Hilft das Auswerfen des Ankers gegen Seekrankheit?

Auf hoher See

Stell Dir vor, du bist mit einem kleinen Boot auf unruhiger, manchmal stürmischer See unterwegs. Wind und Wellen schütteln Dein Boot ganz schön durch, es schaukelt und schlingert, was das Zeug hält. Nach einiger Zeit wird Dir schlecht. Klarer Fall von Seekrankheit. Doch was tun? Du kannst ja nicht den Winden befehlen, nicht mehr zu wehen, den Wellen nicht sagen, sie sollten einen Bogen um Dein Schiff machen. Würdest Du den Anker auswerfen, in der Hoffnung, dass er Dein Schiff festhällt und so beruhigt?

Stimmungslabilität

Eine ähnliche Frage stellt sich immer wieder in der Psychopharmakotherapie emotionaler Schwankungen. Ein gesundes Auf und Ab der Gefühle ist ja gut und richtig. Manche Menschen leiden aber so stark unter den extremen Ausschlägen ihrer Gefühle, dass ihnen quasi vom ganzen himmelhoch-jauchzend  –  zu-Tode-betrübt innerhalb weniger Stunden ganz schlecht wird. Morgens noch beim Aufstehen super gut drauf, eine kritische Bemerkung vom Partner, schon geht’s mit Vollgas in die Verzweiflung. Mittags herrscht wieder Sonnenschein. Am Nachmittag dann der Gedanke: “Schaffe ich es, die Abgabefrist meiner Hausarbeit einzuhalten?” Selbstzweifel, Angst, Erstarren. Abends wieder Party.

Bipolare Erkrankung?

Die Aufgabe des Psychiaters ist es in solchen Fällen, zu diagnostizieren, ob es sich um eine bipolare Erkrankung handelt. Bipolare Erkrankungen sind typischerweise davon gekennzeichnet, dass der Patient im Abstand von wenigen Jahren, manchmal sogar nur von einigen Monaten oder sogar nur einigen Wochen depressive und manchmal manische Phasen erlebt. In den depressiven Phasen kommt er nicht gut aus dem Bett, ist wochenlang traurig gestimmt und hat zu nichts Lust. In den deutlich selteneren und meist viel kürzeren manischen Phasen ist er überdreht, schläft einige Tage lang nur wenige Stunden pro Nacht, hat tausend Pläne im Kopf und springt gedanklich von einem Thema zum nächsten.
Obwohl die bipolare Erkrankung eine ernste Gesundheitsstörung ist, ist sie gut behandelbar. Die Gabe stimmungsstabilisierender Medikamente kann dazu führen, dass deutlich seltener pro Jahr deutlich weniger ausgeprägte manische oder depressive Phasen auftreten. Vereinzelt gibt es bei bipolaren Patienten in manischen Phasen auch psychotische Symptome. In diesen Phasen helfen Neuroleptika gegen die psychotischen Symptome.

Oder Stimmungsschwankungen?

Man muss gedanklich trennen zwischen einer bipolaren Erkrankung und Stimmungsschwankungen während eines Tages. Zwar gibt es den Begriff des rapid cyclings, was sehr häufige Wechsel von echten manischen und echten depressiven Episoden beschreibt. Fälle von rapid cycling sind aber sehr selten und stets eingebunden in eine seit vielen Jahren bestehende schwere bipolare Erkrankung.
Ungefähr 10.000 mal häufiger sind einfache Stimmungsschwankungen. Davon ist auszugehen, wenn die Stimmung mehrfach am Tag schwankt, oft ausgelöst von kleinen Auslösern. Stimmungsschwankungen kommen oft bei der Borderline-Erkrankung vor und werden hier emotionale Labilität oder emotionale Instabilität genannt. Sie kommen aber auch bei einer Reihe anderer psychiatrischer Krankheitsbilder und vor allem auch bei ganz ganz Gesunden vor.

Pharmakotherapie von Depressionen und Manien

Wenn man nun einen Psychiater fragt, ob er etwas gegen Stimmungsschwankungen hat, dann muss er sich gedanklich also disziplinieren:

  • Handelt es sich um eine Depression? Dann helfen Antidepressiva.
  • Handelt es sich um eine bipolare Erkrankung? Dann helfen Phasenprophylaktika wie Lithium, Valproat und Carbamazepin.
  • Handelt es sich um eine Manie mit psychotischen Symptomen? Dann helfen Phasenprophylaktika und Neuroleptika.

Pharmakotherapie der Stimmungschwankungen

  • Oder handelt es sich um ganz normale Stimmungsschwankungen?

In diesem Falle helfen meiner Erfahrung nach Medikamente nicht. OK, man kann ein sedierendes Medikament verordnen, dann ist der Patient müder. Aber die Stimmung wird dadurch nicht stabiler. Viele Psychiater sind auch versucht, Phasenprophylaktika einzusetzen, denn die heißen auf Deutsch ja ganz verlockend “Stimmungsstabilisierer”. Aber das stimmt nur, wenn man den Verlauf eines Jahres betrachtet, nicht, wenn man den Verlauf eines Tages betrachtet. Und ganz am Schluss denken Psychiater offenbar immer wieder auch daran, Neuroleptika zu versuchen. Neuroleptika sind unzweifelhaft in der Behandlung der Psychose sehr wirkstarke Medikamente, aber sie haben nichts in der Behandlung von Stimmungsschwankungen zu suchen. Auch nicht vermeindlich so sanfte und so stark beworbene Neuroleptika wie Quetiapin (z.B. Seroquel®) oder Aripiprazol (Abilify®).

Anker lichten!

Es ist normalerweise total über das Ziel hinaus geschossen, wenn man bei Stimmungsschwankungen “adjuvant”, “augmentativ” oder “zur Unterstützung” Neuroleptika gibt. Diese greifen in den Dopaminstoffwechsel ein, und Dopamin braucht man für wichtige Dinge wie Freude, Motivation, Erkennen und Einschätzen von Bedeutung, Antrieb und ähnliches. Ein Neuroleptikum gegen Stimmungsschwankungen zu verordnen ist, wie bei einem Boot auf unruhigem Wasser, das schwankt und schleudert, den Anker zu Wasser zu lassen. Anker sind zwar toll, wenn das Boot in einer Realitätsverkennung denkt, es sei ein Vogel und sich in die Lüfte erheben will. Aber es verhindert nicht die Schwankungen durch die stürmische See. Das Boot bleibt durch den Anker zwar am Boden festgekettet, die Schwankungen bleiben aber bestehen.

Die Nebenwirkungen der Neuroleptika überwiegen im Falle von Stimmungsschwankungen meiner Erfahrung nach fast immer ihre erhofften, aber meist nicht realen Wirkungen.

Auf zu ruhigeren Wassern

Was hilft, ist, das Leben in ruhigere, stabilere Gewässer zu führen. Weniger Streß, etwas Vorplanung, Konflikte lösen, um sie loszuwerden.

Psychotherapie kann helfen, das zu bewirken. Psychotherapie kann auch wie ein Segelkurs wirken: Sie kann helfen, sich bei aufkommenden Böen eleganter in den Wind zu legen und ihn zu nutzen, um vorwärts zu kommen, statt von ihm herumgepustet zu werden, oder gar zu kentern.

P.S.: Geschrieben in PixelPumper. Läuft!

PixelPumper: Ein neuer WordPress Editor für den Mac

Man hat ja nie genug WordPress Editoren. Nachdem das gute alte Mars-Edit schon ziemlich in die Jahre gekommen ist, und das Schweizer-Messer Byword zwar Text gut publishen kann, aber keine Bilder verarbeitet (außer in der markdown-Syntax, aber dann muss das Bild anders zu WordPress hochgeladen werden), habe ich frisch im Mac-App-Store PixelPumper gefunden. Es ist noch in der Beta-Phase, dafür aber kostenlos.

Es hat ein frisches und intuitives Interface, das Lust auf´s Schreiben macht. Alle häufig verwendeten Funktionen sind nur einen click weit entfernt. Ich werde es mal ´ne Zeit lang verwenden, und dann berichten, wie es so läuft…

Choreographie bei akut psychotischen Patienten

Wenn ich mit einem akut psychotischen Patienten spreche, der unruhig, getrieben und ängstlich ist, dann halte ich zwei Regeln ein, um die Situation zu beruhigen:

  1. Ich halte eine Armeslänge Abstand. Das ist erforderlich, für den Fall, dass der Patient einen psychotisch motivierten fremdaggressiven Impuls bekommt.
  2. Ich bleibe selbst ganz ruhig stehen. Wie angewurzelt. Je unruhiger der Patient durchs Zimmer tigert, desto klarer stelle ich mir vor, dass meine Füße auf dem Boden festgeleimt sind. Solange ich Regel 1 einhalte, bewege ich mich nicht. Auch meine Gestik und Mimik halte ich ruhig. Sollten noch weitere Personen im Raum sein, was insbesondere bei der Aufnahme von psychotisch getriebenen, unruhigen Patienten erforderlich ist, sollten diese ebenfalls möglichst ruhig bleiben.

Natürlich ist auch das Gespräch wichtig, um einen psychotisch getriebenen Patienten zu beruhigen. Es sollte einfach und klar sein. Eine wertschätzende, umgestresste Begrüßung. Kurze, einfache Sätze. Einige klare Fragen. Sobald klar ist, was los ist, sage ich dem Patienten, wie ich die Lage einschätze, und wie ich ihm helfen kann. Und bitte ihn dann in ebenso kurzen, einfachen und klaren Sätzen, das zu tun, was jetzt notwendig ist; zum Beispiel eine Medikation einzunehmen oder etwas ähnliches. Meiner Erfahrung nach hilft diese Choreografie unruhigen Patienten am besten, sich zu orientieren. Sie sind ja selber schon unruhig genug. Dann sollen wenigstens der Arzt und das Behandlungsteam Ruhe ausstrahlen.

There´s an app for that…

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There´s an app for that: Ich habe hier zufällig ein Programm gefunden, dass Uninstall PKG 1.0 heißt; wer also sein Psych KG loswerden möchte, findet hier endlich ein einfaches Programm…

Die Psychotherapie der Zwangserkrankung oder wie man Laster loswird

Heute habe ich einen Workshop des bekannten, auf die Therapie von Zwangskrankheiten spezialisierten Therapeuten Hansrüdi Ambühl aus Bern besucht. Fassen wir zusammen:

Symptome der Zwangserkrankung

Bei Zwangskrankheiten gibt es in der Regel zwei voneinander abgrenzbare Symptombereiche:

A) Zwangsgedanken und Zwangsimpulse

Sie wirken aufputschend, das heißt, sie beunruhigen den Kranken, machen ihn nervös und verursachen Angst und große Anspannung. Beispiele sind:

Zwangsgedanken

  • “Habe ich, als ich vorhin mit dem Auto um die Ecke gebogen bin, einen Fahrradfahrer umgefahren, der jetzt hilflos am Boden liegt?”
  • “Habe ich den Briefkasten wirklich ganz vollständig ausgeleert, oder könnte ich irgendwie irgendwo im Briefkasten noch etwas übersehen haben?”

Zwangsimpulse

  • “Ich habe den Impuls, jemanden auf der Straße mit obszönen Begriffen anzuschreien.”
  • “Wenn mir auf der Landstraße ein Auto entgegen kommt, habe ich manchmal den Impuls, das Steuer umzureißen und auf die entgegenführende Spur zu fahren, frontal ins andere Auto.”

B) Zwangsrituale

Sie wirken auf den Betroffenen beruhigend. Es sind Handlungen, die der Patient für sich erfunden hat, von denen er gemerkt hat, dass sie ihm helfen, die Anspannung zu reduzieren, die die Zwangsgedanken und Zwangsimpulse in ihm ausgelöst haben. Durch die Zwangsrituale kommt er wieder zur Ruhe. Beispiele sind:

  • Händewaschen
  • Kontrollieren
  • Dinge abzählen
  • Kognitive Rituale (z.B. In Gedanken minutiös nachvollziehen, wie man den Briefkasten ausgeleert hat)

Die Zwangsrituale werden ausgeführt, um die Angst und Anspannung, die die Zwangsgedanken und Zwangsimpule ausgelöst haben, abzubauen.

Therapie der Zwangserkrankung

Das übergeordnete Prinzip der Psychotherapie bei Zwangskrankheiten ist, dem Patienten zu vermitteln, dass er sich nicht zum Sklaven seiner Zwangsgedanken und Zwangsimpulse machen lassen muss. Und dass er Zwangsgedanken und Zwangsimpulse haben kann, ohne mit einem Zwangsritual reagieren zu müssen. Der erste Teil der Therapie ist daher die

Psychoedukation

  • Jeder hat manchmal unanständige, aggressive oder unangemessene Gedanken. Das ist ganz normal.
  • Man kann das Denken nicht so gut willentlich steuern. Manche Gedanken kommen einfach.
  • Gedanken sind keine Handlungen. Niemand nimmt wirklich einen Schaden, wenn der Patient lediglich einen Gedanken oder Impuls hat. Er tut es ja nicht. Gerade Zwangskranke wollen ja um gar keinen Preis eine sozial unangemessene Handlung begehen. Daher passiert das auch praktisch nie.

Veränderung der Bewertung der Zwangsimpulse

Die Lastwagenmethapher:  Zwangskranke denken oft, dass sie sich ihren Zwangsgedanken und Zwangsimpulsen mit voller Kraft entgegenstellen müssen, damit diese nicht wahr werden. Das ist, wie wenn sie einen Lastwagen auf der Straße sehen, sich auf die Straße vor den Lastwagen stellen und mit vorgestreckten Händen versuchen, diesen aufzuhalten. Klappt natürlich nicht. Statt dessen rät Dr. Ambühl ihnen, sich gedanklich einen Campingstuhl zu nehmen, sich drauf zu setzen, wie man sich an den Straßenrand setzen würde, und jedesmal, wenn ein Zwangsgedanke kommt, einen Strich auf einer (realen) Strichliste zu machen. Bis der Gedanke vorbei gezogen ist. Dann kommt vielleicht schon der nächste Zwangsgedanke, und dann macht man wieder einen Strich auf seiner Strichliste. Am Abend zählt man die Striche. So lernt man, die Sache viel gelassener zu sehen. Dies führt zu einer ganz anderen Bewertung der Bedeutung der Zwangsgedanken und Zwangsimpulse, so dass im Laufe der Zeit auch immer weniger Striche am Abend auf der Liste erscheinen.

Reaktionsverhinderung

Das zweite therapeutische Prinzip ist es, zu erlernen, dass man eine Situation, in der der Patient Zwangsgedanken oder Zwangsimpulse erlebt, auch aushalten kann, ohne sein Zwangsritual zu vollziehen. Das ist zwar zunächst mal sehr unangenehm, aber irgendwann hört diese Anspannung auf. Und je öfter man das macht, desto weniger stark bildet sich diese Anspannung beim nächsten mal aus. Der Körper habituiert. Wichtig ist, dass man bei der Exposition mit einer auslösenden Situation immer auch eine Reaktionsverhinderung durchführt. Praktisch sieht das zum Beispiel so aus:

Hr. Z. hat ausgeprägte Ängste, er könne sich beim Berühren von Türklinken mit Bakterien infizieren. Jedes Mal, wenn er in einem öffentlichen Gebäude eine Türe anfasst, muss er sich danach mehrfach nach einem ganz festen Ritual die Hände waschen.

Sein Therapeut vereinbart mit ihm, eine Expositionsübung mit Reaktionsverhinderung durchzuführen. Der Patient soll die Türklinke des Praxisraumes anfassen. Danach soll er aber gerade nicht seine Hände waschen. Es wird eine Anspannung im Patienten entstehen. Diese soll er so lange aushalten, bis sie abklingt. Das ist manchmal nach 30 Minuten der Fall, manchmal nach 3 Stunden. Wichtig ist, dass der Patient so lange aushält, bis die Anspannung weitgehend abgeklungen ist. Wenn er erlebt, dass sie auch ohne Zwangsritual abklingt, und diese Übung alleine immer wieder durchführt, wird er recht bald einen guten Teil seiner Zwangsrituale los sein.

Pharmakotherapie

Zusätzlich zur Psychotherapie gibt man in der Regel SSRI im Rahmen der Pharmakotherapie der Zwangserkrankung.

Darf ich Dich auf einen kurzen Besuch in die Drogenszene einladen…

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Der ordentliche Psychiater geht ja eher mal in ein gepflegtes Kammerkonzert als auf eine fesche Speed-Party, und das ist auch gut so. Von Zeit zu Zeit kann es allerdings recht aufschlussreich sein, sich mal kurz in wenig moderierten Foren herumzutreiben, in denen User über ihre Erfahrungen mit Drogen, namentlich illegalen Drogen sprechen. Ich selbst lerne da einiges, was ich nicht so einfach in der Visite erfragen kann oder was mir auch nicht einfach so erzählt wird.

Ein Forum, in dem recht offen gesprochen wird, ist zum Beispiel dieses Schweizer Forum hier:

http://www.eve-rave.ch/Forum der Seite www.eve-rave.ch

Ein Deutsches Forum ist zum Beispiel

http://forum.suchtmittel.de der Seite www.suchtmittel.de.

Geh mal gucken. Der Besuch dieser Seiten ist gesundheitlich unschädlich. Allerdings kann er den einen oder anderen (zum Beispiel mich) streckenweise etwas desillusionieren. Und ich möchte natürlich niemanden ermutigen, selbst tatsächlich Drogen zu nehmen oder damit zu experimentieren. Die Gefahren werden in solchen Foren natürlich ernsthaft unterschätzt. Aber als Informationsquelle für Profis in der Suchthilfe sind sie interessant.

Kennt jemand eine weitere deutsche Seite, die interessant ist?

Neue Krankheit gefunden: Hedonophobie

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Hedonophobie

Einleitung und Historie

Beim Kaffeeklatsch im erweiterten Freundeskreis musste ich eine neue Krankheit entdecken: Die Hedonophobie. Meine Rechtschreibkorrektur kennt sie noch nicht, google kennt lediglich einige wenige Fundorte; im großen und ganzen ist dies Krankheitsbild unbekannt.
Dabei kenne allein ich schon eine ganze Reihe von Menschen, die eine mehr oder minder ausgeprägte Form davon haben.
Der Name leitet sich von (hedon = Freude, Spaß) und (Phobie = Angst vor) ab, also ist die Hedonophobie die Angst davor, lustvolle Dinge zu tun.

Symptomatik

Der Hedonophobiker meidet zunächst einmal alles genussvolle Essen. Er bevorzugt es, Kalorien zu zählen, Fettanteile zu reduzieren und ab der zweiten Brötchenhälfte über das gesunde Maß nachzudenken. Ein mehrgängiges Essen ist eben so suspekt wie ein Glas Rotwein oder gar das ganz sündige Dessert, letzteres dürfen auch die eigenen Kinder nicht essen; man will ja keine Fettsucht schüren.

Ein tatenloser Abend im Bett ist ebenso gefürchtet; besser man besucht das Fitness-Studio, dann kann man schon mal auf Ablass von der Sünde des Essens hoffen.

Auch einfach mal ins Kino gehen oder sich mit Freunden in der Kneipe treffen ist suspekt. Man könnte ja was an der Entwicklung der eigenen Projekte machen, das wäre in jedem Falle mal sinnvoller.

Die Tage erscheinen dem zunehmend spaßbefreiten Hedonophobiker anstrengend, da der rigide Kurs durch die selbstgewählten Verpflichtungen keine Zeit mehr für Spaß und Freude lässt.

Epidemiologie

Die Hedonophobie beginnt in der Regel nicht vor dem 33 Lebensjahr und betrifft eher Menschen, die Zeit haben, über den Sinn ihres Lebens lange nachzudenken. Sehr schwere Fälle sind bei AkademikerInnen im vierten Lebensjahrzehnt und bei introvertierten Mönchen bekannt. Das Krankheitsbild lässt oft ab dem fünften Lebensjahrzehnt nach, ohne ganz zu verschwinden.

Therapie

Eine ursächliche Therapie ist nicht bekannt. Frühere Versuche von Psychotherapeuten mit sogenannten „Genussgruppen“, in denen notorisch Klangschalen geschlagen wurden und an altem Vanillepulver gerochen werden musste, waren ohne nachweisbaren Effekt.
Als Verhaltenstherapeut empfehle ich ein Vorgehen im Sinne der systematischen Desensibilisierung. Zum Frühstück erst mal mit einem weißen Brötchen statt dem Schwarzmehlpuk starten, im Verlaufe des Tages shoppen gehen, ohne etwas zu brauchen, sich am Wetter freuen und dann am Nachmittag mal laut lachen. Zum Abend ein Glas Wein.
Ganz Mutige dürfen danach laut zu ihrem Partner sagen: Ich habe das Leben heute genossen. Der Tag war schön. Und dann einfach weiter fernsehen.

Wenn Du den heutigen Tag noch einmal leben dürftest, was würdest Du dann anders machen?

Man hört ja oft den völlig schwachsinnigen Vorschlag, den Tag so zu leben, als sei es der letzte Tag des eigenen Lebens. Wenn ich wüßte, dass heute mein letzter Tag wäre, würde ich erst mal 30 Kugeln Eis essen und dann einige fragwürdige Investitionen tätigen. Aber heute ist hoffentlich nicht mein letzter Tag, also verhalte ich mich besser auch nicht so.

Nun habe ich auf dem wirklich interessanten amerikanischen Podcast “Beyond the to do List” in dieser Folge mit dem berühmten amerikanischen Bestsellerautor Donald Miller über Focus, Schaffen, die Geschichte des eigenen Lebens und wie man sie selbst in die Hand nehmen kann, folgenden Tipp gehört:
Beginne jeden Tag mit einer kurzen Planung. Lege fest, welche wichtigen Projekte heute Deine Aufmerksamkeit erhalten. Fokussiere Dich auf die wichtigsten maximal drei Projekte. Soweit ist das alles uralt, sicher richtig und total uninteressant.
Und dann empfiehlt Miller, dass man jeden Tag, wenn man ihn morgens plant, sich fragt:

Wenn Du den heutigen Tag noch einmal leben dürftest, was würdest Du dann anders machen?

Das fragt man sich, bevor man den Tag beginnt. Das Ergebnis ist, dass es viel leichter fällt, sich auf die wirklich wichtigen Dinge zu konzentrieren, im Hier und Jetzt zu bleiben und die Beziehung zu seinen wirklich wichtigen Menschen noch intensiver zu gestalten.
Interessanter Trick. Werde ich eher ausprobieren als den mit den 30 Kugels Eis…

Petition beim Deutschen Bundestag zur Verschiebung der Einführung des neuen Vergütungssystems in der Psychiatrie

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Für die Vergütung stationärer Leistungen in der Psychiatrie ist ab nächstem Jahr ein neues Vergütungsmodel geplant. Bis jetzt ist es so, dass jedes psychiatrische Krankenhaus für jeden Patienten einen bestimmten Tagessatz erhält. Dieser Tagessatz ist unabhängig von der Diagnose, der Schwere der Krankheit und der Dauer der Behandlung. Die Tagessätze unterscheiden sich je nach Krankenhaus, so ist es möglich, dass ein Krankenhaus, das die regionale Pflichtversorgung übernimmt, einen höheren Tagessatz erhält, als ein Psychiatrisches Krankenhaus, das sich auf geplante Aufnahmen spezialisiert.

Ab dem 1.1.2015 soll nun – nach einem Stufenplan mit zunehmender Verbindlichkeit schrittweise eingeführt – ein neues Vergütungssystem gelten, dass sich an die DRG´s der somatischen Medizin anlehnt. Nach diesem System erhält das Psychiatrische Krankenhaus eine Vergütung, die je nach Hauptdiagnose, Nebendiagnosen, Betreuungsaufwand und Behandlungsdauer für jeden Tag einer Behandlung unterschiedlich sein kann. Allen Diagnosegruppen gemeinsam ist allerdings, dass die erste Woche noch relativ viel Geld gibt, mit jeder weiteren Behandlungswoche allerdings der Tagessatz immer weiter reduziert wird.

Das neue System hat einige Vorteile. So gleicht es nicht begründete Unterschiede in den Tagessätzen unterschiedlicher Krankenhäuser aus. Auch kann man einen erhöhten Betreuungsaufwand durch eine erhöhte Vergütung abbilden.

Es ist aber an sehr vielen Stellen noch unausgereift und teilweise mit potentiell für die Patientenversorgung nachteilhaften Effekten versehen:

  • Die von Woche zu Woche niedrigeren Tagessätze vermitteln einen Anreiz zu noch kürzeren Behandlungszeiten, was angesichts einer durchschnittlichen Behandlungszeit von etwa 21 Tagen nicht mehr angemessen erscheint.
  • Die Vergütung hängt mehr von der Diagnose ab als von der Schwere der Erkrankung. Das mag in der somatischen Medizin meist im Durchschnitt angemessen sein (die operative Behandlung eines nicht durchgebrochenen entzündeten Blinddarms kostet immer etwa gleich viel). In der Psychiatrie sagt aber beispielsweise die sehr häufige Diagnose „Schizophrenie“ genau gar nichts über die Schwere der aktuellen Krankheitsepisode aus. Auch nichts über die sinnvolle Dauer der Behandlung.
  • Die Psychiatriepersonalverordnung (PsychPV) soll abgeschafft werden. Dadurch droht ein Abbau des Personals.
  • Das PEPP System berücksichtigt nicht die Kosten der regionalen Pflichtversorgung.

Es gibt nun eine Online-Petition beim Deutschen Bundestag, die Einführung des PEPP-Systems zumindest bis 2017 zu verschieben, um die aktuellen Probleme und möglichen Systemfehler zu korrigieren. Hier geht´s zur Petition:

https://epetitionen.bundestag.de/content/petitionen/_2013/_10/_25/Petition_46537.html

Wie oft wird schon ein Altersheim in Essen in einem amerikanischen Geek-Blog erwähnt?

Es war vielleicht ein kleiner Umweg durchs weltweite Netz, aber es war die amerikanische Nerd-Fun-Seite http://geekologie.com/2014/01/german-retirement-home-recreates-famous.php, die mich heute morgen auf die Internetseite des Essener Altersheimes der Contila-Gruppe brachte. Die haben einen Fotokalender erstellt, in dem deren Bewohner in die Rolle bekannter Filmstars schlüpfen. Den Kalender könnt ihr hier als PDF kostenlos laden.

Psychopharmakotherapie im Alter vereinfachen: Die Priscus Liste

Psychopharmakotherapie im Alter vereinfachen: Die Priscus Liste

Psychopharmakologie bei älteren Patienten bedeutet zunehmend, Wechselwirkungen und gefährliche Nebenwirkungen gegen den möglichen Nutzen einer Medikation abzuwägen. Nicht wenige Patienten erhalten wirklich viele verschiedene Substanzen von unterschiedlichen Ärzten verordnet. Oft haben die Medikamente untereinander Wechselwirkungen.

Die hier verlinkte Priscus-Liste ist eine für die Schreibtischunterlage zusammengefasste Version dieser vollständigen Liste, die dabei helfen kann, typische Vereinfachungen und Verbesserungen in der psychiatrischen Medikation gerade älterer Patienten zu identifizieren. In der linken Spalte stehen nach Gruppen geordnet möglicherweise problematische Medikamente, in der mittleren Spalte stehen die gegen diese Substanzen sprechenden Bedenken, und in der rechten Spalte stehen mögliche Ersatzpräparate.

Sehr sinnvoll.

Die Arztbibliothek der KBV und der BÄK

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Kennst Du die Online-Arztbibliothek der KBV und der Bundesärztekammer? Die kannte ich bis heute nämlich nicht. Dabei findet man dort sehr übersichtlich eine ganze Reihe von wertvollen Informationen und links. Die Bibliothek ist aufgeteilt in die Bereiche

Ich selbst suche oft nach geeigneten Patienteninformationsbroschüren, wie zum Beispiel dieser neuen Patienteninformation zu Depressionen, die es neben der Fassung in deutsch auch in arabisch, englisch, französisch, russisch, spanisch und türkisch gibt.

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Die Themen reichen sowohl bei den Leitlinien, als auch bei den Cochrane Reviews, den Online Fortbildungen und den Patienten-Informationen über das gesamte Gebiet der Medizin, von A wie Adipositas bis Z wie Zystische Fibrose (das die Autokorrektur zur Mystischen Fibrose macht, auch nicht schlecht… :-)).

Guck mal rein: http://www.arztbibliothek.de

RSS-Feed für Kommentare

Die Kommentarfunktion auf diesem blog wird erfreulicherweise sehr lebhaft genutzt. Wer die Kommentare ebenso als RSS-feed abonnieren möchte, wie bislang die Beiträge, kann das jetzt ganz einfach per Mausclick tun: https://psychiatrietogo.wordpress.com/comments/feed/.

Damit es auch in Zukunft einfach bleibt, habe ich am rechten Rand unter dem link auf den RSS-feed für die Beiträge nun einen link auf den RSS-feed der Kommentare gesetzt.

Authentizität versus Neutralität

Eine Grundsozialisation in der Psychotherapie lautete früher, dass der Psychotherapeut sich “Neutral” zu geben habe, das heißt, dass er alles, was der Patient ihm sagte, wie eine weiße Projektionsfläche auf sich scheinen ließ, ohne es zu bewerten, ohne eine eigene Stellung zu beziehen und ohne sich selbst zu positionieren. Erlaubt waren lediglich gleichschwebende Akzeptanz und uneingeschränktes Verständnis. Explizit gewünscht war und ist immer noch die “Validierung von Gefühlen”, also etwa die Aussage: “Ich kann sehr gut nachempfinden, dass sie sich hierdurch verletzt gefühlt haben.” Also grundsätzlich Zustimmen, Akzeptieren und sich selbst und seine eigenen Wertungen zurückhalten.
Freud hat das noch so durchgezogen.

Aber in einer heutigen Einzeltherapie muss man sich schon oftmals fragen, ob man dem Patienten mit dieser “Therapeutischen Abstinenz” wirklich den größten Dienst erweist.

Spätestens in der Paartherapie wird man aber regelmäßig auf die Probe gestellt, wenn die beiden Partner grundsätzlich unterschiedliche Varianten ein- und derselben Geschichte berichten. Dann beginnt der Therapeut gerne einen gewissen Eiertanz: “Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Sie, Hr. X, sich ungerecht behandelt gefühlt haben, und zugleich Sie, Fr. X, das Gefühl gehabt haben, ihr Mann habe übertrieben reagiert…”
Kann man alles machen.

Aber dann gibt es irgendwann mal Situationen, zu denen man eine nicht zu leugnende innere Haltung hat, die man auch ganz gerne äußern würde. Extrembeispiel: Hr. X schlägt seine Frau. Da möchte ich dann nicht mehr sagen: “Hr. X, ich kann mir sehr gut vorstellen, dass sie sich immer, wenn sie betrunken sind, von alltäglichen Aussagen ihrer Frau gekränkt fühlen, und dann einfach mal zuschlagen.”

Spätestens hier ist jeder automatisch einverstanden, dass es mit der Neutralität auch so seine Grenzen hat, und dass jetzt mal “Authentizität” gefragt ist; also schlicht und ergreifend zu sagen, was man wirklich empfindet und denkt.

Authentizität gilt auch ganz grundsätzlich als gut und richtig. Aber, um mal die Wahrheit zu sagen, “Authentizität” auf der einen Seite und “Neutralität” oder “Therapeutische Abstinenz” auf der anderen Seite, schließen sich oft aus.

Ich selbst finde schon, dass man das, was einem ein Patient sagt, erst mal so annehmen soll, wie er es sagt. Auch Validierung ist gut, wo sie angemessen ist. Und eine Paartherapie kann man nicht sicherer an die Wand fahren, als indem man sich auf die Seite des einen und gegen den Anderen schlägt.

Aber wenn Sie mich fragen, sollte nach einem Zugang unter den Zeichen der Neutralität dann eine wertschätzende Authentizität folgen. Sonst kann ich als Patient doch gleich mit einer Flasche Weichspüler sprechen. So viel Mut darf man meiner Erfahrung nach als Psychotherapeut ruhig zeigen. Wenn ich mir einen Psychotherapeuten aussuchen müßte, würde ich höfliche und wertschätzende Umgangsformen voraussetzen. Und dann sollte er ehrlich zu mir sein. Authentisch. Das hielte ich schon aus.

Ich glaube, dass Therapien sehr oft genau dann vorwärts kommen, wenn die beiden Menschen, die in der Therapie zusammen kommen (Patient und Therapeut), ehrlich zueinander sind. Wertschätzend und ehrlich.

Welche Erfahrungen habt ihr mit Psychotherapeuten gemacht? Was ist oder wäre Euch wichtig?

Der Zweck des Sports liegt im Sport, nicht im Abnehmen

Sport macht Spaß und ist gesund. Der menschliche Körper ist schlicht und ergreifend darauf angelegt, sich zu bewegen. Setzt man so einen Körper den ganzen Tag auf einen Stuhl, fehlt ihm was. Das ist dann keine artgerechte Haltung, das ist weder gesund noch schön.
Bewegung führt dazu, dass ich meinen Körper auf eine ganz andere Art spüre, als ohne Bewegung. Ich nehme ihn viel intensiver wahr und habe einen unmittelbareren Kontakt zu meinem Körper.

Zusätzlich passieren bei fast allen Sportarten eine Reihe von zusätzlichen Dingen. Ich selbst laufe am liebsten. Ich berichte daher über meine Wahrnehmungen beim Laufen.

Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede

Wenn ich laufe, durchlebe ich auf den unterschiedlichen Streckenabschnitten unterschiedliche Phasen.

  • Wenn ich plane, am nächsten Tag oder am Abend zu laufen, kann ich schon die Vorfreude genießen. Ich weiß dann, dass es nicht mehr lange dauert, bis ich die U-Bahnen, Arbeitstische und Bürostühle verlassen und frei durch die Gegend laufen darf. Das macht das unbewegte Leben sehr viel besser aushaltbar.
  • Laufe ich dann endlich los, fühle ich mich auf den ersten Kilometern, als ob ich über den Asphalt fliegen würde. Ich freue mich, frei zu sein, laufen zu dürfen und nichts anderes zu tun zu haben, als mir die Landschaft anzuschauen und immer wieder einen Schritt vor den anderen zu setzen.
  • Nach ein paar Kilometern berühren meine Füße dann auch gefühlt den Boden. Es geht nicht mehr ganz so leicht, dafür auf eine ganz besondere Art scheinbar automatisch. Wie eine gut geölte Maschine laufe ich weitere Kilometer. Meine Gedanken sind noch ganz frei, ich denke meist an nichts bestimmtes, höre Musik oder einen podcast, nur manchmal denke ich in Ruhe über etwas nach, was sonst in der Enge des Alltags nicht gut überlegt werden kann. Zumeist komme ich beim Laufen auf andere, weitreichendere Gedanken, als wenn ich irgendwo sitze.
  • Nach etwa 15 Kilometern fängt das Laufen an, mir mehr abzuverlangen. Ich beginne dann, an das Laufen selbst zu denken. Ich nehme viel stärker als zuvor wahr, wie kalt es ist, ob es regnet, wie heiß mein Körper ist, ob es irgendwo zwickt oder schmerzt. Wenn ich auf dem Laufband laufe, sehe ich mehr auf die Uhr, den Entfernungsmesser und laufe oft von einem Kilometer zum nächsten, von einer Minute zur nächsten. Zu dieser Zeit höre ich keine podcasts mehr, nur noch Musik, und zwar immer die gleichen paar Alben… (Gegenwärtig höre ich oft die Game of Thrones Filmmusik, funktioniert für mich sehr gut beim Langstreckenlauf…)
  • Wenn ich diese Phase einige Zeit durchhalte, kommt bei mir zuverlässig das „runners high“. Ich fange an zu lächeln, habe keine Schmerzen, beschleunige über etwa einen Kilometer, fühle mich absolut frei, glücklich und gut und könnte die ganze Welt umarmen. Das sind die gesündesten und billigsten Opioide, die man kriegen kann. Es geht nichts über so eine gute, selbst erarbeitete Endorphindusche.
  • Danach kann es wieder etwas härter werden, weiter zu laufen, aber im Training sind es dann meist nur noch wenige Kilometer, bis ich ohnehin an meinem Ziel bin.
  • Im Marathon kommen dann noch einige weitere Kilometer, in denen ich gegen den inneren Schweinehund kämpfen muss, als hinge mein ganzes weiteres Schicksal davon ab. Die letzten 8 Kilometer eines Marathons machen mich nicht glücklich, sie sind nicht angenehm, sie schmerzen, quälen und zermürben. Aber sie machen stolz.
  • Wenn ich schließlich das Ziel, das ich mir zuvor vorgenommen hatte, erreicht habe, auch wenn es nur 10 Kilometer waren, erlebe ich ein ganz unmittelbares Erfolgserlebnis; ich bin stolz, glücklich und immer angenehm entspannt.

Ein wunderbares Buch, indem der berühmte Autor Haruki Murakami über seine Erlebnisse beim Laufen berichtet, ist dieses hier: „Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede.“ Ich kann es sehr empfehlen.

In unserer auf´s Körpergewicht fixierten Gesellschaft gibt es ja oft den irrigen Gedanken, Sport sei die notwendige Geißel, um das stets als zu hoch empfundene Körpergewicht zu reduzieren. Ende des Sinns, Zwecks und Nutzens des Sportes.

Das ist in zweierlei Hinsicht falsch.

  • Zum einen nimmt man nicht ab, wenn man mehr Sport macht. Man hat dann einfach mehr Hunger und isst mehr. Erst wenn man bei mehr Sport trotz mehr Hunger nicht mehr isst, nimmt man vorübergehend ab.
  • Zum zweiten hat man dann all das nicht auf der Rechnung, was Sport sonst noch bringt. Auch wenn man kein einziges Gramm abnimmt, ist es äußerst belohnend, regelmäßig Sport zu treiben.

In dem sehr sehenswerten TED-Talk: „Why dieting doesn´t usually work“ (ich darf den empfehlen, ich mache gerade eine Diät…), zeigt Neurobiologin Sandra Aamodt eine Studie, die belegt, dass Übergewichtige den gleichen Nutzen für ihre Gesundheit haben, wie Normalgewichtige, wenn sie

  • nicht Rauchen
  • sich regelmäßig bewegen
  • sich ausgewogen ernähren und
  • Alkohol nur maßvoll trinken

Der Nutzen der Einhaltung dieser einfachen Regeln tritt völlig unabhängig vom Gewicht ein, auch bei verbleibendem Übergewicht.

Mein Fazit:

Der Zweck des Sports liegt im Sport, nicht im Abnehmen.

Kann denn Liebe Sünde sein? Nimm teil an der Online-Petition gegen Homophobie!

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Eine bundesweite, homophobe Petition will verhindern, dass Schueler/innen in Baden-Wuerttemberg Toleranz fuer die Vielfalt von Lebens- und Liebesformen lernen. Rechte Kreise trommeln fuer diese mit Erfolg: Schon 100.000 Menschen haben unterschrieben. Das koennen wir so nicht stehen lassen!

Ich habe gerade einen Appell gegen Homophobie und fuer Toleranz unterschrieben. Unterzeichne auch Du den Campact-Appell:

https://www.campact.de/Vielfalt-Aktion

Für jede Sorte Daten eine spezialisierte Cloud

Ich habe das [schon mal][1] angesprochen: Die Dateien auf deinem Computer sind wertvoll. Du solltest Vorsorge treffen, sie nicht zu verlieren. Stell Dir vor, morgen kommt ein Dieb, der deinen Laptop und deine externe Backup-Festplatte klaut. Was ist dann unwiederbringlich verloren? 99 Prozent deiner Hochzeitsfotos? 99 Prozent der Fotos deiner Kinder? Der Text deiner Diplomarbeit? Deine gekaufte Musik? Gerade die Fotos sind unwiederbringliche Erinnerungen, die es verdient haben, besser geschützt zu sein. ## Was für Dateien hast du auf deinem Computer? Denken wir es mal konsequent durch: Du hast auf Deinem Computer folgende Arten von Daten:

  • Dokumente
  • Fotos und Videos
  • Musik
  • Filme
  • Kontakte, Kalender, Emails, Notizen
  • Software
  • Passwörter

Stimmt´s? Das sind die Kategorien, in die alle Dateien auf Deinem Computer eingeordnet werden können, oder? ## Wie sichere ich nun jede einzelne dieser Datei-Kategorien? Ich selbst habe mich entschieden, alle relevanten Daten sowohl in einer spezifischen Cloud als auch als lokale Kopie auf meinem Rechner zu haben, und von dieser lokalen Kopie mache ich regelmäßige Backups. Gehen wir mal jede Kategorie einzeln durch: ### Dokumente Dokumente aller Art (Texte, Tabellen, PDF´s, etc.) bewahre ich schon seit Jahren in einem [Dropbox][2]-Ordner auf. Dropbox hält alle Dokumente auf allen verschiedenen Rechnern synchron, speichert natürlich die aktuelle Variante online und funktioniert einfach einwandfrei. Klare Sache. Dropbox ist unlängst deutlich preiswerter geworden und nimmt jetzt nur noch 10 € pro Monat für 1 TB Online-Speicher. Das ist cool. ### Fotos und Videos Nachdem Everpix pleite gegangen ist, bin ich mit allen meinen Fotos und persönlichen Videos zu [Picturelife][3] gegangen. Dort kann man für 5$ im Monat 75 GB an Fotos und Videos speichern. Die sind dann sicher und man kann sie zu Not, wenn der Dieb alle lokale Hardware geklaut hat, einfach wieder downloaden und hat so nichts verloren. Außerdem kann man von überall einfach mit einem Browser oder einer mobilen App auf dem iPad oder iPhone auf alle seine Fotos und Videos zugreifen. Und mann kann Alben oder einzelne Fotos kinderleicht mit anderen teilen. Natürlich habe ich auch eine lokale Kopie meiner Fotos auf einem Laptop, ich verwalte sie mit iPhoto. ### Musik [iTunes Match][4]. Alle Musik immer überall dabei. Zusätzlich iTunes Library auf der Platte. ### Filme Guckst Du am besten im Kino. ### Kontakte, Kalender, Emails, Notizen Verwalte ich alle über die Apple-eigene iCloud. Diese legt (im versteckten Verzeichnis Library) lokale Kopien an, die sich als Backup sichern lassen. ### Software Lade ich nach Möglichkeit im App-Store, von da aus lässt sie sich jederzeit wieder downloaden und installieren. Wenn ich sie auf der Homepage des Herstellers kaufe, speichere ich mir die Download-Seite und den Lizenzcode in 1Password. ### Passwörter [1Password.][5] Großartiges Programm. Es synchronisiert eine Datenbank mit allen meinen Passwörtern, Zugangscodes, Softwarelizenzen, Kreditkartennummern, Fahrradschlosskombinationen und allem anderen in einer einzigen Datenbank, die ich von jedem meiner Computer und mobilen Gerät aus öffnen kann. Wenn ich aus 1Password eine Webseite öffne, trägt das Programm meinen Benutzernamen und mein Passwort automatisch ein. Ich muss mir nur noch ein, dafür sehr gutes Passwort merken, nämlich das, mit dem ich meine die 1Password App öffne. Alle anderen Passwörter sind zufallsgeneriert, kompliziert, einmalig und somit sicher. ### Backups Und alle lokalen Kopien meiner Dateien sichere ich alle sechs Monate auf einer externen Festplatte (Synology DS214play) und zusätzlich über Time Machine. Zwischenzeitlich hatte ich den Online-Backup Service [Crashplan][7] verwendet. Allerdings war hier der Upload sehr langsam. Dann habe ich mal mit [Backblaze][8] experimentiert, inzwischen habe ich mich aber von beiden Diensten wieder abgemeldet und erledige meine Backups selbst. Eine Festplatte (Transporter) habe ich an einem anderen Ort als Zuhause, so dass ich auch ein of-site-backup habe. ## Fazit Ich habe jede Dateiart in einer spezialisierten Wolke. Das ermöglicht mir den Zugriff von überall, auch von mobilen Geräten, sowie das Teilen mit Freunden. Zusätzlich habe ich von allen Dateien eine lokale Kopie, die ich lokal und of-site sichere. Damit ist jeder Paranoia, ich könnte Dateien verlieren, Einhalt geboten. [1]: https://psychiatrietogo.wordpress.com/2013/10/16/bewahre-deine-erinnerungen-sorgfaltig-auf/ [2]: https://db.tt/9i1Z7iPd [3]: https://picturelife.com/?love=fRul4DQv4NA8V ”Picturelife” [4]: http://www.apple.com/de/itunes/itunes-match/ [5]: https://agilebits.com/onepassword “1Password” [6]: http://www.drobo.com [7]: http://www.crashplan.com [8]: http://www.backblaze.com/de_DE/ “Backblaze”

Absetz-Phänomene unter Antidepressiva

Voila_Capture2Man liest immer mal wieder von Absetz-Phänomenen unter Antidepressiva. Damit ist gemeint, dass Patienten, die über eine längere Zeit ein Antidepressivum erhalten haben, nach dem Absetzen unerwünschte Symptome wahrnehmen. Insbesondere wird über Unruhe, Schlafstörungen und eine schlechtere Stimmung geklagt.

Pharmakopsychiatrisch kann es für so ein Absetz-Phänomen nur eine Erklärung geben: Rezeptoren, die durch längere Stimulation in ihrem Gleichgewicht verändert worden sind, reagieren, wenn diese Stimulation abrupt endet. Typischerweise trifft das bei histaminergen Substanzen zu, manchmal auch bei Alpha-adrenergen Substanzen.

Absetz-Phänomene unter älteren Antidepressiva

Unter den älteren Antidepressiva wie Amitriptylin gibt es genau diese Absetz-Phänome unzweifelhaft. Amitriptylin zum Beispiel hat eine deutliche histaminerge Wirkkomponente. Diese histaminerge Wirkkomponente beruhigt und macht müde, und diese Wirkung tritt nach jeder Einnahme des Medikamentes sofort ein.

Wenn der Körper sich nun durch längere regelmäßige Einnahme von Amitriptylin an diese histaminerge Stimulation gewöhnt hat, ist es nur allzu verständlich, dass das plötzliche Absetzen dieser Substanz zum genauen Gegenteil führt, also zu Unruhe, Getriebenheit und Schlafstörungen.

Ich selbst habe diese Absetz-Phänomene nach plötzlichem Absetzen von Amitriptylin schon bei vielen Patienten beobachtet.

Dieses Phänomen klingt innerhalb weniger Tage nach Absetzen des Medikamentes wieder ab, was aus pharmakopsychiatrischer Sicht auch naheliegt, da sich Histamin-Rezeptoren schnell (und Alpha-adrenerge Rezeptoren noch schneller) wieder in ihr altes Gleichgewicht einfinden.

Um Schlafstörungen und Unruhe beim geplanten Absetzen von einer höheren Dosis Amitriptylin zu vermeiden, sollte man daher die Dosis schrittweise über zwei bis vier Wochen reduzieren und das Medikament dann schließlich ganz absetzen.

Absetz-Phänomene unter SSRI

Anders sieht es bei der Behandlung mit reinen SSRI wie Citalopram oder Escitalopram aus. Diese haben praktisch keine histaminerge oder Alpha-adrenerge Wirkung. Der oben beschriebene Mechanismus kann hier also nicht auftreten.

Es ist sehr fraglich, strittig und meiner Kenntnis nach nicht gut untersucht, ob das Absetzen eines reinen SSRI überhaupt zu Absetz-Phänomenen führen kann. Die Erklärung müsste dann ja sein, dass der Abfall der Serotonin-Konzentration im synaptischen Spalt zu bestimmten Symptomen führt.

Meine Beobachtung ist, dass in den ersten Tagen einer Behandlung mit einem reinen SSRI wie Citalopram überhaupt keine Wirkung festzustellen ist. Das spräche dafür, dass nach einem plötzlichen Absetzen auch überhaupt kein Absetz-Phänomen zu erwarten ist.

Ich selbst habe bei den von mir behandelten Patienten noch nicht erlebt, dass es nach dem abrupten Absetzen eines reinen SSRI wie Citaloprams zu erkennbaren Absetz-Phänomenen gekommen wäre.

Eure Erfahrungen mit Absetz-Phänomenen unter Antidepressiva?

Aber man sieht ja auch nur, was man kennt, und ich selbst kenne die Frage nach Absetz-Phänomenen unter SSRI erst aus wiederholten Anfragen und Kommentaren in diesem Blog.

Daher möchte ich euch fragen: Habt ihr an euch selbst oder an von Euch behandelten Patienten, die Citalopram oder Escitalopram oder ein anderes reines SSRI erhalten haben, das plötzlich abgesetzt wurde, Absetz-Phänomene beobachtet? Wenn ja, welche? Kennt jemand eine vernünftige Studie dazu?

Facharzt für sozialwissenschaftliche Propädeutik

Der Dienstarzt hat hier einen interessanten link in einen interessanten blog Beitrag gebettet. Wie denkt ihr darüber? Ich habe den post kommentiert. Bitte auf den Kommentaren dort mitdiskutieren!