustimmung der Ehefrau wird aber in der Regel nicht zu einer Aufhebung des Wohnungsverweises führen. Verstößt der Gewalttäter gegen das Rückkehrverbot, muss er ein Ordnungsgeld zahlen, typischerweise in der Höhe von etwa 500€.

Der Wohnungsverweis, umgangssprchlich das “10-tägige Rückkehrverbot” ist ein sehr wirksames Instrument des Gewaltschutzes. Ähnlich wie das zwei-monatige Fahrverbot bei bestimmten ernsten Verstößen im Straßenverkehr wird hier dem Straftäter im gleichen Bezugsrahmen, in dem er sich falsch verhält, gezeigt: “Wenn Du dich hier daneben benimmst, dann hast Du hier nichts zu suchen.” Und das gilt eben auch und gerade in der Wohnungsgemeinschaft.

In Köln stelle ich fest, dass die Polizei bei häuslicher Gewalt in typischen Fällen konsequent einen Wohnungsverweis ausspricht. Ich habe noch nicht erlebt, dass ein Wohnungsverweis aus meiner Sicht unbegründet ausgesprochen wurde. Der Wohnungsverweis beeindruckt jeden Gewalttäter nachhaltig, und er ist ganz sicher ein wirksames Instrument, das Verhalten nachhaltig zu verändern. Und es gibt dem Opfer die unmißverständliche Gewißheit, dass sie (oder er) vor Gewalt geschützt wird und ein Recht auf ein Leben ohne Angst vor Gewalt im häuslichen Rahmen hat.

Kölner Gesundheitswegweiser für Migranten

Kölner Gesundheitswegweiser für MigrantenDie Kölner Gesundheitslandschaft funktioniert einfach in manchen Bereichen sehr gut. Seit vielen Jahren gibt es ja schon den sehr hilfreichen allgemeinen Wegweiser „Wer hilft psychisch Kranken Menschen in Köln?„, der das gesamte psychiatrische Behandlungsangebot mit all seinen komplementären Diensten in Köln aufführt.

Dann gibt es noch den Wegweiser für das Versorgungssystem von jungen Menschen bis 27 Jahren mit psychischen Problemen in Köln.

Und nun möchte ich auf die überarbeitete Version des Wegweisers für Migranten hinweisen, der nach Sprachen sortiert das Gesundheitssystems Köln darstellt, mit einer besonderen Abteilung für die Psychiatrische Versorgung. Wenn ich also in Köln für einen nur Aserbaidschanisch sprechenden Patienten einen Arzt oder ein Krankenhaus suche, dann finde ich es hier.

Fortbildung zum Medical Clown

Fortbildungsbescheinigung zum Medical Clown_geschwärzt

Also das ist mal ´ne Fortbildung, die bei der Bewerbung wirklich Eindruck macht: „Humour und Laughter in the Service of Medicine Fun Therapy“. Das ist mal was Vernünftiges. Bringt mehr als 7 Kurse in Histologischer Cryoschnitttechnik, die ich auch schon mal in einer Bewerbung zum Psychiater gesehen habe…

Der Allesforscher von Heinrich Steinfest

IMG_2058Die LitCologne ist einfach großartig. Dort lesen wirklich angesagte Autoren an den buntesten Stellen Kölns. Einer meiner Lieblingsautoren ist Heinrich Steinfest. Ich selbst bewahre ja keine Papierbücher auf, sondern werfe sie nach dem Lesen weg. Es kommen eigentlich auch keine Papierbücher mehr in meine Wohnung da ich nur noch ebooks lese. Daher habe ich – bis auf ganz wenige Fachbücher – auch keine Bücher mehr zu Hause. Mit Ausnahme des Gesamtwerkes von Heinrich Steinfest. Das steht auf einem Ehrenplatz bei uns im Erker. Und zwar zu Recht. Niemand schreibt so wunderschön, so skurril, so menschlich, so präzise wie er.

Und nun hat er „Der Allesforscher“ geschrieben und daraus gelesen. Die Geschichte beginnt mit einem in einer taiwanesischen Großstadt explodierenden Waal. Man sollte denken: Der Steinfest ist halt ein Fantast. Aber dieser Teil der Geschichte ist real. Wie der IT-Manager Sixten Braun dann zum Bademeister eines Stuttgarter Mineralbades wurde, lest ihr besser selber.

Es ist mir nicht gelungen, ein Exemplar zu kaufen und von ihm signieren zu lassen, weil die Schlange von gierigen Käufern vor mir so lang war, dass genau vor mir das letzte Buch verkauft wurde. Egal, Amazon wird´s schon richten. Ich freue mich schon.

Lernen ist wie googeln nur krasser

Früher ging Lernen ja so: Ich kaufe mir ein Lehrbuch und lese es. War ein gutes Konzept. Das System hat so einige Implikationen:

  • Wissen hat einen Wert, für den ich bereit bin, zu bezahlen. Nämlich den Preis des Buches.
  • Wissenserwerb braucht Zeit. Das Lesen eines Lehrbuches braucht nun wirklich viel Zeit, und in dem Moment, in dem ich das Buch kaufe, treffe ich eine implizite Vereinbarung mit mir, mir diese Zeit zu nehmen.
  • Ich nehme mir ein Gebiet vor, nicht nur einen Ausschnitt. Ich kaufe mir kein Buch über die Anatomie der Hand, sondern ein komplettes Anatomiebuch. So lernt man einfach besser. Und nur so versteht man auch die Anatomie der Hand…

Heute geht Lernen ja anders: de.wikipedia.org. Wenn ich etwas wissen will, clicke ich es mir auf wikipedia oder auf google an und schaue mal, was ich so finde. Das Problem ist, dass die wikipedia so verdammt gut ist, dass meine Frage praktisch immer und in immer sehr guter Qualität beantwortet wird. Und dann bin ich fertig. Implikationen:

  • Wissen im Netz ist erst mal kostenlos. Das klappt im Falle der wikipedia dank der unzähligen Ehrenamtlichen Mitgestalter hervorragend. Aber für komplexere Lerninhalte klappt die Kostenlosigkeit natürlich nicht.
  • Ich brauche mir keine Zeit zum Lernen einzuplanen. Ich konsumiere einfach immer nur die Häppchen, auf die ich gerade Appetit habe. Ist angenehm.
  • Ich lerne immer nur einen Ausschnitt, ein Detail. Aber ich überblicke nicht mehr das gesamte Gebiet.

Wenn man aber nun sein ganzes Wissen nur aus zusammengestückelten Häppchen bezieht, besteht die Gefahr, dass man den Überblick verliert. Nichts gegen das Lesen von Blogposts :), einen kontinuierlichen Blick auf seine Twitter-Filterblase oder auf häufige Stippvisiten bei wikipedia.

Aber diese Lernhappen zeigen einem immer nur einzelne Mosaiksteine, nie das Bild.

Sie zeigen einem einzelne Kunstwerke, aber erklären nicht die Kunstgeschichte.

Sie zeigen einem einzelnen Medikamente, aber nie die Pharmakologie.

Sie zeigen einem einzelne Krankheiten, aber nicht die Medizin.

So wunderbar die Wikipedia ist, sie kann nie ein gutes Lehrbuch ersetzen. Sie enthält 1000 mal mehr Wissen als jedes noch so gute Lehrbuch zu einem bestimmten Thema, aber man kann sie halt nicht so lesen. Geführte, gefilterte, umfassende Darstellungen haben weiterhin ihre Berechtigung.

Ich interessiere mich nun schon seit langem für vollständigere Lehrinhalte im Netz, am liebsten als Videos. Der Urvater ist in meinen Augen das wirklich großartige iTunes U, das kostenlos exzellente Videos ausgewählter Vorlesungen von zahllosen Universitäten, darunter gerade auch der internationalen Spitzenuniversitäten zeigt.

Eine meiner Lieblingsvorlesungen ist immer noch der Open Yale Kurs „Psychology“ von Paul Bloom, den ich immer wieder empfehlen möchte. Ein Nachteil von iTunes U ist allerdings, dass die Mehrzahl der Kurse in Englisch sind.

Eine weitere interessante Plattform, die mich immer schon mal interessiert hat, ist Lynda.com. Hier werden hauptsächlich technische Themen in Videos dargestellt, aber auch eine Reihe anderer Gebiete. Man zahlt 25 $ pro Monat und hat dann Zugriff auf alle Videos. Wenn man eine Programmiersprache lernen will, den Umgang mit einer bestimmten Software lernen will oder etwas ähnliches, dann ist man hier wohl richtig. Gegenwärtig gibt es einen Gutscheincode, der einem eine Woche kostenlosen Zugang zu allen Kursen gibt. Einfach auf die Seite Lynda.com/macpowerusers gehen, dann ist eine Woche frei. Auch Lynda.com ist komplett auf Englisch.

Ich selbst habe in den letzten Monaten mehrfach die iPad-Ausgaben von screencastsonline.com gekauft (pro Ausgabe 5 €), die wirklich gute Lehrvideos zu Apple-Software und Technikthemen haben. Kann ich auch sehr empfehlen.

Und nun wurde ich angeschrieben, mir doch mal Lecturio.de anzuschauen. Mir wurde auf meinen Wunsch hin der Kurs Strafrecht zum Testen freigeschaltet, und ich habe mir einige Vorlesungen angesehen.

Lecturio.de hat einen Schwerpunkt auf Wirtschaft, Software Jura, Medizin; darüber hinaus gibt es aber auch andere Gebiete. Alle Vorträge sind auf Deutsch. Der Strafrechtskurs, von dem ich einige Stunden gesehen habe, ist wirklich sehr gut. Hier wird ein Repetitorium gezeigt, in dem Schritt für Schritt über 160 Stunden Videomaterial das gesamte Strafrecht dargestellt wird. Zielgruppe sind eindeutig Jurastudenten, die sich auf das erste Staatsexamen vorbereiten. Es gibt gleichartig ausführliche Kurse auch in der Medizin, und den kurzen kostenlosen Vorschauen nach sind die ebenfalls von sehr guter Qualität.

Das Preismodell von lecturio.de ist anders, hier zahlt man immer für ein Jahr lang eine Leihgebühr für einen Kurs oder ein Paket. Die Jahresgebühr kann man auch in monatlichen Raten zahlen. Und man kauft nicht eine „Flatrate“ für alle Kurse, sondern immer einzelne Kurse, und die für ein Jahr. Es gibt auch Pakete, wie zum Beispiel das Paket „Medizin Flatrate“ für 1000 € einmalig oder zu Raten von 12*100 € im Monat. Der enthält zum Beispiel 258 Vorträge mit einer Laufzeit von 217 Stunden zu Themen wie „Formale Genetik“, „Redox-Gleichgewichte“ oder „Anatomie: Gehirnentwicklung, Gliederung des Gehirns“… Wer sich auf Lecturio anmeldet bekommt jedenfalls einen Gutschein für einen Vortrag umsonst, praktisch zum Kennenlernen.

Ich glaube, wenn ich mich noch mal auf das dritte Staatsexamen vorbereiten müsste, fände ich so eine Vorlesungssammlung komplett auf Deutsch echt hilfreich. Ich habe zur Vorbereitung auf das dritte Staatsexamen sechs Monate lang jeden Tag in der Uni-Bibliothek gesessen und Fragen aus der Fragensammlung beantwortet. Wenn ich was nicht wußte, hab ich es nachgelesen. Ich glaube nicht, dass man die Zeit hat, noch mal alle Vorlesungen zu sehen. Aber am späten Nachmittag eine Vorlesung zu einem Thema, bei dem man ganz besonders wenige Punkte gemacht hat, anzusehen, das wäre schon cool gewesen…

Ich glaube, dass Wissen einen hohen Wert hat. Daher ist es auch angemessen, Zeit und Geld in den Erwerb von Wissen zu investieren. Je knapper die Zeit ist, desto wertvoller werden gut aufbereitete multimediale, leicht zugängliche Lehrformen.

Welche Erfahrungen hast Du mit bezahlten Online-Kursen? Nutzt Du welche? Hast Du schon mal für einen bezahlt? Würdest Du es wieder tun? Schreib Deine Empfehlungen in die Kommentare!

PEPP Optionsphase verlängert

Die DGPPN teilt in ihrem newsletter folgendes mit:

In die Debatte um das neue PAUSCHALIERENDE ENTGELTSYSTEM PSYCHIATRIE UND PSYCHOSOMATIK (PEPP) ist Bewegung gekommen: Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe hat in der letzten Woche in einer nicht-öffentlichen Sitzung des Gesundheitsausschusses angekündigt, die budgetneutrale Optionsphase bis 2017 zu verlängern. Bisher war vorgesehen, dass alle psychiatrischen psychosomatischen Kliniken PEPP ab 2015 verpflichtend einführen. Der massive Widerstand, den die DGPPN gemeinsam mit Fach-, Angehörigen- und Betroffenenverbänden seit Monaten übt, ist endlich in der Politik angekommen. Für die nächsten Wochen und Monate wird es aber wesentlich sein, die Organe der Selbstverwaltung und die verantwortlichen Politiker aus Gesundheitsausschuss und Bundesministerium für Gesundheit weiterhin davon zu überzeugen, das Kalkulationsverfahren zu modifizieren und eine sachgerechte Weiterentwicklung zu garantieren.

Das ist wirklich ein gutes Zeichen. Es zeigt, dass die Verantwortlichen in der Politik sehen, dass es einen fundamentalen Verbesserungsbedarf gibt. Sonst müsste die Optionsphase nicht verlängert werden. Die degressive Bezahlung (die erste Behandlungswoche gibt viel Geld, jede weitere Woche schrittweise immer weniger), die nicht angemessen berücksichtigte Unterscheidung zwischen Kliniken mit Sektorversorgungsauftrag und solchen ohne Sektorversorgungsauftrag und viele weitere Punkte werden nun offenbar neu verhandelt.

Und es gibt auch einige optimistische Stimmen, die sagen: „Wenn das Projekt PEPP erst mal verschoben ist, dann kommt es in der geplanten Form überhaupt nicht mehr.“ Das wäre erfreulich. Eine angemessene Entlohnung stationärer psychiatrischer Behandlungen ist mit wesentlich weniger Bürokratie und mit Anreizsystemen, die für die Patienten hilfreicher sind, problemlos möglich.

Psychotherapie im Internet: Das Modellprojekt net-step

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In diesem blog ging es ja immer mal wieder um Psychotherapie übers Internet. Mich selbst wundert es wirklich, dass sich das nicht schon viel mehr etabliert hat. Ich denke schon, dass das Erstgespräch in der Regel und nach Möglichkeit “live” mit einem persönlichen Kontakt sein sollte, aber danach kann es für viele Therapien mehr Vor- als Nachteile bringen, die eigentlichen Sitzungen überwiegend per Skype zu machen.
Im Krisenfall muss es natürlich verläßliche Strukturen geben, die ggf. erforderliche intensivere Behandlungen sicherstellen. Das Ganze sollte natürlich bei gegebener Indikation von der Krankenkasse finanziert werden und von qualifizierten Psychotherapeuten durchgeführt werden.

Genau das gibt es als Modellprojekt schon seit 2012 am St. Alexius / St. Josef Krankenhaus in Neuss. Das Krankenhaus gewährleistet mit 400 Betten die Regelversorgung in einem weiten Sektor in Neuss und hat eine große Institutsambulanz.

Das Projekt heißt net-step und richtet sich aktuell an Patienten, die unter einer sozialer Phobie, einer Depressionen oder einer Panikstörung leiden. Auf der homepage gibt es einen kurzen Film dazu, den man sich bei Interesse an dem Thema angucken sollte. Im Projekt net-step wird gegenwärtig wechselseitig über getippte Text kommuniziert, es findet also kein Video-Telefonat wie bei Skype statt.

Zweiter Versuch, den blog auf www.psychiatrietogo.de umzuleiten…

OK, mein letzter Versuch, den blog auf die domain http://www.psychiatrietogo.de umzuleiten, führte ins nichts (siehe den blogpost „blog down…„).

Dankenswerterweise hat mir „Der Emil“ aber erklärt, woran es lag. Nun versuche ich es noch mal. Dafür ist es aber erforderlich, dass ich die Umleitung von http://www.psychiatrietogo.de auf die eigentliche blog-URL psychiatrietogo.wordpress.com zwischenzeitlich für etwa 10 Tage ausschalte. Ihr könnt daher ab morgen für etwa 10 Tage nicht mehr http://www.psychiatrietogo.de in den browser eingeben, das sollte dann ins Leere laufen. In 10 Tagen mache ich dann einen neuen Versuch, die Domain umzuleiten… Drückt mir die Daumen…

Bei welcher Art von Fortbildung lerne ich eigentlich am meisten?

Es gibt ja die unterschiedlichsten Arten der klinikinternen Fortbildung:

  • Vorträge im Frontalunterrichtstil
  • Workshops mit Interaktion
  • Bed-side-teaching
  • Praktische Übungen (z.B. das Megacodetraining, bei dem Reanimationen an Puppen trainiert werden)

Und alle diese Fortbildungsarten haben ihre Vorzüge und Berechtigungen.

Ich selbst finde das Format der Fallvorstellung besonders interessant und lehrreich.

Eine typische Fallvorstellung dauert ca. 30 Minuten. Der Arzt oder Psychologe, der die Fallvorstellung macht, sucht einen passenden Patienten aus. Der muss nicht unbedingt dadurch auffallen, dass er eine Krankheit hat, die nur alle 17 Jahre mal vorkommt. Es ist viel lehrreicher, einen Patienten mit einer häufig vorkommenden Krankheit auszuwählen, und an diesem Beispiel die Therapie zu erklären. Selbstverständlich fragt man den Patienten in Ruhe, ob er bereit wäre, zum Zwecke der Fortbildung an einer Fallvorstellung teilzunehmen.

Die Fallvorstellung läuft dann in drei Abschnitten von je etwa 10 Minuten Dauer ab:

1) Der Patient kommt selbst in die Runde der Fortbildungsteilnehmer. Derjenige, der die Fortbildung hält, exploriert den Patienten, so dass sich alle einen allgemeinen Eindruck vom Patienten und insbesondere von seinen Symptomen und Beschwerden machen können. Im Anschluss an die kurze Exploration können die anderen Teilnehmer einige Fragen an den Patienten stellen. Sollte der Patient nur kurz im Krankenhaus sein, kann es sinnvoll sein, die Exploration auf Video aufzunehmen. Vielen Patienten ist dies auch lieber, als vor der ganzen Ärzteschaft sprechen zu müssen.

2) Danach ergänzt der Arzt, der die Fallvorstellung macht, notwendige Befunde. So kann er noch einmal die Anamnese zusammenfassen, einige wichtige Untersuchungsbefunde ergänzen, vielleicht einen cMRT Befund zeigen oder ähnliches. Er stellt dann auch die Diagnose im Falle dieses Patienten dar und berichtet, wie die Therapie aussieht und warum man sich in diesem speziellen Fall für genau diese Therapie entschieden hat.

3) Und schließlich sagt der Arzt etwas zum angesprochenen Krankheitsbild allgemein. Er gibt Informationen über Häufigkeit, Ursachen und diagnostische Einteilungen der Krankheit und berichtet über die typische Therapie, nach Möglichkeit anhand von Leitlinien in Kurzfassung. Danach ist noch einmal Raum für Fragen.

Diese Art der Fortbildung kommt der Art, wie ich lerne, sehr entgegen.

  • Zum einen ist es viel leichter, sich etwas zu merken, wenn man es in Bezug auf einen tatsächlichen Patienten, den man kennengelernt hat, hört. Mir prägt sich das immer viel besser ein, als wenn ich es lediglich abstrakt höre.
  • Zum zweiten ermöglicht es in Zweifelsfällen die Diskussion mit den anderen Teilnehmern der Fallvorstellung, was oft sehr hilfreich sein kann, sowohl in Bezug auf die Diagnostik als auch auf die Therapie des Patienten.
  • Zum dritten stellt es die Verbindung zwischen der konkret im eigenen Krankenhaus durchgeführten Therapie und den Leitlinien beziehungsweise den allgemeinen Therapieempfehlungen dar.
  • Fallvorstellungen sind praktisch immer spannend und lehrreich. Sollte man viel öfter machen…

Supervision mit zwei Stationen

Es ist ja landauf landein gute Sitte, dass psychiatrische Stationen so etwa einmal im Monat eine externe Supervision haben. Dann treffen sich alle verfügbaren Teammitglieder aller Berufsgruppen dieser Station mit einem ausgebildeten Supervisor, der nicht aus dem Krankenhaus kommt, und besprechen einen oder zwei schwierige Fälle.

Unlängst hatten wir einen Patienten, der immer wieder zwischen der offenen und der geschlossenen Station hin und her verlegt werden musste; über ziemlich viele Wochen. Wir haben dann eine Supervision mit beiden Stationen zusammen gemacht. 

Für mich war das eine sehr positive Erfahrung. Zum einen ist das eingetreten, was bei Supervisionen auch nur einer Station oft eintritt: 

  • Mehrere Personen tragen ihre Informationen über einen Patienten zusammen, so dass man einen wesentlich umfangreicheren Blick auf den Patienten gewinnt.
  • Es ist Raum, auch über bestimmte Emotionen, Gedanken und Vorstellungen der Teammitglieder in Bezug auf den Patienten zu sprechen und darüber, was das für die Behandlung bedeutet. 
  • Durch den weiteren Betrachtungswinkel findet man oft neue Ideen und kann seine Behandlungsstrategie ändern.
Aber darüber hinaus sind in der Supervision noch weitere Punkte eingetreten, bedingt dadurch, dass zwei Stationen teilnahmen:
  • Der Blick auf den Patienten war noch mal umfassender, weil er verschiedene Behandlungssettings umfasste.
  • Die beiden Stationsteams konnten am praktischen Fall erleben, dass sie bei einem schwierigen Patienten in einem Boot saßen und an einem Strang ziehen. Das ist sicher hilfreich, wenn es eine Verlegungssituation gibt. Man kann dann genauer überlegen, was die jeweils andere Station anders macht und was nur durch eine Verlegung zu bewirken ist.
  • Beide Stationen konnten sich für diesen Patienten als ein Team erleben.
Für diesen Patienten kamen wir auf eine Lösung, die ihm das Hin- und Herverlegen in Zukunft hoffentlich ersparen kann. 
Wer ebenfalls in einem Krankenhaus arbeitet, in dem die Stationen einzeln Supervision haben, die Patienten aber oft von zwei verschiedenen Stationen behandelt werden, den ermutige ich, mal zu besprechen, ob man in einem geeigneten Fall mal eine gemeinsame Supervision machen möchte. Ich fand es sehr bereichernd!

    Labor in der Sahara

    Stell Dir vor, Du bist in der Wüste, und darfst nur 3 Laborwerte bestimmen. Welche wählst Du?

    In der Psychiatrie sind wir es gewöhnt, bei den meisten Patienten ein “Routinelabor” zu bestimmen, was auch immer das sein mag. Das hat auch einige Vorteile, weil so sichergestellt ist, dass man zu Beginn der Behandlung nichts übersieht. Aber spätestens im Verlauf der Behandlung sollte man sich an den Rat eines weisen Internisten halten, der auch schon in der Sahara Medizin praktiziert hat, und daher die Situation kennt, dass man eben nicht schrotschussartig mal alle Laborwerte bestimmen kann. Bevor man ein Labor anordnet, auch vor dem ersten Aufnahmelabor, sollte man den Patienten klinisch untersuchen und nachdenken. Man sollte sich fragen: Was könnte dieser Patient für eine Krankheit haben, die ich durch das Labor herausfinde. Welche Werte helfen mir hier weiter. Wenn ich nur drei Werte bestimmen dürfte, welche Werte würde ich dann wählen. Und dann einfach mal nicht “Routinekontrolle” anordnen, sondern genau diese drei Werte.

    Amphetamine verschlechtern Tic-Symptomatik

    Das Gille-de-la-Tourette-Syndrom ist ein eher seltenes, aber sehr beeinträchtigendes Krankheitsbild, bei dem die Betroffenen den unwiderstehlichen Drang haben, bestimmte motorische oder vokale Tics auszuführen. Bekannt ist das Krankheitsbild vor allem aus Komödien und Fernsehfilmen, in denen ein Betroffener immer wieder aggressive oder obszöne Worte ausstößt, das heißt dann Koprolalie.

    Pharmakotherapeutisch wird beim Tourette-Syndrom in erster Linie Tiaprid eingesetzt, das allgemein eine gute Wirkung auf extrapyramidale Hyperkinesien hat. In zweiter Linie wird oft Haloperidol eingesetzt, ein bekanntermaßen dopaminantagonistisches Neuroleptikum.

    Die meisten der Patienten mit einem Tourette-Syndrom, die ich kenne, kommen mit Tiaprid alleine ganz gut hin. Von den wenigen, die ich kenne, die zusätzlich Haldol nehmen, geben allerdings alle an, dass dieses ihnen einen zusätzlichen Nutzen bringt und die Tic-Symptomatik merkbar reduziert.

    Ich selbst bin immer etwas skeptisch, wenn Psychiater bei nicht-psychotischen Symptomen ein Neuroleptikum zusätzlich zu einer anderen Therapie verordnen. Ich frage mich dann immer, ob das nun mehr Ausdruck einer gewissen therapeutischen Verzweiflung ist (Neuroleptika helfen ja bei Psychosen so durchschlagend, dann helfen sie doch bei anderen psychiatrischen Erkrankungen vielleicht auch ein bischen, oder?), oder ob es wirklich etwas bringt. Ich war mir nie ganz sicher, ob gerade das Tourette-Syndrom als extrapyramidale Störung nun ausgerechnet von Haloperidol profitiert.

    Und nun hat mir vor einiger Zeit ein Patient, der unter einem ausgeprägten Tourette-Syndrom mit starken vokalen Tics leidet, berichtet, dass die Tic-Symptomatik deutlich schlechter wird, wenn er Amphetamine nimmt. Das ist pharmakologisch interessant, da Amphetamine Dopamin und Noradrenalin freisetzen.

    Derselbe Patient berichtet, dass bei ihm die Gabe eines Neuroleptikums, dass unter anderem den Dopamin-Stoffwechsel kontrolliert, die Tics reduziert; unabhängig davon, ob er nun gerade Amphetamine genommen hat oder nicht.

    Die Verschlechterung der motorischen und verbalen Tics unter Amphetaminen gibt einen Hinweis darauf, dass dopaminantagonistische Neuroleptika tatsächlich eine gezielte und ursächliche Therapie des Tourette-Syndroms sein können.

    Bereitschaftsdienst an Karneval

    Sogar meine Wäscherei legt an Karneval Extra-Schichten ein:

    Sonntag Abend kommt hier der ganze Festkonvent mit seinen Uniformen, die müssen Montag in aller früh wieder picobello sauber sein!

    Köln halt. An alle anderen, die Karneval auch Bereitschaft haben: Drei mal Kölle-Allaf! Und einen ruhigen und halbwegs lustigen Dienst…