Es gibt was zu feiern: Die dritte Auflage von Psychopharmakotherapie griffbereit ist erschienen!

Psychopharmakotherapie griffbereit Dreher Cover

In der Psychopharmakotherapie tut sich jedes Jahr so viel, dass man nur mit einem aktuellen Buch wirklich up-to-date sein kann. Heute ist mein Buch Psychopharmakotherapie griffbereit in der dritten Auflage erschienen. Und die enthält jede Menge Neuerungen, Aktualisierungen und Überarbeitungen. Unter anderem neu sind Kapitel zu:

  • Sertralin
  • Milnacipran
  • Trimipramin
  • Spice
  • Medikamentenwechselwirkungen
  • Psychopharmaka und Schwangerschaft
  • Sinnvollen Kontrolluntersuchungen.

Alle Kapitel sind aktualisiert worden. Das Kapitel zu Vortioxetin (Brintellix®) wurde gestrichen, da es auf dem deutschen Markt nicht mehr verfügbar ist.

Das Buch bleibt seiner ursprünglichen Idee treu, insbesondere Neueinsteigern in die Psychopharmakotherapie einen Überblick und eine gute Orientierung zu geben. Es ist aber auch zum Nachschlagen der häufig verwendeten Medikamente geeignet.

In jedem Kapitel werden zunächst die grundlegenden Therapieprinzipien dargestellt, dann werden ausgewählte Medikamente im einzelnen dargestellt. Bei jedem Medikament erkläre ich etwas zur Pharmakologie, zum klinischen Einsatz, zu unerwünschten Wirkungen, erkläre die Dosierung und die praktische Anwendung. Schließlich gebe ich zu jedem Medikament mein persönliches Fazit, dass dem Leser hilft, sich ein Bild vom beschriebenen Medikament zu machen.

Bei Amazon könnt ihr das Buch hier bestellen, bei Schattauer direkt hier.

(Heute ist die Kindle-Version noch nicht erhältlich; der Button verlinkt auf die Kindle-Version der zweiten Auflage, aber die dritte Auflage wird auch als e-Book kommen….)

„Psychotraumatologie“ von Dr. Thorsten Heedt

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Ich bin ein bekennender Freund der „griffbereit“-Reihe des Schattauer-Verlages. Die „griffbereit“-Bücher stellen den klinisch relevanten Teil eines medizinischen Wissensgebietes so dar, dass man ihn praktisch wirklich anwenden kann. Die Bücher sind kompakt, so dass sie nicht nur theoretisch, sondern wirklich in die Kitteltasche passen und die Erklärungen sind jeweils gut verständlich.

In dieser Reihe ist nun das Buch „Psychotraumatologie: Traumafolgestörungen und ihre Behandlungen“ von Dr. Thorsten Heedt erschienen. Gerade dem Thema Psychotraumatologie tut der Ansatz gut, das Gebiet aus der Sicht des Praktikers darzustellen und konkrete Handlungsempfehlungen zu geben. Dabei ist das Buch von Dr. Heedt theoretisch sehr gut fundiert und stellt am Ende des Kapitels jeweils ausführliche Quellenangaben zur Vertiefung der dargestellten Inhalte zur Verfügung.

Das Buch schafft es hervorragend, den ja wirklich komplexen Stoff des Bereiches Psychotraumatologie mithilfe klarer Sprache und anschaulicher Bilder („Dissoziation ist gewissermaßen die krankhafte Variante des Tagträumens…„) sehr eindrucksvoll zu vermitteln. Ich kann es jedem Interessierten wirklich sehr empfehlen.

Das Buch findet ihr bei Amazon hier.

Welches Psychiatrie-Lehrbuch empfehle ich Ärzten in Weiterbildung zum Psychiater?

Es gibt einige gute Psychiatrie Lehrbücher auf dem Markt, und jeder muss für sich selbst dasjenige finden, das ihm nach Umfang, Aufmachung und Art am besten liegt. Für viele, die sich erst im Gebiet der Psychiatrie orientieren wollen, kann das auch ein gutes Kurzlehrbuch sein. Aber diejenigen, die Fachärztin / Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie werden wollen, sollten schon ein etwas ausführlicheres Buch lesen. Nun kenne ich auch nicht alle in Frage kommenden Psychiatrie Lehrbücher ganz genau, möchte aber gerne hier mal meine Top drei vorstellen:

Mein Platz 1: Psychische Erkrankungen: Klinik und Therapie von Mathias Berger

Den Berger habe ich nachweislich hier auf dem Blog schon 2012 als das lesenswerteste Psychiatrie Lehrbuch für Weiterbildungsassistenten empfohlen. Das hat sich seither nicht geändert, das Buch ist nur weiter besser geworden.

Vorteile: Es ist ein dickes Buch; 936 Seiten ungefähr im DIN A4 Format, da braucht man schon die fünfjährige Weiterbildungszeit, um es halbwegs durchzuarbeiten. Aber man muss ja auch nicht wirklich jedes Kapitel lesen…

Die Texte sind durchgehend gut lesbar gechrieben, ohne verschwurbelten Fachjargon, ohne übertriebene Faktenhorderei, Tabellenexzesse oder kursivfettfarbige Texteskapaden. Die Inhalte werden einfach verdammt gut erklärt. Und sie werden durchgehend im gesamten Buch darauf hin überprüft, in welchem Maße sie evidence-based sind. Gibt es ordentliche Studien, die eine Aussage stützen, wenn ja, welche, oder ist es einfach Herrschende Meinung? Das kann ja auch berechtigt sein, dann will ich es aber wissen.

Nachteile: Wenn man es liest, kann man fünf Jahre lang seinen Netflix-Zugang abschalten.

Online Zugang: Man erhält einen zeitlich begrenzten Zugang zu Elseviers Onlineportal Psychiatriewelt. Dort kann man auf das vollständige Buch sowie einige zusätzliche Materialien (Videos, neue Kapitel, etc.) zugreifen.

Seitenzahl: 936 Seiten

Auto-Vergleich: Jaguar XF

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Mein persönliches Fazit: Wenn ich mich auf ein Thema vorbereite, nehme ich mir gerne den Berger zur Hand. Dann bin ich gut im Bilde, weiß, woher die aktuellen Therapieeinschätzungen kommen und weiß, wo ich weiterlesen müsste, um mehr zu erfahren. Für Ärzte in Weiterbildung zum Psychiater bleibt der Berger meine Empfehlung.

Mein Platz 2: Therapie psychischer Erkrankungen von Ulrich Voderholzer und Fritz Hohagen

Wir Psychiater haben die Internisten lange um ihren “Herold-Innere Medizin“ beneidet, der verlässlich wie ein schweizer Uhrwerk jährlich aktualisiert wird und stets den neusten Stand der Technik widergibt. Allerdings ist der Herold ungefähr so gut lesbar wie ein Telefonbuch, pro Quadratzentimeter Papier stehen da ungefähr 92 Fakten; niemand liest das, man schlägt nur was nach.

Vorteile: Der Voderholzer vereint praktisch das beste aus beiden Welten: Er kombiniert die gute Lesbarkeit eines Berger mit der Aktualität eines Herold. Und das geht so: Voderholzer und Hohagen sind die Herausgeber; die einzelnen Kapitel werden jeweils von echten Spitzenautoren für ihr Gebiet geschrieben, und zwar jährlich aktualisiert. Pünktlich zum DGPPN-Kongress im November (dieses Jahr als Weltkongress schon im Oktober…) erscheint die aktuelle Auflage. Die Texte sind gut lesbar, evidenzbasiert, leitlinienorientiert. Das Buch ist mit 585 Seiten auch nicht gerade dünn, aber immerhin fast halb so dick wie der Berger.

Nachteile: Einen Text im Berger zu lesen macht etwas mehr Spaß.

Online Zugang: Zeitlich begrenzter Zugang zu Elseviers Psychiatriewelt. Dort kann man auf das vollständige Buch sowie einige Zusatzinhalte zugreifen.

Seitenzahl: 585 Seiten

Auto-Vergleich: Der aktuelle VW Passat 2017

Quanta costa? 44,99 €. (amazon-affiliate-link)

Mein persönliches Fazit: Wenn jeder Weiterbildungsassistent 300 der 585 Seiten im Voderhölzer gelesen hätte, wären die Facharztprüfungen ein Traum…

Mein Platz drei: Duale Reihe Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie von Möller, Laux, Deister

Vorteile: Unter Studenten ist die Duale Reihe sehr beliebt. Das Konzept ist, im inneren Teil der Seiten jeweils einen ausführlichen Fließtext zu haben, und am Außenrand jeweils Stichworte und sehr knappe Zusammenfassungen. So kann man Teile, die man zu kennen glaubt, querlesen, indem man sich einfach die Stichworte am Rand ansieht. Das verleitet etwas zum Geschwindigkeitsrausch, kurz vor der Prüfung ist das aber oft hilfreich. Insgesamt also ein mittellanges Lehrbuch auf Speed. Design und Layout sind modern.

Nachteile: Die Texte lesen sich manchmal schon etwas komprimiert. Die Darstellung erschient mir manchmal etwas unruhig und überladen.

Online Zugang: Über die Thieme eRef-App kann das ganze Buch online oder auf dem iPhone, iPad oder was auch immer gelesen werden. Auf der begleitenden CD gibt es Patientenvideos, allerdings unter einer etwas umständlichen Benutzer-Oberfläche.

Seitenzahl: 672 Seiten

Auto-Vergleich: Ford Fokus Turbo

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Mein persönliches Fazit: Für Studenten fünf Tage vor dem Examen, Weiterbildungsassistenten, die noch ein Leben außerhalb der Medizin haben und Angehörige anderer Berufsgruppen, die ein vollständiges, modernes Buch suchen, das eine schnelle Orientierung bietet, ist es sehr gut geeignet. Zum abendlichen Schmökern mit einem Glas Rotwein ist es ungeeignet. Aber so ließt ja eh niemand mehr Lehrbücher…

Welches Lehrbuch lest ihr?

Schreibt doch bitte mal in die Kommentare, welches Buch ihr lest und warum!

Buchempfehlung: Das Drogentaschenbuch

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Ja ja, die Menschen stellen sich ja die unterschiedlichsten Sachen unter ihrem Weihnachtsbaum vor. Ich selbst mag gerne Schokolade, gut geschriebene Bücher über Psychopharmakologie, und alles Elektrische. In die zweite Kategorie gehört eindeutig das Drogentaschenbuch von Prof. Norbert Scherbaum aus Essen.

Es gibt einen guten und vollständigen Überblick über aktuelle Drogen, damit verbundene Krankheiten und Therapiemöglichkeiten. Das Buch zeichnet sich durch ein sehr hohes Maß an Praxisnähe aus. Die reichhaltige Bebilderung macht den Stoff gut zugänglich, und in jedem Kapitel wird sehr viel aus langjähriger Erfahrung gewonnenes konkretes Praxiswissen vermittelt. Zu den meisten Substanzen gibt es Abschnitte, die im Sinne von „safer use“ beschreiben, was man auch als Konsument wissen muss, um keine schwerwiegenden Komplikationen zu erleiden.

Interessant finde ich das Konzept, dass man zum Buch in der Papierform ohne weitere Zusatzkosten auch einen elektronischen Zugang über das Thieme-Portal eRef zum kompletten Buchinhalt hat. Das erfüllt meinen Wunsch, durch den Kauf eines Fachbuches zu einem Preis die gedruckte und die eBook-Variante zu erhalten. So hat man das beste aus beiden Welten kombiniert. Ein Papierbuch zum raschen Nachschlagen, ruhig lesen und zugleich den elektronischen Zugang über das Smartphone, Tablet oder Web, so dass man es von überall aus lesen kann. So soll es sein!

Das Buch liest sich locker und spannend, da braucht man gar keinen Roman mehr, zusammen mit der Schokolade bin ich jedenfalls versorgt.

Bei Amazon findet ihr das Buch hier (Affiliate-link).

Wie kaufst Du am liebsten ein Fachbuch?

Also bei Romanen und einmal zu lesenden Sachbüchern ist die Sache für mich klar: Ich kaufe sie ausschließlich als eBook. Aber bei Fachbüchern habe ich für mich noch keine Antwort gefunden. Will ich sie lieber als Papierbuch haben, und stelle sie mir im Büro ins Regal? Dann kann ich sie natürlich zu Hause nicht lesen, unterwegs nicht, eigentlich nirgends, wo ich mal Zeit habe, in Ruhe zu lesen. OK, manchmal hat man Glück und bekommt einen Rubbelcode, über den man dann eine Online-Version des Fachbuchs lesen kann. Wobei die bei mir gerne mal nicht funktionieren. Oder kaufe ich sie als eBook und lese sie auf dem iPad.

Ich wollte mal hören, wie ihr das so macht: Stimmt doch mal ab. Hier ist die Umfrage; und nachdem Du Deine Antwort eingegeben hast, kannst Du das Ergebnis sehen:

DocCheck hat eine iOS und Android-App für ihr Medizin-Lexikon „Flexikon“ rausgebracht

IMG_2225DocCheck ist ja so eine Mischung aus Facebook für Ärzte, dem medizinischen Teil der Wikipedia, der Ärzte-Zeitung und einem Gemischtwarenladen auf der Medica.

Die meisten Ärzte und viele im medizinischen System Tätigen kennen DocCheck, da man bei der Registrierung auf DocCheck, die jeder machen kann, auch zusätzlich angeben (und nachweisen) kann, dass man Arzt, Zahnarzt oder Apotheker ist; dann hat man unter anderem Zugriff auf die Online-Version der Roten Liste, die aus gesetzlichen Gründen im vollen Ausmaß auf diese medizinischen Berufsgruppen beschränkt ist. Das finde ich zwar in Zeiten der Transparenz völlig überflüssig, und irgendwelche geheimen Informationen finden sich dort auch nicht, es ist aber immer noch so. Kaufen kann die Rote Liste im Buchhandel allerdings jedermann.

DocCheck bietet aber auch eine Reihe weiterer Funktionen, darunter insbesondere die Möglichkeit, sich mit anderen Ärzten oder Experten auf bestimmten Gebieten durch Fragen und Antworten auszutauschen, das heißt DocCheck Ask. Hier stellen Ärzte zu einzelnen Patienten oder bestimmten konkreten Punkten online eine Frage, und andere Ärzte, die sich damit auskennen, beantworten die Frage. Das funktioniert unkompliziert und gut und ist gerade für Niedergelassene Ärzte, die alleine arbeiten, bei bestimmten Fragen eine gute Option.

Auf DocCheck news gibt es medizinische Nachrichten und einige medizinische Blogs, dieser Blog ist zum Beispiel immer mal wieder hier auf DocCheck vertreten…

Und dann gibt es das recht bekannte Flexikon, ein interaktives Medizinlexikon, das funktioniert wie eine Art Wikipedia für deutschsprachige medizinische Einträge. Gegenwärtig hat das Flexion 47.000 medizinische Einträge. Hier findet man zuverlässig alles, was man sucht. Lesen kann diese Einträge jeder, alle registrierten DocCheck-Mitglieder können die Einträge auch selbst ändern, aktualisieren oder neue Einträge hinzufügen.

Und dieses Flexion hat nun eine kostenlose iOS- und Android-App bekommen, auf der man Einträge suchen und lesen, und sogar auch editieren kann. Die App habe ich ausprobiert und finde sie sehr praktisch, für mich hat sie einen verdienten Platz in meinem Ordner „Medizin“. Laden könnt ihr sie hier.

PsychCast !

Es gibt spannende Neuigkeiten!

Zusammen mit meinem Freund Alexander Kugelstadt habe ich vor wenigen Wochen ein neues Projekt gestartet, das heute das Licht der Internet-Welt erblickt: Wir haben begonnen, einen Podcast aufzunehmen!

Alexander ist Arzt im Bereich der Psychosomatik und Journalist, ich selbst bin ja Psychiater. Da die beiden Fachbereiche eng bei einander stehen und doch oft völlig verschiedene Welten repräsentieren, ergibt sich schon daraus oft eine interessante Spannung. Im Podcast unterhalten wir uns über jeweils ein psychiatrisches / psychosomatisches / psychotherapeutisches oder irgendwie verwandtes Thema, das wir aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten. In der ersten Folge geht es ganz passend um das Thema „Kommunikation„. Die zweite Episode, die wir in etwa zwei Wochen veröffentlichen wollen, hat das Thema „Stationäre Psychotherapie„.

Wir haben den Podcast auf den Namen PsychCast getauft und laden Euch alle ein, dem PsychCast zu folgen und sehr gerne auch Fragen, Vorschläge, andere Meinungen und euer Feedback einzubringen. Wie dieser blog ist der PsychCast nicht als Ein-Weg-Veranstaltung gedacht, sondern als ein öffentlicher Austausch!

Ihr findet den PsychCast unter www.psychcast.de. Dort könnt ihr die Episode gleich ohne Umwege auf der Webseite hören. Oder ihr abonniert über den button dort den feed. Oder ihr tragt in den PodFetcher eurer Wahl einfach folgende feed-Adresse ein: http://psychcast.de/?feed=mp3.

Wie auch immer ihr den PsychCast hört: Alexander und ich wünschen Euch viel Spaß dabei und sagt uns eure Meinung dazu!

Wer kennt die KhanAcademy?

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Ich hatte schon mal was über die KhanAcademy gehört, aber bislang noch nicht darin gestöbert. Im entsprechenden Wikipedia-Artikel kann man nachlesen, dass Salman Khan, der Gründer der Organisation, Ende 2004 begann, seiner Cousine Nadia mithilfe des Doodle Notepads von Yahoo! Nachhilfe in Mathematik zu geben. Daraus sind inzwischen über 4000 Lehrvideos von sehr viel mehr Lehrern zu allen möglichen Themengebieten geworden. Schwerpunkte liegen in der Mathematik, verschiedenen Naturwissenschaften wie Biologie, Physik, Medizin, Wirtschaft, Künste, Computerwissenschaft sowie einer Vielzahl weiterer Fachgebiete. Einige der Videos sind auch auf Deutsch verfügbar. Alle Videos sind über die Webseite oder direkt in Youtube frei zugänglich und dauerhaft kostenlos. Sie werden ähnlich der Wikipedia von freiwilligen Autoren erstellt; die Technik wird von Spenden finanziert. Inzwischen gibt es auch eine iPad App.

Ich finde das Konzept sehr sehr zukunftsweisend. iTunes U bietet ja überwiegend Hochschulvorlesungen an. Die Khan-Academy bietet niederschwelliger Lehrvideos an, auch zu Schulthemen.

Hat jemand von Euch schon einige Kurse verfolgt? Hat jemand Erfahrungen damit? Was haltet ihr von dem Konzept der Khan Academy?

Die KBV hat eine bundesweite Famulaturbörse für Praxen eröffnet

Famulaturen sind eine exzellente Möglichkeit, sich einen bestimmten Bereich der Medizin mal ganz in Ruhe und wirklich aus der Nähe anzusehen. Bevor sich ein Arzt entscheidet, zum Beispiel in der Urologie anzufangen, hat er mit Sicherheit vorher als Student mal eine 4-wöchige Famulatur in der Urologie gemacht. Gegenwärtig finden fast alle Famulaturen in Kliniken statt. Das ist so gewachsen und wird kaum hinterfragt. Dabei ist es vor der Spezialisierung auf einen bestimmten Bereich sehr wichtig, zu sehen, wie dieser Bereich später in der Niederlassung aussehen würde. StudentInnen, die sich beispielsweise für Gynäkologie interessieren, machen typischerweise erst mal eine Famulatur in einer gynäkologischen Klinik. Wenn die Entbindungen und die vielen Operationen sie faszinieren, spezialisieren sie sich vielleicht auf Gynäkologie und Geburtshilfe. Wenn sie sich dann aber niederlassen, sieht der Arbeitsalltag ganz anders aus.

Dazu kommt, dass die Ärzte in den letzten Jahren immer stärker dazu neigen, in Kliniken arbeiten zu wollen, und es für frei werdende Praxen immer schwieriger wird, einen ärztlichen Nachfolger zu finden.

Es ist daher ein kluger Zug, dass die Kassenärztliche Bundesvereinigung eine bundesweite Famulaturbörse für niedergelassene Praxen aller Fachrichtungen eröffnet hat. So können sich Medizinstudenten schon während des Studiums einen guten Eindruck davon verschaffen, wie das Leben zum Beispiel als niedegelassener Hausarzt, niedergelassener Chirurg oder niedergelassener Augenarzt so aussehen würde.  

Bislang haben sich noch nicht viele Psychiatrische Praxen eingetragen. Famulanten sind aber eine echte Bereicherung. Wer eine Platz in irgendeinem Fachbereich sucht oder einen Platz anbieten kann, der ist unter www.famulaturboerse.lass-dich-nieder.de genau richtig.

Zur Famulaturbörse geht es hier.

Niedergelassene Ärzte, die Famulaturplätze anbieten, registrieren sich hier.

Dyslexie: Diese Schriftart können Legastheniker besser lesen

Im englischsprachigen Raum wird der Begriff der dyslexia am ehesten so verwendet, wie bei uns der Begriff der Leseschwäche, dem einen Teil der Lese-Rechtschreibschwäche oder Legasthenie. Die Betroffenen haben Probleme, Buchstaben und Worte zu lesen und sie mit dem gemeinten Begriff in Verbindung zu bringen. Oft ist auch die Fähigkeit zu schreiben beeinträchtigt.

Der dänische Designer Christian Boer, der selber unter Legasthenie leidet, erklärt, dass Menschen mit Legasthenie Buchstaben eher als dreidimensionale Objekte wahrnehmen und daher leicht durcheinander kommen, wenn unterschiedliche Buchstaben das Spiegelbild von einander sind wie b und p oder W und M. Er hat daher eine Schriftart entworfen, in der die Buchstaben unten etwas dicker sind und so verändert, dass sie sich weniger ähneln. Menschen mit Legasthenie könnten sie daher besser lesen.

Schaut euch das Video an, das die Unterschiede zu den gängigen Schriftarten erklärt:

Das Projekt hat bereits große Aufmerksamkeit auf sich gezogen. So erschien es auf der Titelseite des Scientific American und erreichte einige Nominierungen für verschiedene Innovationspreise; es gewann den ersten Preis des „Smart Urban Stage“, eines europäischen Projektes, das zukunftsweisende Konzepte auszeichnet. Es gibt zumindest auf dänisch schon Bücher, die in dieser Schriftart geschrieben sind.

Die Schriftart heißt „Dyslexie“. Sie ist für den privaten Gebrauch kostenlos und hier zu laden.

Video-Podcast des Schattauer Verlages zum Buch Psychopharmakotherapie griffbereit

Im Video-Podcast-feed des Schattauer-Verlages ist gerade ein Video-Interview mit mir zum Buch Psychopharmakotherapie griffbereit erschienen, in dem ich erkläre, was das Buch von anderen Pharmakopsychiatrie-Büchern unterscheidet und welchen besonderen Nutzen es in der Praxis darstellt. Guckt doch mal rein!

Der Mann, der sich in die Zebrafrau verliebte

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Kennen sie Oliver Sacks? Vielleicht einen seiner berühmtesten Titel: “Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte”? Oliver Sacks ist Neurologe und beschreibt in kasuistischer Form einzelne eindrucksvolle neurologische Krankheitsbilder, die er im Verlaufe seiner Tätigkeit erlebt hat. Sie geben uns einen tiefen Eindruck in die Komplexität des Gehirns, aber auch in die kontraintuitiven Wege, die sich manche Krankheiten so wählen. Und das ist sehr lehrreich.

Kennen sie solche Falldarstellungen auch aus dem Bereich der Psychiatrie? Noch nicht? Ich kannte bislang auch noch nichts vergleichbares. Auftritt des neuen Buches von Peter Teuschel: Der Mann, der sich in die Zebrafrau verliebte!

In diesem Buch beschreibt Peter Teuschel acht Begegnungen mit außergewöhnlichen Menschen, die er im Laufe seiner Behandlungen kennen gelernt hat. Mir gefiel besonders gut die Geschichte von Alois, einem mit seiner Frau einsam in einem Waldhaus lebenden alten Bayern, der aus später aufklärbaren Gründen für wahr erkennt, dass er “von den Bambergern in den Frillensee g´schmissn werden soll”. Auf die Frage “Warum? antwortet Alois: ”Ja mei. Rache halt". Seine Frau weiß schon länger von der Sache…

Die Sache hat eine psychiatrische Erklärung. Und eine teils psychiatrische, teils rein menschliche Behandlung…

Die Beschreibung der Patienten ist ausnehmend respektvoll und liebevoll geschrieben. Die Geschichten sind zum einen lehrreich, zum anderen auch einfach faszinierend und unterhaltsam. Ich habe sie sehr gerne gelesen. Ein prima Weihnachtssgeschenk, dann aber eher als broschiertes Papierbuch als die kindle-Version

Einige Mitbringsel vom DGPPN-Kongress in Berlin

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Ich kehre gerade vom DGPPN Kongress 2014 zurück. Der Kongress fand jetzt erstmalig nicht im ICC, sondern im neu gebauten CityCube statt, was eine wesentliche Verbesserung darstellt, da das ICC einfach zu klein war. Der Kongress ist in den letzten Jahren immer weiter gewachsen und aktuell kommen wohl so etwa 9.000–10.000 Teilnehmer, da hat man im ICC schon oft auf dem Boden sitzen müssen; im CityCube habe ich nur selten auf dem Boden gesessen…
Ich kann jetzt hier nicht alles Interessante zusammen fassen, was ich gelernt und erfahren habe, aber ich zähle mal ungeordnet einige neue Impulse auf, die ich bemerkenswert fand:

  • Am Interessantesten sind ja oft die Gespräche am Rand. So habe ich mich mit einem Kollegen aus Holland unterhalten, der berichtete, dass dort die Entgiftung von GHB mit einer Kombination aus medizinischem GHB, Benzodiazepinen und Neuroleptika durchgeführt wird. In Deutschland wird medizinisches GHB manchmal für bestimmte Narkosen, vor allem bei Kaiserschnitten und anderen i.v.-Kurznarkosen bei kleinen chirurgischen Eingriffen verwendet. Für die Entzugsbehandlung ist es aber nicht erlaubt. Daher stellt sich eine GHB-Entzugsbehandlung bei uns oft als sehr schweres psychotisches, oft delirant anmutendes Krankheitsbild dar. Medizinisches GHB als Behandlungsoption wäre auch hier sehr willkommen…
  • In der Psychopharmakologie hat sich viel verändert, seit der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) vor der Festlegung eines Preises für ein neues Medikament den “Zusatznutzen gegenüber einer Zweckmäßigen Vergleichstherapie” beurteilt. Es ist ja so: Wenn eine Pharmafirma eine neue Substanz erforscht und entwickelt, dann muss sie zunächst die Zulassung in Deutschland und zumeist in Europa beantragen. In Deutschland geht das beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Dies wägt Nutzen und Risiko eines neuen Medikamentes ab. Stehen Nutzen und Risiko in einem guten Verhältnis, lässt das BfArM das Medikament in Deutschland zu. Es steht dann auch erst mal 10 Jahre unter Patentschutz. Früher hieß das, dass das Pharmaunternehmen jetzt 10 Jahre lang einen sehr hohen Preis nehmen konnte, und viel Geld in dieser Zeit verdient hat. Heute ist das nicht mehr automatisch so. Heute prüft der GBA, ob das Mittel einen deutlichen Zusatznutzen gegenüber der meist sehr preiswerten Standardtherapie hat. Nur dann akzeptiert der GBA einen höheren Preis als den für die Standardtherapie. Und nur dann müssen die Kassen den höheren Preis zahlen. Ist das Medikament zwar neu, zugelassen, patentiert, aber laut GBA ohne großen Zusatznutzen gegenüber den bisherigen Medikamenten, wird der GBA einen Preis festlegen, wie bei den bisherigen Medikamenten. Dieses Vorgehen hat den Vorteil, dass die Gemeinschaft der Versicherten nicht für Pseudo-Neuerungen überteuerte Preise zahlen muss. Es hat aber den Nachteil, dass es in Deutschland sehr viel schwieriger geworden ist, eine Bereicherung des therapeutischen Arsenals herauszubringen. Nicht jeder Patient profitiert gleichermaßen von der Standardtherapie. Manche brauchen einfach ein anderes Präparat, aber das zu erforschen ist für die Pharmaunternehmer aus wirtschaftlicher Sicht sehr viel riskanter geworden.
  • Die Psychotherapieforschung ist erfreulich lebendig und aktiv.
  • In der Suchttherapie gibt es einige interessante Ansätze, die zur Grundlage haben, dass Sucht eine jahrelange Krankheit ist. Also nicht: Zwei Wochen Entzug, dann nichts mehr, sondern: Entzug, dann monatelange Begleitung und bei Krisen rasche Intervention.
  • Und es gab noch zahllose weitere interessante Ideen, die ich hier nicht alle aufzählen kann…

Ich fand den Kongress mal wieder sehr lehrreich und lohnend. Allerdings komme ich wie jedes Jahr zur Erkenntnis, dass es Ende November sehr kalt ist in Berlin. Ich schlage daher vor, dass der Kongress in Zukunft im September in Barcelona abgehalten wird. Der Rest des Konzeptes kann so bleiben…

Psychopharmakotherapie griffbereit jetzt auch als iBooks- und kindle-Version verfügbar

Psychopharmakotherapie griffbereit kindle

Ich selbst bevorzuge ja immer und überall eBooks gegenüber Papier-Büchern. Hauptsächlich, weil ich ein Papierbuch genau nie dabei habe und ein eBook genau immer. Ich habe mir berichten lassen, dass sich im Bereich der Romane die eBooks auch zunehmend durchsetzen, im Bereich der Fachbücher aber immer noch die Papiervariante bevorzugt wird. Wie dem auch sei, ab jetzt könnt ihr für Psychopharmakotherapie griffbereit selbst entscheiden, welches Format ihr bevorzugt: Es ist ab jetzt auch als Kindle-Version und für Apple-Junkies als iBooks-Version erhältlich. Wie üblich gibt es eine kostenlose Leseprobe über die ersten etwa 50 Seiten, so dass ihr mal reinlesen könnt, bevor ihr euch entscheidet, ob das Buch für euch interessant ist.

In diesem ausgewählten Fall mag ich allerdings alle drei Varianten… 🙂

Psychiatrie to go proudly presents: Psychopharmakotherapie griffbereit

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Treue Leser dieses blogs wissen, dass ich schon seit mehreren Jahren an einem Buch schreibe, dass eine praxisnahe Einführung in die Psychopharmakotherapie gibt. Die erste Auflage habe ich vor etwa zwei Jahren selbst als iBook in den iBooks Store eingestellt, es folgten Versionen für den Kindle und auch ein selbstverlegtes Buch, das über Amazon zu beziehen war.

Ich habe das Buch ständig überarbeitet, aktualisiert und in den letzten Jahren vier größere Neuauflagen geschrieben.

Im Frühjahr trat dann zu meiner großen Freude der Schattauer-Verlag auf mich zu und bot mir an, das Buch zu veröffentlichen. Als ich den Vertrag unterschrieb, wußte ich noch nicht, wie viel Arbeit der Verlag in die Weiterentwicklung des Buches investieren würde und wie viele Überarbeitungen ich noch machen würde.

Meine Lektorinnen Dr. Julia Fiedler und Claudia Ganter redigierten jedes einzelne Wort und motivierten mich immer wieder, einzelne Absätze, Abschnitte oder Kapitel umzuschreiben, um sie verständlicher und vollständiger zu machen. Auch habe ich noch eine ganze Reihe an praktischen Fallbeispielen eingebaut. Das professionelle Layout und die komplett neu gestalteten Grafiken runden das Buch ab. Nun ist es um Längen besser als je zuvor und wird vom Schattauer Verlag als gedrucktes Buch, als kindle-Edition, als iBooks-Edition und als PDF vertrieben. Auf Amazon könnt ihr es ab heute hier bestellen.

Vom Antipsychotikum bis zur Z-Substanz: Die Vielfalt der Substanzen, die Einfluss auf das Gehirn nehmen können, ist groß. Psychopharmaka sind die am häufigsten verordneten Medikamente. Jan Dreher, leitender Oberarzt am Alexianer Krankenhaus Köln, gibt einen praxisorientierten Überblick über Auswahl, Dosierung, Pharmakologie und Nebenwirkungen der wichtigsten Psychopharmaka. Ebenso beschreibt er, was man in der Klinik über die Wirkung von legalen und illegalen Drogen und die medikamentösen Therapiemöglichkeiten in der Entzugsbehandlung wissen muss. Die Kapitel zu den Themen Gerontopsychiatrie, psychiatrische Notfälle und Wechselwirkungen runden das Werk ab. Der Autor vermittelt nicht nur Praxiswissen, er bringt auch seine langjährigen persönlichen Erfahrungen ein. Ein ideales Buch für die Kitteltasche von Studierenden und Assistenzärzten, aber auch für Psychologische Psychotherapeutinnen und -therapeuten, Hausärztinnen und -ärzte, Krankenpflegepersonen und Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter in psychiatrischen Kliniken.

Was wir von Tieren mit psychischen Erkrankungen lernen können

Kennen Sie eine Katze mit Zwangssymptomen? Eine depressiven Gorilla? Einen Hund mit PTSD?

Laurel Braitman erklärt in diesem TED-Talk, dass es psychische Erkrankungen bei Tieren wirklich gibt, wie man sie behandeln kann, und was wir daraus über psychische Erkrankungen bei Menschen und deren Therapie lernen können. Die Gemeinsamkeiten sind größer, als man so denkt. Ein sehr unterhaltsames Video!

 

Der Zettelkasten 2.0 ist da!

Der Mensch lernt durch Wiederholung. Das gilt auch für den Erwachsenen. Die über alle Kontinente und alle Zeiten gültige unzweifelhaft beste Methode, Fakten oder kleine Informationseinheiten zu lernen, ist der gute alte Zettelkasten. Und das geht ja bekanntlich so:
  • Man nehme einen Schuhkarton und unterteile ihn mit Trennblättern in fünf gleich große Fächer.
  • Man nehme Karteikarten. Auf diese schreibe man auf die eine Seite einen Begriff oder eine Frage und auf die Rückseite die Erklärung beziehungsweise Antwort.
  • Man stelle neue Karten ins erste Fach. 
  • Man gehe jeden Tag alle Karten durch. Kennt man die Antwort, stellt man die Karte ein Fach weiter nach hinten. Kennt man sie nicht, stellt man die Karte ein Fach weiter nach vor. Ist sie schon im ersten Fach, bleibt sie dort.
  • Karten im fünften Fach hat man also fünf mal hintereinander richtig gehabt, die kann man archivieren. (oder wegwerfen).
  • So kann man alles lernen. 
Als leidenschaftlicher Vertreter eines papierlosen Lebens suche ich schon länger nach einem digitalen Zettelkasten, der genau diese Mechanik mit fünf Fächern und entsprechenden Wiederholungen simuliert. Natürlich müssen sich die Karten über iPhone, iPad und Computer synchronisieren, so dass man an der Bushaltestelle mal einfach sein Telefon zücken und ein paar Wiederholungen machen kann. Dabei soll die App natürlich noch gut aussehen und am Besten auch die Möglichkeit bieten, bei Quizlet oder so Karten anderer zu laden. 
Praktisch alle Apps, die ich gefunden habe, syncen oder haben die 5-Fächer-Mechanik. Das geht natürlich gar nicht.
Ich habe nur eine App beziehungsweise Plattform gefunden, die im Wesentlichen alle Kriterien erfüllt, nämlich die von Brainscape. Hier kann man am Mac oder PC auf der Website oder auf dem iOS Gerät eigene Karten in beliebig vielen Kategorien erstellen, die sich auf alle Geräte synchronisieren. Man kann einige englischsprachige Kartensätze kaufen, manche sind auch kostenlos. „The Brain“ und „Mac Shortcuts“ finde ich gut.
Die Mechanik ist so, dass man, nachdem man die richtige Antwort gegeben hat, einstufen kann, wie sicher man die Antwort wußte, und zwar auf einer Skala von 1-5. Je niedriger diese Einstufung ausfällt, desto häufiger präsentiert die App einem die gleiche Karte wieder. 
Ich verwende die Einstufungen wie früher die Fächer: Wenn ich eine Karte kenne, gehe ich jedes mal um einen Schritt höher. Wenn eine Karte mir total klar ist, lege ich sie gleich ins Fach 5.
Mir gefällt die App gut, für selbst erstellte Karten ist sie kostenlos und ich bin jetzt länger bei ihr geblieben.
Wie lernt ihr? Habt ihr eine andere App gefunden, die gut funktioniert? Tipps in den Kommentaren sind sehr willkommen!

Das Dopamin-System

Als Psychiater kann man nie genug über das Dopamin-System wissen. Es ist in mindestens sechs unabhängigen Bereichen in der Psychiatrie wichtig:

  1. Die neuen Abhängigen interessieren sich kaum noch für die guten alten Drogen wie Heroin oder LSD. Der Trend geht stark zu Amphetaminen, Methamphetamin und Kokain. Diese Substanzen erhöhen die Dopamin Konzentration im synaptischen Spalt. Also muss irgendwas dran sein, an diesem Dopamin.
  2. Es gibt eine Erkrankung, bei der eine zu hohe Dopamin-Konzentration eine Rolle spielt: Die Psychose. Aber im Gegensatz zum Kokain-Rausch ist sie nicht angenehm, obwohl beide Konstellationen, der Kokain-Rausch und die Psychose, scheinbar mit einer erhöhten Dopamin-Konzentration zu tun haben.
  3. Es gibt eine Erkrankung, bei der die Dopamin-Konzentration zu niedrig ist: Der Morbus Parkinson. Er führt zu ausgeprägten Bewegungsstörungen, aber auch zu Depressionen, Störungen der Konzentration, der Motivation und der Fähigkeit, Ziele zu verfolgen.
  4. Eine zweite Erkrankung, die möglicherweise mit einem funktionellen Dopaminmangel einher geht, ist das Krankheitsbild der Restless Legs. Die Beschwerden werden durch Dopamingabe typischerweise sofort durchgreifend gebessert, was dafür spricht, dass zumindest ein Teil der Ursache dieser Erkrankung ein funktioneller Dopaminmangel ist.
  5. Die Behandlung der Psychose erfolgt in der Regel mit Medikamenten, die hauptsächlich oder zumindest zu einem wesentlichen Teil die Verfügbarkeit von Dopamin im synaptischen Spalt reduzieren. Also wieder zu wenig Dopamin. Unerwünschte Wirkungen dieser Behandlungen können Anhedonie, Antriebsstörungen und Bewegungsstörungen wie beim M. Parkinson sein.
  6. Dopamin ist auch der im Hypothalamus freigesetzte prolactin inhibiting factor, das heißt, Medikamente, die Dopamin blockieren, führen zu einem Anstieg des Prolactins im Blut, was zur Galactorrhoe führen kann.

Sieht die Welt dopaminmäßig also so aus?

Dopaminmenge Klinische Erscheinung
Viel zu wenig Dopamin durch Krankheit M. Parkinson
Zu wenig Dopamin durch Neuroleptika Parkinsonoid / Akathisie
Etwas zu wenig Dopamin durch Krankheit Restless Legs
Normal Gesund
Zu viel Dopamin Psychose
Kokain: Exzessiv viel Dopamin Rush

Oder als Grafik:

© by Psychiatrietogo, licensed under creative commons 2.0
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Das ist natürlich zu stark vereinfacht. So wird die Bewegung hauptsächlich von den dopaminergen Neuronen in der substantia nigra gesteuert; Psychosen haben ihren Ursprung eher im mesolimbischen System und Kokain wirkt aus unerfindlichen Gründen sehr stark am Belohnungssystem, macht aber kaum Überbeweglichkeit, wie es eine zu hoch dosierte dopaminerge Parkinsonmedikation verursachen kann. Auch gibt es fünf verschiedene Dopaminrezeptoren (D1-D5), die sehr unterschiedliche Effekte vermitteln.

Wir fassen zusammen: Dopamin macht in der substantia nigra was mit Bewegung, im Hypothalamus was mit Prolactin und im mesolimbischen System was mit Psychose.

Aber wie sieht das jetzt genau mit Belohnung und Motivation aus? Wie funktioniert das mit dem Dopamin da? Das geht so:

Wenn Versuchstiere den Boden nach Nahrung absuchen, und plötzlich und unerwartet unter einer Abdeckung Nahrung finden, dann feuern 70% aller dopaminergen Neuronen. Boom.

Dopamin zeigt also an: Hier ist etwas besser als erwartet und in Zukunft sollte ich ähnliche Handlungen wiederholen.

So ähnlich klappt es auch beim Lernen: Wenn Versuchstiere jeweils zwei Bilder gleichzeitig gezeigt bekommen, und das Berühren eines der Bilder führt zu einer Belohnung (zum Beispiel einem Tropfen Zuckerlösung), und das andere Bild führt zu keiner Belohnung, sondern zur Unterbrechung des Programms, dann folgt in der Phase des Lernens auf die Belohnung eine Dopaminausschüttung. Auf das Auswählen des falschen Bildes mit ausbleibender Belohnung folgt eine verminderte Dopaminfreisetzung. Interessant ist, das nach einigen Durchgängen, wenn gelernt wurde: Das eine Bild bringt die Belohnung, das andere nicht, selbst nach dem Auswählen des richtigen Bildes keine Dopaminfreisetzung mehr folgt.

Ganz präzise kann man sagen, dass die ausgeschüttete Dopaminmenge mit dem Maß an Nicht-Erwarteter-Belohnung korreliert. Wenn ich Wasser finde, wo ich bislang keins vermutet hatte, dann schütte ich Dopamin aus. Wenn ich die richtige Lösung eines bislang ungelösten Problems finde, dann schütte ich Dopamin aus. Wenn ich merke: Immer hinter den gelben Türen ist die Süßigkeit, dann schütte ich Dopamin aus.

Dopaminerge Drogen

Drogen wie Kokain, Amphetamine oder Methamphetamin erhöhen die Konzentration von Dopamin im synaptischen Spalt. Das führt natürlich dazu, dass der Körper sich denkt: Super; hier läuft etwas besser als erwartet, dieses Verhalten wiederhole ich bei Gelegenheit. Macht also abhängig. Und mit etwas Pech psychotisch. Und vielleicht das Schlimmste: Es verdirbt einen für normale Glücksmomente.

Folgendes Experiment: Sie messen bei einer Maus im Labor die Dopamin-Konzentration im synaptischen Spalt im Belohnungssystem. Sie normieren den gemessenen Wert in Ruhe auf 100. Dann lassen sie ein hübsches Mäuseweibchen in den Käfig. Wenn sich die beiden gut verstehen, messen Sie noch mal die Dopamin-Konzentration, und zwar beim Orgasmus des glücklichen Mäuserichs. Der gemessene Wert beträgt für eine kurze Zeit 200.
Am nächsten Tag geben Sie dem Mäuserich einmalig Methamphetamin. Was schätzen Sie, wie hoch der Wert jetzt steigt? Die Antwort ist: Etwa 1250.
(Quelle: Hier findet sich eine sehr schöne kurze Video-Vorlesung zu diesem Thema. Bitte flash zulassen und schauen!)

Man könnte nun sagen: Na gut, dann ist Meth ja auch schön. Aber das Problem ist, dass sich das Belohnungssystem dauerhaft verändert; es wird unempfindlicher gegenüber Dopamin. Bereits nach der einmaligen Gabe des in der Wirkung verwandten Kokains kehrt der Ruhebereich des Dopaminsystems dauerhaft nicht mehr auf 100 zurück, sondern auf einen höheren Wert. Natürlich ohne begleitendes Glücksgefühl. Das Problem dabei ist, dass ein normales angenehmes Ereignis jetzt nicht mehr so viel ausrichten kann. Erst Kokain verändert den Wert wieder spürbar. Und nun ist die Maus wirklich abhängig. Und sie vernachlässigt alles andere. Das ist wahrscheinlich das Hauptproblem am Kokain…

Also: Einfach kein Kokain, Amphetamin oder Methamphetamin nehmen. Hält dauerhaft glücklicher…

Einen sehr guten, frei zugänglichen Übersichtsartikel aus der Zeitschrift „Neuron“ zur Wirkung von Dopamin auf das Belohnungssystem findet ihr hier: Übersichtsartikel zu Dopamin.

Neue Blogroll mit Psychiatrie-Blogs

Ich wollte schon lange eine Seite auf meinen blog nehmen, in der ich andere psychiatrische blogs verlinke. Insbesondere möchte ich deutschsprachige blogs von Betroffenen hier aufnehmen. Ich hoffe, dass andere Betroffene dann schneller einen blog finden, der zu ihnen passt.

Darüber hinaus hat die Psychiatrie ja irgendwie immer noch ungefähr so eine Stellung wie HIV. Niemand diskriminiert sie wirklich, aber eine unverkrampfte offene Diskussion findet zumeist nur unter Betroffenen selbst statt. Ich wünsche mir, dass der Austausch über psychiatrische Krankheiten und deren Therapie selbstverständlicher wird.

Die neue Seite findet ihr im Hauptmenü oder einfach unter diesem link: https://psychiatrietogo.wordpress.com/psychiatrie-blogs/

Natürlich nehme ich keinen blog ohne die Zustimmung des Blogautors auf.

Also: Wer selbst einen blog betreibt, in dem es zu einem guten Stück um eine bestimmte psychiatrische Krankheit geht, und einverstanden ist, dass ich den blog hier verlinke, mailt mir einfach den link des blogs und die Überschrift, unter der ich den blog einsortieren sollte, an psychiatrietogo2012@gmail.com. Ich schaue dann, ob der blog passend ist und verlinke ihn dann.

 

Gerhard Gründer: Warum ich Psychiater bin

Ich habe hier und hier schon zwei mal auf den sehr lesenswerten Mind and Brain Blog von Prof. Gerhard Gründer, Stellvertretender Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik an der Uniklinik RWTH Aachen verwiesen.

Aktuell hat er auf seinem YouTube Kanal ein Video veröffentlicht, dass Teil einer Video-Reihe ist, die er zusammen mit Studenten erstellt. In diesem Video-Interview erklärt er, warum er Psychiater geworden ist und was ihn daran besonders bewegt.

In meinen Augen ist das Video wirklich bemerkenswert, da Prof. Gründer gerade keine öffentlichkeitswirksamen polierten Plattitüden herunterbetet, sondern ein sehr ehrliches, sehr aufrichtiges Bild von sich und seiner beruflichen Identität zeichnet. Guckst Du!